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Letzte Aktualisierung: 19.10.2020

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Klaus-Mann-Platz: Frankfurter Straßenschild wird Teil eines Denkmals in München

von Ilse Romahn

(07.10.2020) Ein Straßenschild mag so manche Geschichte erzählen oder Botschaft vermitteln, die einem flüchtigen Blick verborgen bleiben. So war es beim Klaus-Mann-Platz unweit der Konstablerwache im Jahr 1995 eine Besonderheit, dass mit dem Schriftsteller ein Straßenraum nach jemandem benannt wurde, der sich zur Homosexualität bekannte.

Aus München angereist hat der Künstler Albert Coers (Mitte) ein Schild des Klaus-Mann-Platzes von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (rechts) und Julius Reinsberg vom Dezernat für Kultur und Wissenschaft erhalten.
Foto: Stadt Frankfurt / Christian Wachter
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Am Dienstag, 6. Oktober, hat der Münchner Künstler Albert Coers im Beisein des Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling und eines Vertreters von Kulturdezernentin Ina Hartwig eine Ausgabe des Schilds überreicht bekommen. Coers hat einen Wettbewerb des Kulturreferats der bayerischen Landeshauptstadt für sich entschieden und wird am Münchner Salvatorplatz ein Denkmal errichten, das der Familie von Thomas Mann, Klaus Manns Vater, gewidmet ist. Es soll aus rund 15 Straßenleuchten und daran befestigten Schildern bestehen. Nicht nur die Strahlkraft der Familie Mann, sondern gerade auch die Internationalität und die Exilgeschichten ihrer Mitglieder werden damit Thema sein.

Am Klaus-Mann-Platz, auf dem mit dem Frankfurter Engel auch ein Mahnmal steht, das an die Verfolgung der Homosexuellen im Nationalsozialismus erinnert, betonte Verkehrsdezernent Oesterling: „Wir stehen hier zwar im Zentrum der Stadt, aber dennoch mag die Botschaft dieses Platzes so manchem kein Begriff sein. Umso froher bin ich, dass mit dem Schild ein Stück aus Frankfurt Teil einer solchen Ausstellung in München wird.“

Kulturdezernentin Hartwig ließ Folgendes übermitteln: „Die Familie Mann ist eine der beeindruckendsten Intellektuellenfamilien des 20. Jahrhunderts und wird dennoch immer noch allzu zu oft auf den Schriftsteller Thomas Mann reduziert. Ich begrüße daher die Initiative der Stadt München sehr, die mit diesem innovativen Kunstprojekt den Blick für die anderen Familienmitglieder weitet. Der Klaus-Mann-Platz in Frankfurt steht heute nicht nur für einen bedeutenden Schriftsteller und unerbittlichen Gegner der Nationalsozialisten, sondern auch für die komplexe Lebensgeschichte eines homosexuellen Mannes im 20. Jahrhundert.“ (ffm)