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Letzte Aktualisierung: 12.08.2022

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Krifteler Ferienspiele 2022

Mit dem Kleingartenverein per Fahrrad in die Kiesgruben und in die Backstube Kilb

von Adolf Albus

(29.07.2022) Der Geruch von frischem Hefeteig zog hinaus aus der Backstube, hinein in die Nasen der Kinder. Diese traten am Dienstag dann noch einmal kräftiger in die Pedale, um die letzten Meter durch die Schulstraße schnell zu schaffen. Der Krifteler Kleingartenverein mit dem Vorsitzenden Bodo Knopf an der Spitze beteiligte sich auch dieses Jahr am Ferienspieleprogramm der Gemeinde und des Vereinsrings. Diesmal wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach einer Radtour zu Pizzabäckern.

Eigentlich wollte die Runde um Knopf und Joachim von Kiel vom Orgateam Ferienspiele an den Weilbacher Kiesgruben Insekten unter die Lupe nehmen. Das Vorhaben wurde verschoben. Knopf klopfte stattdessen bei Bäcker Kilb an die Backstubentür. „Ich habe gefragt, ob wir bei ihm Pizza backen dürfen“, erinnerte sich Bodo Knopf an das Gespräch vor etwa einer Woche. „Klar doch!“, antwortete Markus Kilb prompt. Er hatte vor Corona häufiger Kinder- und Schülergruppen zu Gast. „Die Gruppe heute ist sehr überschaubar, wenn ich das mit früher vergleiche“, sagte der Konditormeister dann am Dienstag gelassen.

Nachdem die Ferienspielkinder am Morgen zunächst eine Radtour mit Bodo Knopf, Joachim von Kiel und Rainer Schwebs vom DRK absolviert hatten, kamen sie in der Backstube mit „richtig Hunger“ an. Gut gelaunt platzierten Jungen und Mädchen die Räder im Hof, wuschen sich schnell die Hände und machten sich an die Arbeit. Knusprig und dünn sollte der Hefeteig sein. Saftig und herzhaft der Belag. Beiden Wünschen konnten Konditormeister Markus Kilb und Bäckergeselle Christopher Konstantin Krocke nachkommen.

 

„Acht Stücke Pizza schaffe ich alleine“

Krocke ist nicht nur im Backen von Torten und Törtchen, Broten und Brötchen bewandert. „Privat macht er häufig Pizza. Sogar auf dem Grill“, lobte Markus Kilb den Mitarbeiter.

Krocke war es denn auch, der die Kinder im Alter von 7 bis 9 Jahren in die hohe Kunst des Pizzabackens einführte. Wann bietet sich schon einmal die Möglichkeit einen raumhohen Etagenofen mit vier Schubfächern zu inspizieren? Wo gibt es noch Bäcker, die das traditionelle Handwerk von der Pike auf gelernt haben und danach arbeiten? Viele Fragen schwirrten den Ferienspielekindern im Kopf herum. Während sie in der alten Backstube mitmischten, plauderten sie aufgeregt mit den Profis.

An der großen Arbeitsfläche aus Edelstahl war dann jeder eingeladen seine eigene Lieblingspizza zu zaubern. Auch Bodo Knopf und Joachim von Kiel ließen sich den Spaß nicht entgehen. Als Pizzabäcker machten sie eine gute Figur. „Ich mag besonders Salami, Käse und Pilze“, warf Erick ein. Sein Kumpel Julian hatte den gleichen Geschmack. Die Jungs entschieden sich dafür, die Pizza zu teilen. Raik zählte: „Eins, zwei, drei… acht Stücke.“ Sein Urteil: „Das schaffe ich auch alleine.“

Lilli, Alma, Hanna und Sophie widmeten sich mit weiblicher Kreativität dem Teigfladen. Sie legten die Scheiben Schinken im Kreis, garnierten das ganz mit extra viel Käse. Die rote Soße - von Christopher Krocke nach einem Geheimrezept hergestellt - wurde in zwei Lagen aufgetragen. Am Ende würzten die Mädchen alles mit ordentlich viel Zwiebeln. „Das schmeckt bestimmt“, befanden sie gut gelaunt.

 

Ältester Handwerksbetrieb der Gemeinde

Die Bäckerei Kilb ist der älteste Handwerksbetrieb in der Gemeinde. 1895 wurde in dem Haus in der Schulstraße eine Backstube eröffnet. 1936 übernahm Kilbs Großvater den Betrieb, der später an den Vater und 1991 in dritter Generation an Markus Kilb weitergegeben wurde. „Wir arbeiten noch so, wie man es früher üblich war. Brot, Brötchen, Torten und Feingebäck werden nach traditionellen Rezepten gebacken. Zur Zwetschgenzeit gibt es Zwetschgenkuchen. Sind die Erdbeeren reif, machen wir Erdbeerkuchen“, erläuterte der Chef.

Dass sich die Backstube zu den Ferienspielen einen Tag lang in eine Pizzabäckerei verwandelte, störte keinen. Im Gegenteil: „Das ist fast wie in Italien“, lobten sie, als Christopher Krocke die belegten Hefefladen im Ofen positionierte und kurze Zeit später mit dem Holzschieber wieder rausholte. Im verwunschenen Hinterhof der Backstube Kilb ließen sich alle ihre Eigenkreationen schmecken und riefen aus einem Mund: „Danke lieber Markus!“ Der Bäcker spendierte zum Abschluss noch eine Runde Süßigkeiten aus der Verkaufstheke. Denn, so wie es sich für einen Traditionsbetrieb gehört, hält ein Konditor auch immer Naschwerk hinterm Tresen bereit.