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Letzte Aktualisierung: 06.07.2020

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Kulturfonds Frankfurt RheinMain fördert drei neue Projekte

Schwerpunkt „Erzählung.Macht.Identität"

von Ilse Romahn

(04.06.2020) Der Kulturausschuss des Kulturfonds Frankfurt RheinMain hat die Förderung von drei Kunst- und Kulturprojekten beschlossen. Diese erhalten im Rahmen der aktuellen Förderperiode finanzielle Unterstützung in Höhe von insgesamt 487.920 Euro.

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Foto: Kulturfonds Frankfurt RheinMain
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Die neuen Förderprojekte zeichnen sich durch eine breite Vielfalt des künstlerischen und thematischen Spektrums aus. Neben den Sparten Darstellende und Bildende Kunst spielt auch in dieser Förderperiode Interdisziplinarität eine wichtige Rolle. Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und Vorsitzende des Kulturausschusses, hebt mit Blick auf die schwierige Lage hervor: „Gerade in Krisenzeiten ist und bleibt Kultur ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, vielleicht wichtiger denn je. Denn Kunst hat die Kraft, Menschen aus den verschiedensten Bereichen zusammenzuführen. Gerade in solchen Zeiten können facettenreiche Projekte als Anregung für gesellschaftliche Diskurse dienen." Karin Wolff, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, betont: „Die neuen Förderprojekte stehen für die Vielfalt und Qualität von Kunst und Kultur in der Metropolregion Frankfurt RheinMain. Jedes für sich genommen findet in der Region sein eigenes Publikum. Sowohl die Liebhaber klassischer Ausstellungen, das experimentierfreudigere Publikum als auch Kinder und Jugendliche können so Kunst mit allen Sinnen erleben."

Seit Mitte März ist nicht nur das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben, sondern auch das kulturelle Leben weitgehend heruntergefahren worden. Doch trotz aller Beschränkungen, die erst langsam gelockert werden, betonten Staatssekretärin Asar und Geschäftsführerin Wolff: „Kultur kommt nicht einfach durch abgesagte Ausstellungseröffnungen oder Veranstaltungen, geschlossene Theater, Museen und Ausstellungsräume zum Erliegen. Ganz im Gegenteil, Kultur hat im Zeitalter der Digitalisierung über verschlossene Türen und abgesagte Veranstaltungen hinweg Bestand."

Beide heben hervor, dass Kulturschaffende trotz Abstandhalten und Versammlungsverboten schnell auf alternative Lösungen gekommen seien, um den Menschen den Zugang zur Kunst weiterhin zu ermöglichen.

Dem Kulturfonds ist es gelungen, mit den Förderpartnern individuelle, innovative, kreative und fantasievolle Lösungen zu finden. Viele Projekte wurden in digitale Formate umgewandelt, wie beispielsweise das LICHTER Filmfest Frankfurt International und das „goEast Festival" in Wiesbaden. Trotz des ausbleibenden persönlichen Festivalbesuchs betonen die Veranstalter, dass die digitale Form Menschen erreicht habe, die zuvor nie erreicht worden seien. Und auch das Filmfestival „Nippon Connection: Female Futures" soll im Juni digital ausgetragen werden. Viele Ausstellungen, die zwischenzeitlich geschlossen werden mussten, wurden verlängert oder verschoben. Die Schauen „Fantastische Frauen – Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Louisa Bourgeois" in der Schirn Kunsthalle Frankfurt und „Glücks-Kunst – eine partizipative Kunstausstellung zum Thema Glück" im Kunsthaus Wiesbaden und Atelierhaus Darmstadt wurden bis Juli 2020 verlängert. Die Ausstellung „En passant. Impressionismus in Skulptur" im Städel Museum Frankfurt wurde bis Oktober 2020 verlängert sowie „Ludwig Knaus – Homecoming" im Museum Wiesbaden bis November 2020. „Bunte Götter – Golden Edition. Die Farben der Antike" in der Liebighaus Skulpturensammlung Frankfurt und „Kleidung in Bewegung: Weibliche Mode seit 1850" im Historischen Museum Frankfurt wurden sogar bis Januar 2021 verlängert. Die Sonderausstellung „Hammer! Handwerken wie Kelten und Römer" im Römerkastell Saalburg findet nun vom 26. Juni 2020 bis zum 07. März 2021 statt.

Fonds gibt Künstlerinnen und Künstlern Plattform sich und ihre Werke zu präsentieren
In dieser ungewohnten Lage sieht der Kulturfonds Frankfurt RheinMain dabei auch die Unterstützung von freiberuflichen Kulturschaffenden als wichtige Aufgabe. Gerade diese sind auf die Einnahmen vieler freie Projekte angewiesen. Hierfür wurde vom Kulturfonds eine Online-Plattform ins Leben gerufen, die Künstlerinnen und Künstlern aus der Kulturregion Rhein-Main, aber vor allem aus der freien Szene in Hessen, eine Bühne bietet. Kuratorin Dr. Julia Cloot erklärt hierzu: „Mit dem ‚open space‘ bieten wir Künstlerinnen und Künstlern aus der Region die Möglichkeit, kleinere Arbeiten oder Ausschnitte aus ihren Projekten auf unserer Website (http://kulturfonds-frm.de) zu präsentieren. Ab Juni sind diese zu sehen. Die Beiträge ersetzen das Live-Erlebnis nicht, sondern sie ergänzen es. Die Plattform ist spartenoffen, möglich sind Hörstücke, Audiowalks, Slams oder Geschichten zum Herunterladen, Videos, Fotos, Texte, Musik oder Performances." Die Ein- bis Zwei-Personen-Projekte sollen sich inhaltlich am aktuellen Schwerpunkt-Thema des Kulturfonds „Erzählung.Macht.Identität" orientieren. Im Hintergrund können etwa folgende Fragen stehen: Welche Alltags-Erzählungen sind für mich derzeit aktuell? Welche Narrative bestimmen Kunst und Leben? Inwiefern und wann hat künstlerisches Erzählen für mich eine identitätsstiftende Funktion? Wie kann ich die Gegenstände und Techniken meiner Kunstsparte in ein anderes Medium transformieren?

kulturMut trotz Krise nicht ausgebremst – Noch mehr Schwung für Crowdfunding
Seit Beginn des Jahres haben sich 19 Projekte aus dem Rhein-Main-Gebiet bei kulturMut beworben – von den Sparten Musik über Film, Literatur und Fotografie bis hin zur Bildenden Kunst. 16 Projekte wurden von der Jury für die kulturMut-Plattform zugelassen und die ersten fünf sind bereits erfolgreich in die Crowdfunding-Kampagne gestartet. Sie konnten mit circa 20.000 Euro unterstützt und ausgezeichnet werden.

Auch die Musikinitiative „Bridges – Musik verbindet", die Musikerinnen und Musiker mit und ohne Flucht- und Migrationshintergrund zusammenbringt, engagiert sich in diesen bewegten Zeiten besonders. So finanzierte sie den Aufbau von Onlineangeboten, um Künstlerinnen und Künstlern in Zeiten der Corona-Beschränkungen weiterhin für die Gemeinschaft sichtbar zu machen. Der Kunstverein „Ebene B1" plant, in Frankfurt zehn Kunstschaffende durch Einzelausstellungen in den Ausstellungsräumen der S-Bahn-Station Taunusanlage zu unterstützen.

Neue Förderprojekte weisen ins Jahr 2021
Durch die Förderung der neuen Projekte betont der Kulturfonds abermals die gesellschaftlich bedeutsame Stellung von Kunst und Kultur in der Rhein-Main Region. Auch in Zeiten von sozialem Abstandhalten ist und bleibt Kultur ein wichtiger Schlüssel, um Menschen miteinander zu verbinden. Im Rahmen der neuen Förderperiode sind folgende Projekte ausgewählt worden:

2021 feiert Frankfurt das 150-jährige Jubiläum des Palmengartens sowie 30 Jahre Frankfurter Grüngürtel. Unter dem Titel „Die Stadt und das Grün" feiert das Historische Museum Frankfurt diese Jubiläen vom 25. März bis zum 24. Oktober 2021 mit drei Sonderausstellungen. Eine davon ist die kulturgeschichtliche Ausstellung „Frankfurter Gartenlust" (25. März bis 5. September 2021), die sich dabei sowohl räumlichen als auch ästhetischen und sozialen Entwicklungen der öffentlichen Parks und ihrer Nutzung in ihrer Vergangenheit und heute widmet. Dabei wird unter anderem der Frage nachgegangen, wie mit den Grünflächen in der Stadt umgegangen wird und welche Rolle Architektur und Stadtentwicklung dabei spielen – denn Gärtnern kann eine Stadt auch zukunftsfähig machen.

Unter dem Arbeitstitel „uncommon communities" legt die dritte Ausgabe des F°LAB Festivals for Performing Arts 2021 einen Fokus auf nicht-alltägliche Kooperationen, auf gemeinschaftliche Formate und partizipative Momente. Die Partnerinstitutionen des biennalen Festivals entwickeln dazu sowohl auf der Produktions- als auch der Rezeptionsebene Programme, die temporäre Gemeinschaften hervorbringen, in denen sich Künstlerinnen und Künstler, Theoretikerinnen und Theoretiker, Expertinnen und Experten sowie Zuschauerinnen und Zuschauer in ungewöhnlichen Konstellationen begegnen und austauschen können. Maßgeblich für die Programmentwicklung des interdisziplinären Formats ist die Idee einer kulturellen Vermittlung jenseits klassischer Hierarchien von Lehrenden und Lernenden. Das Festival findet vom 9. Juni bis zum 13. Juni 2021 in Frankfurt am Main und Offenbach statt.

Auch die Jüngsten in Frankfurt und der gesamten Metropolregion Frankfurt RheinMain stehen im Fokus der Förderung des Kulturfonds. Bis zum Umbau eines eigenständigen Kinder- und Jugendtheaters im Zoogesellschaftshaus werden dort in den kommenden drei Jahren Produktionen als „Interimsbespielung" in der Übergangszeit stattfinden. Vom 26. Juni bis zum 15. November 2020 finden hier die Projekte „Invited" der internationalen Theatergruppe „Ultima Vez" (12. bis 15. November 2020) sowie die „Paradiesvogel-Festspiele" (26. bis 29. Juni 2020) statt. Sowohl die Stadt Frankfurt als auch der Kulturfonds legen bei diesem Projekt großen Wert auf die Vernetzung auch über die Stadtgrenzen hinaus. Momentan kooperieren der Hochtaunus- und der Main-Taunus-Kreis, so dass der Grundstein für ein Kinder- und Jugendtheater für die Region und vor allem auch für die freie Szene der Stadt Frankfurt und der Rhein-Main-Region gelegt wird.