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Letzte Aktualisierung: 13.04.2021

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KZ Katzbach: Todesmarsch jährt sich zum 76. Mal

von Ilse Romahn

(25.03.2021) Im Spätsommer 1944 wurde ein Außenlager des KZ Natzweiler für die Produktion von Rüstungsgütern der Adlerwerke fertiggestellt – mitten im Frankfurter Gallus. Unter den eingelieferten Häftlingen waren viele, die nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands verschleppt wurden.

In den wenigen Monaten des Bestehens des Lagers, das den Decknamen „Katzbach“ erhielt, starben dort bis Kriegsende insgesamt 527 Zwangsarbeiter infolge der menschenverachtenden Bedingungen, verhungerten oder fielen völlig entkräftet Krankheiten und Siechtum zum Opfer.

Vor 76 Jahren, am 24. März 1945, wenige Tage vor dem Einmarsch der Alliierten in Frankfurt, begann der Todesmarsch der Häftlinge. NSDAP-Gauleiter Jakob Sprenger befahl die „Evakuierung“, um Beweise der Existenz des KZ zu beseitigen. 450 todkranke und marschunfähige Zwangsarbeiter wurden wenige Tage zuvor mit dem Zug in das Konzentrationslager Bergen-Belsen verfrachtet. Für die verbliebenen 360 bis 370 Häftlinge begann ein Todesmarsch nach Osthessen.

Eskortiert und getrieben von der SS ging es quer durch die Stadt entlang des Mains Richtung Hanau, über Gelnhausen, Schlüchtern und Fulda bis ins 120 Kilometer entfernte Hünfeld. Dort wurden sie auf Güterwaggons verfrachtet und ins KZ Buchenwald transportiert. Nur 280 überlebten die Strapazen. Das Kriegsende, rund sechs Wochen später, erlebten nur 60 der ehemals 1616 Häftlinge des KZ Katzbach.

Ende Februar 2021 stimmte der Magistrat der Errichtung einer Erinnerungsstätte zum Gedenken der Opfer des KZ Katzbach zu. Seit mehr als 30 Jahren engagiert sich eine bürgerschaftliche Initiative gegen das Vergessen. Am ehemaligen Standort der Adlerwerke entsteht auf rund 160 Quadratmetern eine Erinnerungs- und Bildungsstätte, welche der Geschichte des KZ Katzbach und der Zwangsarbeit in Frankfurt gewidmet ist. „Die Errichtung der Erinnerungsstätte war überfällig“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann. „Das Leid der Opfer und ihrer Familien muss Teil unseres kollektiven Gedächtnisses werden.“ Nach Kriegsende wurde die Existenz des Lagers in der Öffentlichkeit systematisch totgeschwiegen. Mit der Erinnerungs- und Bildungsstätte wird ein zentraler Beitrag zur kritischen Aufarbeitung der Geschichte Frankfurts geliefert. „Wer es mit ‚Nie wieder‘ ernst meint, muss verhindern, dass sich der Schleier des Vergessens über die Verbrechen der Nazi-Diktatur legt“, betont das Stadtoberhaupt.

„Es ist für Frankfurt an der Zeit, dass die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen in dem sogenannten KZ Katzbach nicht mehr allein von engagierten Bürgerinnen und Bürgern getragen werden muss. In vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen der Zivilgesellschaft und der Stadt Frankfurt entsteht am authentischen Ort des Verbrechens in den nächsten Monaten eine Erinnerungs- und Bildungsstätte“, fügt Kulturdezernentin Ina Hartwig hinzu.

Am Montag, 29. März, findet zum Gedenken an die Opfer um 19 Uhr eine Online-Gedenkveranstaltung des Fördervereins Gedenkstätte KZ Katzbach statt. (ffm)