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Kriftel: Nachhaltiger Schraubnachmittag in der Fahrradwerkstatt

Ein platter Fahrradreifen gibt Rätsel auf. Der Fahrradschlauch unter dem Mantel hat ein Loch. Wer ein solches Loch identifizieren und flicken kann, weiß mehr als viele andere. In der kleinen Fahrradwerkstatt Goethestraße 5 lernen die Krifteler Ferienspielekinder genau das. Am Nachmittag ist es in der Fahrradwerkstatt denn auch ganz still, als Christian Duesterberg den beschädigten Reifen in die Höhe hält und erklärt, was in solch einem Fall zu tun ist.

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Foto: Gemeinde Kriftel

„Hier“, sagt er und zeigt auf eine winzige Stelle, „war das Loch, das wir eben entdeckt haben.“ Ein Dutzend Kinder nicken. Dann: „Wir haben die Stelle ja jetzt mit Kontaktkleber eingestrichen – und mussten vier Minuten warten!“ Die sind längst vorbei. Der Flicken kann aufgebracht werden. Vorsichtig versucht Duesterberg die Schutzfolie auf der Rückseite des Flickens zu lösen. Doch die will nicht recht. Zum Glück ist Mike Ackermann zur Stelle, der mit Geduld und Fingerspitzengefühl aushilft. Ein neuer Flicken ist zur Hand und auf die markierte Stelle schnell „verarztet“. „Jetzt wirds spannend“, sagt Ackermann. Alle spitzen die Ohren und schauen gebannt auf den Schlauch, der zur Probe mit Luft befüllt wird. Die Fahrradwerkstatt beteiligt sich zum dritten Mal an den Krifteler Ferienspielen. Jedes Jahr sorgen Vereinsring und Gemeinde in den sechs Wochen Sommerferien für ein buntes, abwechslungsreiches Programm. So auch diesmal.

Bei Jochen von Kiel laufen wieder die organisatorischen Fäden zusammen. „Wir freuen uns sehr über den Zuspruch“, sagt von Kiel und blickt in die zufriedenen Kindergesichter. „Die Ferienspiele sind gut angelaufen. Ich bin begeistert von der Energie, mit der alle dabei sind. Die nächsten sechs Wochen werden wieder viele schöne Erlebnisse bereithalten.“

Der Nachwuchs grinst und hört dann Christian Duesterberg zu, der die Luftpumpe am Ventil ansetzt und den Schlauch kräftig aufpumpt. „Ich höre kein Zischen“, sagt Nikolas fachmännisch. Das Fazit der Gruppe? „Der Flicken hält!“ Erleichterung macht sich breit. Der Nachmittag wird noch mehr Wissen vermitteln. Denn Mike Ackermann und Christian Duesterberg nennen sich nicht grundlos augenzwinkernd „die Fahrrad-Docs“.

Von 14 bis 16 Uhr geben Ackermann und Duesterberg das kleine Ein-mal-Eins der Fahrradkunde weiter. In der Werkstatt hängen und liegen überall Werkzeuge. Fein säuberlich geordnet sind die Schraubenschlüssel, Zangen, Luftpumpen. In den Regalen stehen Kisten voller Ersatzteile – alles ist griffbereit. Die ehrenamtlichen Reparateure führen locker und mit viel Wissen durch die Zeit. „Was gehört eigentlich zu einem verkehrssicheren Fahrrad?“, fragt Mike. Der Nachwuchs lernt, dass ein verkehrssicheres Rad nicht nur gesetzlich vorgeschrieben ist, sondern Sicherheit im Alltag gibt. Alle sind mit den eigenen Rädern zur Fahrradwerkstatt gefahren, nutzen den Drahtesel regelmäßig.

Kinder werden aktiv eingebunden, dürfen schrauben, pumpen, reinigen, flicken. Sie lernen wie Bremsen justiert werden und, dass ein Fahrrad auch gepflegt sein sollte. Viele sind überrascht, wie viel sie selbst machen können und wie wenig es braucht, um ein Rad wieder in Schwung zu bringen.

Die Betreuer zeigen, dass Technik Spaß macht - und dass Dinge nicht gleich weggeworfen werden müssen. Denn auch Nachhaltigkeit wird bei den Fahrrad-Docs großgeschrieben.

Die Werkstatt wurde 2016 im Rahmen der Flüchtlingshilfe gegründet und ist heute fester Bestandteil des Familienzentrums Kriftel. Jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr stehen hier die Türen offen – für alle, die ein kaputtes Fahrrad reparieren und ein intaktes oder defektes Exemplar zur Spende abgeben möchten. „Denn wir reparieren nicht nur“, erklärt Mike. „Wir verwerten auch die Teile.“ Fahrräder, die nicht mehr zu retten sind, dienen als Ersatzteillager. efx