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Letzte Aktualisierung: 30.09.2022

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Karoline von Günderrode-Ausstellung im Deutschen Romantik-Museum bis 11. Dezember

Warum soll der Mensch anders sein als er ist?

von Ilse Romahn

(20.09.2022) Karoline von Günderrode gilt als eine der bedeutendsten Dichterinnen der Romantik. Neben ihrem literarischen Werk beschäftigte sie sich intensiv mit der Philosophie des Deutschen Idealismus und verfasste auch eigene philosophische Texte. Die Rezeption wurde lange durch die dramatischen Aspekte ihres Lebens geprägt – vor allem durch die Umstände ihres Todes im Alter von 26 Jahren. Erst seit einiger Zeit wird sie als eigenständige Philosophin wahrgenommen.

Charlotte von Günderrode: Karoline von Günderrode, Porträt, 1797
Foto: Historisches Museum Frankfurt, Foto: Horst Ziegenfusz
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Die archivarischen Bestände zum Werk Karoline von Günderrodes, die sich heute in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main und im Freien Deutschen Hochstift befinden, bieten einen einzigartigen und umfangreichen Einblick in die Vielfältigkeit der literarischen Produktion Günderrodes. Auch machen sie deutlich, wie Günderrode im gesellschaftlichen Kontext des Frankfurter Patriziats zu verstehen ist.

In den fünf Vitrinen der Ausstellung werden Dokumente zu Günderrodes Leben und Werk gezeigt. Dazu gehören Brief- und Werkhandschriften, die noch nicht veröffentlicht oder ausgestellt worden sind. Der Fokus liegt auf dem künstlerisch-intellektuellen Schaffen der Dichterin. Neben Einblicken in ihre Jugendzeit, die Familie und das Leben des Frankfurter Patriziats werden Beispiele präsentiert, die die Vielfalt von Günderrodes literarischen und philosophischen Arbeiten zeigen. Kurze Einführungen zu den Vitrinen können auf dem Mediaguide in deutscher und englischer Sprache gehört werden.

Kuratiert wird die Ausstellung von Dr. Joanna Raisbeck. Sie lehrt an der University of Oxford deutsche Sprache und Literatur. Für ihre Dissertation ‚Poetic Metaphysics in Karoline von Günderrode‘, die Ende dieses Jahres erscheint, wurde sie 2021 mit dem Klaus Heyne-Preis der Goethe-Universität Frankfurt sowie 2022 mit dem Novalis-Preis der Internationalen Novalis-Gesellschaft und der Friedrich-Schiller-Universität Jena ausgezeichnet.

Eintritt Der Besuch der Ausstellung ist im Museumseintritt enthalten.

Öffnungszeiten Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag, Feiertage 10 – 18 Uhr, Donnerstag 10 – 21 Uhr / Montag geschlossen

Besucherinformation www.freies-deutsches-hochstift.de

Unbekannte Gedichte und Notizen von Karoline von Günderrode entdeckt
Fünf unbekannte Abschriften von Verstexten sowie Notizen der Dichterin Karoline von Günderrode (1780-1806) wurden von Dr. Holger Schwinn (Frankfurter Brentano-Ausgabe) bei Recherchearbeiten in der Martinus-Bibliothek – Wissenschaftliche Diözesanbibliothek im Bischöflichen Priesterseminar Mainz entdeckt. Die Handschriften befanden sich in Bänden der dort aufbewahrten Büchersammlung des Juristen Fritz Schlosser (1780-1851), Neffe des Schriftstellers Johann Georg Schlosser (1739-1799). Zu den Fundstücken gehören zwei unbekannte Gedichte sowie unbekannte Fassungen von Verstexten der Dichterin Karoline von Günderrode (1780-1806; Pseudonyme: Tian, Ion). Die beiden neuentdeckten Gedichte sind die von Schlosser abgeschriebenen Sonette ‚F ___ k von Ion. / Zueignung‘ sowie ‚Wunsch‘, die, wie gezeigt werden kann, im Zusammenhang mit Karoline von Günderrodes Textsammlung ‚Melete‘ (1806) entstanden sind und sich auf den Heidelberger Professor Friedrich Creuzer (1771–1858) beziehen. Eine dritte Abschrift von Fritz Schlosser stellt eine unbekannte Fassung des Gedichts ‚Der Dom zu Cölln‘ dar, eine weitere zitiert den Text des Grabsteins der Dichterin „Erde, du meine Mutter …“. Die fünfte Abschrift stammt nicht von Schlosser; sie bietet eine frühe Fassung des Dialogs ‚Wandel und Treue‘ aus ‚Gedichte und Phantasien von Tian‘ (1804). Fünf mit diesen fünf Verstexten auf Vorder- und Rückseiten beschriebene Blätter sind in einem von Schlosser angelegten Sammelband mit gedruckten Werken Karoline von Günderrodes eingebunden. Daneben fanden sich in der Schlosser’schen Bibliothek in einem Band mit Goethe-Gedichten unbekannte Notizen Karoline von Günderrodes, die zeigen, wie sich die Dichterin in Versmaß und Rhythmus am Vorbild Goethe schulte. Beide Bücher waren bereits Mitte des 19. Jahrhunderts nach Mainz gekommen.

Die Funde werden von Dr. Schwinn im Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 2022 mit Erstdrucken, Abbildungen und vollständigen Zitatnachweisen vorgestellt werden (Erscheinungstermin Ende 2022).
Ein Auszug des Aufsatzes ist auf der Hochstift-Website zum Download bereitgestellt: https://freies-deutsches-hochstift.de/institut/jahrbuch/aus-dem-jahrbuch-2022/

Der Sammelband mit den Gedichtabschriften ist in der Ausstellung ‚Warum soll der Mensch anders sein, als er ist? Auf Entdeckungsreise durch die Handschriften Karoline von Günderrodes‘ im Handschriftenstudio des Deutschen Romantik-Museums zu sehen.

Freies Deutsches Hochstift Frankfurter Goethe-Museum, Großer Hirschgraben 23-25, Frankfurt am Main www.freies-deutsches-hochstift.de