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Letzte Aktualisierung: 05.05.2021

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Kunsthaus Zürich öffnet den Chipperfield-Bau für «Preview»

von Ilse Romahn

(30.04.2021) Ungeschminkt, großzügig und sinnlich – so präsentiert sich die Erweiterung des Kunsthaus Zürich nach außen, während hinter den Kulissen der Einzug der Kunst beginnt.

Kunsthaus Zürich öffnet den Chipperfield-Bau für «Preview»
Foto: Kunsthaus Zürich,
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Bis 24. Mai 2021 besteht Gelegenheit, einen noch weitgehend unverstellten Blick auf die puristische Architektur des von David Chipperfield Architects entworfenen Gebäudes zu erhaschen, in der neben viel Sichtbeton edle Materialien wie helles Eichenholz, glänzendes Messing und smaragdfarbener Samt ihre maximale Wirkung entfalten.

Forsythe-Projekt läutet die Inbetriebnahme ein
Verstärkt wird die Wahrnehmung durch die temporäre Klanginstallation des Choreografen William Forsythe: Über mehrere Räume des Erweiterungsbaus verteilt sind Kirchenglocken und Triangeln in verschiedenen Größen, Tonhöhen und Klangfarben in einer kontrapunktischen Komposition aktiviert. Forsythe betrachtet Chipperfields Gebäude als einen immensen Klangkörper. Er lädt die Besucherinnen und Besucher ein, die Komposition über ihre Entdeckungsreisen durch das neue Museum individuell mitzugestalten und so seinen choreo­grafischen Vorschlag zu verkörpern.
 
Erste Kunstwerke in Halle, Bar und Garten
Wer bis 24. Mai zur Preview kommt, erblickt außerdem den ergrünenden, von Wirtz International gestalteten Garten, der als Treffpunkt und Veranstaltungsort noch ein Rondell mit versteckter Bar erhalten hat. Die Halle und die Sammlungsräume locken mit weiteren überraschenden

Aussichts­punkten auf die Umgebung. Es gibt ein Wiedersehen mit Calders Mobile «Cinq blancs, un rouge» (1972). Zum Greifen nah schwebt es in der großen Halle. Das Wandbild «Pétales et jardin de la nymphe Ancolie», das 1934 von Max Ernst für die Corso-Bar am Bellevue geschaffen worden war, ist nun der künstlerische Mittelpunkt der Chipperfield-Bar. Robert Delaunays «Formes circulaires» (1930) zieht den Blick ins zweite Obergeschoss, und der von Urs Fischer geschenkte Grundstein «8» (2014) liegt lässig zwischen den Räumen der Sammlung Looser und denjenigen des Kunsthauses. Neu ist «Over and Above» von Lawrence Weiner. Das Werk des Konzeptkünstlers wurde eigens für das Kunsthaus adaptiert und an den Zugängen zur Passage montiert, die unter dem Heimplatz hindurch den Moser- mit dem Chipperfield-Bau verbindet. Während der Preview-Phase erfolgt der Zugang zur Erweiterung durch diese Passage. Das große Messingportal des Chipperfield-Baus am Heimplatz 5 geht erstmals am Pfingstwochenende auf – anlässlich dreier Tage der offenen Tür.

Der Countdown hat begonnen
Im Bestandsbau ist die Hälfte der Räume neu eingerichtet worden, andere sind im Zwischenstadium. Monet zieht um, Munch wird auf Baselitz treffen und die ägyptische Künstlerin Anna Boghiguian teilt sich mit Kader Attia den ehemaligen Kuppelsaal, der einst Böcklin gewidmet war. In Zukunft wird es mehrere solcher Interventionsflächen geben. Auf countdown.kunsthaus.ch, auf Facebook, YouTube und Instagram, lässt das Kunsthaus sein Publikum an den Aktivitäten vor und hinter den Kulissen bis zur Eröffnung mit regelmässigen Posts teilhaben.
 
Mit allen Sinnen
Die Kunstvermittlung organisiert Erkundungstouren, durchgeführt von blinden und gehörlosen Menschen, die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihre Wahrnehmung der Architektur von David Chipperfield und dem Werk von William Forsythe näherbringen. Die Veranstaltungen «Raum, Klang und Körper» ermöglichen ebenfalls einen Perspektivenwechsel: Kinder, die in einem Workshop (Auf)-Führungen vorbereiten, leiten Erwachsene an, selber aktiv zu werden. Sich selbst und Architektur fotografisch in Szene zu setzen ist die Idee des Projekts «Foto-Call Chipperfield». Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 20 Jahre werden eingeladen, ihre Ansichten der Kunsthaus-Erweiterung festzuhalten oder die Architektur als Bühne für insze­nierte Schnappschüsse zu benutzen. Die eingereichten Fotos werden juriert und prämiert.
 
An Pfingsten gratis in die Kunsthaus-Erweiterung: Samstag bis Montag, 22.–24. Mai, 10–18 Uhr
Das anlässlich der Schlüsselübergabe im Dezember 2020 geplante Wochenende zur Besichtigung des Chipperfield-Baus konnte pandemiebedingt nicht durch­geführt werden. Dafür ermöglicht die Bauherrschaft die kostenlose Besichtigung an den letzten drei Tagen der Preview-Phase im Rahmen des unter Einhaltung der geltenden Schutzvorschriften laufenden Museumsbetriebs. Der Zutritt erfolgt erstmals durch den neuen Haupteingang Heimplatz 5. Für Fragen stehen Architektur-Führer zur Verfügung.
  
info@zuerich.com.