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Letzte Aktualisierung: 03.04.2020

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Kunst an der Küste: Max Liebermann im holländischen Noordwijk

von Ilse Romahn

(19.03.2020) Am 12. März feierten der deutsche Botschafter in den Niederlanden, Dirk Brengelmann, die Direktorin der Villa Liebermann Berlin, Lucy Wasensteiner, der Stadtrat der Gemeinde Noordwijk, Henri de Jong, die Vorsitzenden und Mitglieder der Max-Liebermann-Stiftung Noordwijk und viele Einwohner des südholländischen Küstenortes die Einweihung der neuen Max Liebermannstraat.

Die 24. Gedenktafel der Liebermann-Route von Noordwijk
Foto: Cor Vink
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Und es gab doppelt Anlass zur Freude: In der dem berühmten deutschen Impressionisten geweihten Straße errichtete die Stiftung die 24. Liebermann-Gedenktafel, die nun mit den 23 anderen Tafeln im Ort eine einzigartige Kunstroute bildet. Liebermann liebte Noordwijk – und Noordwijk liebt Liebermann.

Mit seinen langen Stränden, den weiten Dünen und der frischen Meeresluft ist Noordwijk zwischen Den Haag und Amsterdam einer der beliebtesten Urlaubsorte der Niederlande. Und das nicht erst seit Kurzem – berühmte Maler aller Jahrhunderte zog es hier an die See. So auch vor mehr als 100 Jahren einen, der die Kunstwelt Europas veränderte: Max Liebermann. Liebermann ist visueller Chronist des Ortes und auch für die Beziehung zwischen Deutschland und den Niederlanden eine wichtige Persönlichkeit. Dies symbolisiert jetzt die erste Max Liebermannstraat der Niederlande im Noordwijker Viertel Duineveld.

Die Liebermann-Liebhaber des Nordens
„Ich habe mich sehr über die Einladung nach Noordwijk gefreut. Als Liebermann-Kennerin kenne ich auch Noordwijk – aber nur durch seine Bilder, ich bin das erste Mal selbst hier. Das ist etwas ganz Besonderes für mich zu sehen, dass er hier so gewürdigt wird“, erzählt Dr. Lucy Wasensteiner, Direktorin der Villa Liebermann aus Berlin. Familien, Nachbarn, Presse und viele Kunstliebhaber aus der Region finden sich an diesem Tag zusammen. Paul Overmars, Vorsitzender der Stiftung, begrüßt die zahlreichen Gäste und bedankt sich besonders für den deutschen Besuch. Neben der Direktorin der Villa Liebermann ist der deutsche Botschafter, Seine Exzellenz Dirk Brengelmann, aus Den Haag angereist. Sie alle werden von Esther Fleers, Direktorin von Real Estate Heijmans, im „Distrikt Duineveld“ willkommen geheißen. Die strahlend weiße Neubausiedlung direkt am Meer gedenkt mit ihren Straßen wichtigen Künstlerinnen und Künstlern.
  

Die erste Max Liebermannstraat in den Niederlanden
„3, 2, 1!“ Unter kräftigem Applaus enthüllen die Kinder der Sponsoren gemeinsam mit Lucy Wasensteiner die neue Gedenktafel. Neugierig schauen die Besucher auf das abgebildete Liebermann-Gemälde. „3, 2, 1!“ Und schon geht es weiter: Der deutsche Botschafter zieht am Seil und da steht es, weiß auf blau geschrieben: Max Liebermannstraat – die erste Straße, benannt nach dem wichtigen visuellen Chronisten. „Und genau hier hat Liebermann dieses Bild damals gemalt!“, ruft Paul Overmars aus. Er deutet auf das Gemälde. Besucher und Initiatoren strahlen, es ist ein Tag des Gedenkens und gleichzeitig, um gemeinsam nach vorne zu schauen.„Ich freue mich über so viele Freunde in den Niederlanden!“, beginnt Lucy Wasensteiner ihre Rede. Sie erzählt von leuchtenden Farben, von der elementaren Macht der Natur, die Liebermann hier in Noordwijk festgehalten hat. „Über 40 Jahre kam Liebermann immer wieder hierher zurück.“ Der Ort ist eine sehr bedeutende Quelle der Inspiration für die Kunstwelt.

Symbol für die Freundschaft zweier Länder
Seine Exzellenz Dirk Brengelmann kann Liebermanns Faszination für den Küstenort verstehen: „Ich bin auch immer wieder in Noordwijk – heute mit meiner Frau und damals schon als Kind im Badeurlaub. Wie wichtig dieser Ort für uns Deutsche ist, das sehen Sie hier ja jeden Sommer allein an den vielen Autokennzeichen!“ Mit Humor betont der Botschafter die wichtige Beziehung der beiden Länder. „Was Sie vielleicht noch nicht wissen, meine Damen und Herren: Die Niederlande sind der zweitgrößte Handelspartner Deutschlands. Nach China.“ An die bewegte Geschichte beider Länder erinnern 2020 viele Gedenkveranstaltungen. „Befreiung, ja, wir wissen, was das heißt!“, sagt Brengelmann. 75 Jahre Befreiung von den Nazis werden mit Versöhnung und Hoffnung gefeiert. Eine wichtige Botschaft dazu überbringt der Botschafter auch vom amtierenden Bürgermeister in Berlin, Michael Müller: „Gerade in Zeiten, in denen wir einen solchen Rechtsruck in der Politik erleben, ist es wichtig, Künstler wie Liebermann ins Licht zu rücken. Er stand für Kreativität und Fortschritt und war damit ein Gegner der Nazis.“ Liebermann selbst hat den Krieg nicht mehr erleben müssen, doch seine Arbeit stellte eine klare Gegenposition dar. Als die ersten Nationalsozialisten die Macht ergriffen, legte er sämtliche seiner offiziellen Ämter in Deutschland nieder.
 

Liebermanns „Malheimat“ erfahren
Der Meister des Impressionismus hielt den Badeort und seine Umgebung in über 127 Ölgemälden fest. Er nannte Noordwijk seine „Malheimat“. Dank der Stiftung und vielen privaten und öffentlichen Sponsoren gibt es heute in Noordwijk die Liebermann-Route, eine Touristenattraktion. „Seine Bilder sind ein wichtiges Denkmal für uns“, sagt Henri de Jong, Beigeordneter im Stadtrat. Liebermann ist der wichtigste Maler, der die Anfangsjahre Noordwijks als Badeort auf Leinwand gebannt hat. „Ich bin einer der Menschen, die die Tafeln sauber machen. Meine Frau und ich sind zusammen mit vielen Ehrenamtlichen dabei. Für uns ist die Route Teil der Identität Noordwijks und wir halten sie liebevoll instand“, sagt einer der Besucher der feierlichen Enthüllung. Die Spazier- und Radroute mit 24 Tafeln zeigt Abbildungen der Gemälde mit Infotexten dazu. Besucher radeln oder wandern auf der Route – und vergleichen Gegenwart und Vergangenheit. Die Tafeln stehen alle an den Stellen, wo Liebermann die Landschaften Anfang des 20. Jahrhunderts tatsächlich auch gemalt hat.

www.maxliebermannnoordwijk.nl