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Letzte Aktualisierung: 28.07.2021

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Kulturdezernentin Hartwig: ‚Filmfestivals nach der Coronakrise gezielt weiterentwickeln‘

Stadt Frankfurt veröffentlicht Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für ein Filmfestivalzentrum

von Ilse Romahn

(17.06.2021) Das Kulturdezernat hat die Ergebnisse der 2018 in Auftrag gegebenen und im Frühjahr 2021 fertig gestellten Machbarkeitsstudie „Ein Filmfestivalhaus für Frankfurt – Machbarkeitsstudie in fünf Szenarien“ veröffentlicht. Die Studie zeigt fünf verschiedene Möglichkeiten auf, die tendenziell zunehmenden Raumbedarfe der Frankfurter Filmfestivals kurz-, mittel- und langfristig zu decken.

Kulturdezernentin Ina Hartwig sagt: „Die Frankfurter Filmfestivals sind ein beliebter, wichtiger und in ihrer Bedeutung wachsender Teil des Frankfurter Kulturlebens. Das gemeinsame Erleben von Filmkultur in Form öffentlicher Veranstaltungen, oft verbunden mit einem originellen Rahmenprogramm, ist in den Jahren vor der Coronakrise immer attraktiver geworden und wird auch in Zukunft wieder viele Menschen ansprechen und internationale Gäste in unsere Stadt holen. Ich bin deshalb froh, dass die neue Römerkoalition die Weiterentwicklung der Filmfestivals in den Koalitionsvertrag aufgenommen hat.“

Mehr als 20 Filmfestivals in Frankfurt Zuhause
Hintergrund der Filmstudie ist die wachsende Beliebtheit, der sich Filmfestivals in Frankfurt erfreuen. Neben großen und überregional bekannten Filmfestivals wie dem Lichter Filmfest Frankfurt International, Nippon Connection - Japanisches Filmfestival, LUCAS – Internationales Filmfestival für junge Filmfans und dem Türkischen Filmfestival Frankfurt gibt es mehr als 20 Filmfestivals, die viel Entwicklungspotenzial haben. Allerdings verfügen sie bislang über keinen festen Ort in der Stadt, der ihnen Arbeitsmöglichkeiten und Lagerflächen bietet. Auch die Zahl der Kinosäle mit geeigneten Veranstaltungsflächen, die für Filmfestivals zur Verfügung stehen, ist begrenzt.

Studie schlägt fünf mögliche Varianten vor
Mit der nun vorliegenden Studie wurden verschiedene Varianten geprüft, die Raumbedarfe der Festivals in Frankfurt zu befriedigen. Das beauftragte Büro "bb22 Architekten + Stadtplaner" hatte dazu mit Filmfestivalmachern, Experten und den Eigentümern bzw. Verantwortlichen für mehr als ein Dutzend potenzieller Standorte gesprochen und vergleichbare Referenzprojekte in anderen Städten untersucht. Die Szenarien wurden auf Grundlage der Gespräche mit Filmfestival-Veranstaltern und Akteuren aus der lokalen Filmszene entwickelt und orientieren sich daher eng an der vorhandenen lokalen Expertise.

„Variante XS“: Verwendung eines Kino- oder Leinwandschiffes als innerstädtische Ergänzung zu bestehenden Kinos und Abspielorten. So gibt es etwa in Bremen und Stuttgart Erfahrungen mit Theaterschiffen, die einen eigenen Zuschauerraum beinhalten. Denkbar sind unter Umständen auch Varianten einer schwimmenden Leinwand mit Zuschauerplätzen am Ufer.

„Variante S“: Ein Festivalbüro mit im Wechsel nutzbaren Arbeitsplätzen. Filmfestivals benötigen in der Regel besonders in den Wochen vor dem Festivalstart Arbeits- und Meetingräume. Da die Festivals über das Jahr verteilt stattfinden, können hier ein gefördertes Angebot an "Coworking Space" (wechselnd besetzbare, offen gestaltete Arbeitsräume) sinnvoll sein.

„Variante M“: Eine ergänzende Nutzung des Offenen Hauses der Kulturen auf dem zukünftigen Kulturcampus. Nach Umzug des AStA auf den Campus Westend soll im geplanten Offenen Haus der Kulturen auch das traditionsreiche studentische Kino bestehen bleiben, welches eine Geburtsstätte vieler Filmfestivals wie etwa Nippon Connection – Japanisches Filmfestival, ist. Dort könnten auch weitere Filmfestivals Platz finden.

„Variante L“: Ein Festivalhaus als gemeinsame Nutzung mit anderen kulturellen Einrichtungen: Ein multifunktionaler Veranstaltungssaal, der neben dem Film auch von anderen Kulturschaffenden genutzt wird und dem auch Lagerraum und Coworking Space angegliedert ist, könnte den Bedarf der Filmfestivals nach einem großen Kinosaal befriedigen. Exemplarisch geprüft wurde dies am Bespiel des Milchsack-Geländes im Frankfurter Gutleutviertel, das die städtische KEG im Dezember erworben hat. Dort befinden sich bereits Ateliers und Kultureinrichtungen.

„Variante XL“: Die Nachnutzung eines Interimsbauwerks für die Städtischen Bühnen Frankfurt. Sofern im Rahmen des geplanten Neubaus der Städtischen Bühnen ein Interimsbauwerk für Oper oder Schauspiel errichtet werden muss - was zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings noch Gegenstand von Prüfungen ist - wäre im Anschluss die dauerhafte Nutzung für Filmfestivals im Wechsel mit anderen Veranstaltungen eine in Betracht zu ziehende Variante.

Hartwig sagt: „Die jetzt vorgelegte Studie bietet uns interessante Lösungsansätze, das Angebot für die Filmfestivals in Frankfurt gezielt mit teils kurz-, teils längerfristigen Elementen weiterzuentwickeln. Die Vorschläge werden wir jetzt - zusammen mit den in der Szene bereits selbst entwickelten Konzepten und weiteren Möglichkeiten - im Dialog mit den Filmfestivalmacherinnen und -machern und weiteren Beteiligten auf ihre Umsetzbarkeit prüfen. Während der Corona-Zwangspause waren die Filmfestivals kreativ und haben neuartige Onlineformate entwickelt, die oft gut angenommen wurden. Jetzt freue ich mich zunächst darüber, dass es hoffentlich bald wieder losgeht mit Festivals in Präsenz und dass viele Festivals nach der Zwangspause schon in den Startlöchern stehen."

Die vollständige Studie kann unter https://museumsufer.ebox21.de/#/public/shares-downloads/u0JRCXdREeAQk6B4YsQKlbANh4tbKGRg heruntergeladen werden. (ffm)