KI-gestützte Textilsortierung aus Hessen stärkt nachhaltiges Recycling
Die wachsenden Mengen an Altkleidern stellen Kommunen, Entsorgungsbetriebe und Recyclingunternehmen vor große Herausforderungen – insbesondere in dicht besiedelten Regionen wie dem Rhein-Main-Gebiet. Ein innovatives Projekt aus Darmstadt könnte nun neue Maßstäbe setzen: Die Desion GmbH hat ein KI-basiertes System zur automatisierten Kleidungssortierung entwickelt, das Recyclingprozesse effizienter, wirtschaftlicher und nachhaltiger macht. Das Land Hessen förderte das Projekt mit 160.000 Euro aus dem Digitalprogramm „Distr@l“. Warum dies insbesondere auch für Frankfurt relevant ist.
Foto: KI-generiert/Prompt Poppe
Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus informierte sich kürzlich bei Desion-Geschäftsführer Dr. Dirk Siegmund über das erfolgreich abgeschlossene Projekt „Automatisierte Kleidungssortierung: T3S“. Ziel der Entwicklung ist es, das bislang überwiegend manuelle, zeit- und kostenintensive Sortieren von Textilien durch einen hochautomatisierten Prozess zu ersetzen. Gerade für Metropolen wie Frankfurt am Main, in denen jährlich große Mengen an Altkleidern gesammelt werden, eröffnet die Technologie neue Perspektiven für eine ressourcenschonendere Kreislaufwirtschaft.
„Innovative Technologien wie die automatisierte Kleidungssortierung zeigen eindrucksvoll, wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz zu mehr Nachhaltigkeit beitragen können“, betonte Ministerin Sinemus. Mit dem Projekt T3S unterstütze Hessen gezielt Lösungen an der Schnittstelle von Umwelt, Innovation und digitaler Transformation. Neben ökologischen Effekten biete die Technologie auch wirtschaftliche Chancen für Unternehmen und Kommunen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts werden in Deutschland pro Jahr rund 175.000 Tonnen Textil- und Bekleidungsabfälle aus privaten Haushalten eingesammelt – Tendenz steigend. Der anhaltende Trend zu Fast Fashion verschärft das Problem zusätzlich. Um Altkleider sinnvoll weiterzuverwenden, etwa als Second-Hand-Ware, Putzlappen oder Dämmmaterial, ist eine präzise Sortierung nach Material, Qualität und Zustand erforderlich. Genau hier setzt das System von Desion an.
Das entwickelte Inspektionssystem greift einzelne Kleidungsstücke mithilfe von Robotik und analysiert sie im freien Fall. Textilien, die eine genauere Untersuchung benötigen, werden automatisch ausgebreitet und aus mehreren Winkeln von Kameras erfasst. Eine eigens entwickelte KI-Software wertet die Bilddaten aus und erkennt Produktkategorie, Material, Qualität sowie mögliche Defekte. Bis zu 600 Kleidungsstücke pro Stunde können so ohne menschliche Interaktion sortiert werden.
„Unser System ist das erste vollautomatische Sortiersystem, das Altkleider mit hoher Genauigkeit und Geschwindigkeit analysiert“, erklärte Geschäftsführer Dr. Dirk Siegmund. Das Zusammenspiel aus Sensorik, feinmechanischer Aktorik und KI-basierter Regelungslogik stelle ein technologisches Alleinstellungsmerkmal dar. Für Unternehmen, die Alttextilien sammeln und sortieren, bedeute dies erhebliche Zeit- und Kosteneinsparungen.
Auch für Frankfurt am Main könnte die Technologie künftig relevant werden. Die Möglichkeit, Textilien direkt vor Ort zu sortieren, reduziert Transportwege zu externen Sortieranlagen und senkt damit Emissionen. Darüber hinaus eröffnet das System Perspektiven für weitere Einsatzfelder, etwa im automatisierten Retourenmanagement des Textileinzelhandels oder bei der Qualitätskontrolle von Berufsbekleidung – Bereiche, die im wirtschaftsstarken Rhein-Main-Gebiet eine wichtige Rolle spielen.
In Frankfurt am Main fallen geschätzt rund 6.000 Tonnen Textilien pro Jahr an. Davon werden etwa 1.500 Tonnen über Altkleidercontainer und Sammelsysteme erfasst – das entspricht rund 3,3 Millionen Kleidungsstücken jährlich. Weitere 4.600 Tonnen landen bislang im Restmüll.
Die Desion GmbH wurde 2020 als Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD und der TU Darmstadt gegründet. Ihre Kerntechnologie basiert auf Forschung im Bereich maschinelles Lernen, Software-Engineering und Robotik. Mit Projekten wie T3S zeigt sich, wie technologische Innovationen aus Hessen konkrete Beiträge zu mehr Nachhaltigkeit leisten können – mit Potenzial weit über Darmstadt hinaus, auch für Städte wie Frankfurt am Main.
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