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Letzte Aktualisierung: 14.07.2024

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Lage auf dem Wohnimmobilienmarkt im IHK-Bezirk Frankfurt spitzt sich zu

von Ilse Romahn

(12.09.2023) Die seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges angespannte Lage auf dem Wohnimmobilienmarkt im IHK-Bezirk Frankfurt am Main (Stadt Frankfurt, Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis) spitzt sich weiter zu. Eine im August 2023 durchgeführte Umfrage unter den Mitgliedern der Frankfurter Immobilienbörse bei der IHK Frankfurt am Main bestätigt, dass sich die Abwärtsspirale weiterdreht und auch mittelfristig keine Entspannung in Sicht ist.

„Die Entwicklungen auf dem Wohnimmobilienmarkt im IHK-Bezirk sind besorgniserregend. Während der Wohnungsbedarf in der Region aufgrund des zunehmenden Fach- und Arbeitskräftemangels wieder steigt und beziehbarer Wohnraum dringend benötigt wird, sind die Neubauaktivitäten komplett eingebrochen und der Druck auf dem Mietmarkt wächst kontinuierlich“, kommentiert Ulrich Caspar, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, die Umfrageergebnisse der Frankfurter Immobilienbörse bei der IHK Frankfurt am Main zur aktuellen Situation auf dem Wohnimmobilienmarkt im IHK-Bezirk.

Die derzeitigen herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie unter anderem das hohe Inflations- und Zinsniveau sowie die gestiegenen Preise für Rohstoffe und Energie haben laut den Unternehmen der Frankfurter Immobilienbörse für fallende Kaufpreise und eine einbrechende Nachfrage gesorgt. „Insbesondere bei den Bestandsimmobilien sehen wir einen zum Teil starken Preisrückgang. Das bestätigen 87 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben. Fast die Hälfte gibt an, dass die Kaufpreise im Verlauf der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent gesunken sind. Da zum einen die Kosten für energetische Sanierungsmaßnahmen in den Kaufentscheidungen eine stärkere Rolle spielen und zum anderen Kaufinteressierte aufgrund der gestiegenen Bauzinsen Abstriche machen müssen, sind auch die Preise in diesem Segment stark gefallen“, so Helmut Christmann, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Immobilienbörse. Da sich aktuell nicht abzeichnet, dass die Bauzinsen bis Ende 2023 wieder auf das Vorjahresniveau sinken könnten, rechnen zwei Drittel der Unternehmen damit, dass die Preise für Bestandsimmobilien im Jahresverlauf weiter sinken werden.

„Bereits zu Jahresbeginn hatten die Unternehmen berichtet, dass die Nachfrage in einigen Teilsegmenten auf dem Wohnimmobilienkaufmarkt im IHK-Bezirk um bis zu 80 Prozent eingebrochen ist. Die neuesten Zahlen bestätigen diese Entwicklung: Rund 67 Prozent der befragten Unternehmen der Immobilienbranche stimmen der Aussage zu, dass die Nachfrage nach Wohnimmobilien zum Kauf im IHK-Bezirk im ersten Halbjahr 2023 weiter abgenommen hat. 80 Prozent geben an, dass ehemals Kaufinteressierte von ihrem Vorhaben zurückgetreten sind“, so Christmann weiter. Weitere Entwicklungen sind laut der Erhebung für 53 Prozent der Mitglieder Preisanpassungen, ein verstärkter Fokus nach preisgünstigeren Immobilien (47 Prozent) sowie eine Rücknahme der Kaufimmobilien vom Markt (40 Prozent). Aus Sicht der Expertinnen und Experten der Frankfurter Immobilienbörse sind die Finanzierungsschwierigkeiten für Privatpersonen die derzeit größte Herausforderung auf dem Wohnungsmarkt im IHK-Bezirk Frankfurt am Main. 

Die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt haben auch Einfluss auf das Mietpreisniveau im IHK-Bezirk. 60 Prozent der Unternehmen geben an, dass ehemals Kaufinteressierte nun vermehrt nach Mietobjekten suchen, wodurch sich der Druck auf dem Mietmarkt weiter erhöht. „Die Umfrageergebnisse zeigen, dass das Angebot an Mietwohnungen in den ersten Monaten des Jahres gesunken ist. Gleichzeitig sind die Mieten zum Teil um mehr als fünf Prozent gestiegen“, erläutert der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Immobilienbörse. Für das zweite Halbjahr rechnen 60 Prozent der befragten Immobilienunternehmen damit, dass der Druck auf dem Mietwohnungsmarkt im IHK-Bezirk weiter zunehmen wird. 

Für die Bauwirtschaft ist neben der herausfordernden Finanzlage durch die Zinsentwicklung und die gestiegenen Materialkosten das Ausmaß der baurechtlichen Vorgaben ein wesentlicher Faktor, welcher die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt – insbesondere im Neubau – beeinflusst. 60 Prozent der befragten Unternehmen bestätigen, dass der Abbau von regulatorischen Auflagen ein wirkungsvoller Schritt ist, um die Baudynamik wieder anzukurbeln.

IHK-Präsident Ulrich Caspar appelliert an die Politik, nun Maßnahmen zu ergreifen, um den angespannten Wohnungsmarkt in Frankfurt zu entlasten und die Investitionsbereitschaft anzukurbeln. „Die Überregulierung wird mehr und mehr zum Bremsfaktor für die weiteren Neubauaktivitäten im IHK-Bezirk und belastet den ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt zusätzlich. Für einen Neustart der Wohnungsbaupolitik sollten daher zum einen die bestehenden staatlichen Vorgaben und Regulierungen reduziert werden. Vor allem die hohen Anforderungen wie z. B. die laufend fortgeschriebenen energetischen Vorgaben im Gebäudebereich sollten reduziert und auf kommunale verschärfende Regelungen wie dem sogenannten Frankfurter Baulandbeschluss verzichtet werden. Leider erkennen wir an vielen Stellen derzeit keine Bereitschaft zur Reduzierung von Vorgaben, daher sollte die Politik als Kompensation dringend neue Investitionsanreize für die Bau- und Immobilienwirtschaft schaffen. Mit steuerlichen Entlastungen, wie beispielsweise einer temporären Aussetzung der Grunderwerbsteuer beim Erwerb von selbstgenutzten Immobilien, eine degressive AfA für den Neubau und sich im Bau befindliche Wohngebäude sowie einem reduzierten Mehrwertsteuersatz von aktuell 19 auf sieben Prozent für den Wohnungsbau, könnte die Politik kurzfristige Maßnahmen ergreifen, um die Lage auf dem Wohnungsmarkt im IHK-Bezirk zu entspannen“, zeigt Caspar mögliche Lösungsansätze auf. 

Die Frankfurter Immobilienbörse bei der IHK Frankfurt am Main ist ein regionaler Interessenszusammenschluss von rund um die Immobilie engagierten Unternehmen und Institutionen aus der Immobilienbranche. Sie wurde 1967 unter der Trägerschaft der IHK Frankfurt am Main gegründet und bildet eine Plattform zur Erweiterung des eigenen Netzwerks und der Zusammenarbeit professioneller Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer.

Weitere Informationen zu der Mitgliedschaft, den Studien und Projekten der Frankfurter Immobilienbörse: www.frankfurt-main.ihk.de/immobilienboerse

https://www.frankfurt-main.ihk.de