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Letzte Aktualisierung: 18.05.2022

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Karikaturist Stuttmann als Künstler und Journalist

Das Caricatura Museum würdigt sein Zeichenstil über drei Jahrzehnte

von Karl-Heinz Stier

(27.04.2022) Stuttmann gilt als einer der renommiertesten tagespolitischen Karikaturisten Deutschlands. Seine Zeichnungen erscheinen in über 30 Zeitungen, für den „Tagesspiegel“ zum Beispiel veröffentlichte er seine visuellen Kommentare zum aktuellen Weltgeschehen seit 2003 fast täglich. Unverkennbar sind sein Zeichenstil auf höchstem Niveau und die humorvoll sowie nachdenklich stimmenden Pointen.

Bildergalerie
Klaus Stuttmann n der Pressekonferenz
Foto: Karl-Heinz Stier
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Mein Merkelbuch – herausgegeben von Stuttmann
Foto: Karl-Heinz Stier
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Plakat der Ausstellung
Foto: Karl-Heinz Stier
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Der gebürtige Frankfurter, der sich noch immer gerne an das Bild vom Frankfurter Stadtwald mit Wald – und Haustieren über dem Sofa seiner Familie erinnert, bemalte auf Tapeten in der elterlichen Wohnung schon als 10-Jähriger großflächige Karikaturen von Politikern. Während seines Kunstgeschichtsstudium in Tübingen und Berlin gestaltete er Flugblätter und zeichnete Karikaturen. Eine Tätigkeit, die ihn endgültig davon überzeugte, die Kunsttheorie zugunsten der zeichnerischen Praxis aufzugeben. Für die Sozialistische Einheitspartei West-Berlins (SEW) und deren Tageszeitung zeichnete er bis 1989 politische Karikaturen, anschließend für die „taz“. Außerdem illustrierte er zahlreiche Publikation.

Wenn es um die Darstellung von Personen geht, fängt er nicht nur ihre markanten Äußerlichkeiten auf, sondern auch ihr Wesen, ihre Eigenheiten. Er erarbeitet seine gezeichneten Kommentare zum Weltgeschehen nach einem festen Schema: nach nächtlichem Studium der aktuellen Online-Nachrichten und Schlagzeilen kommt die Auswahl des Themas und erste Ideenfindung, Ausarbeitung der Zeichnung ab 13.30 Uhr, Abgabe zum Redaktionsschluss bis spätestens 16.30 Uhr. Längere Arbeitszeiten gönnt sich der Zeichner kaum – selbst im Urlaub wird am täglichen Witz gearbeitet.

Erleichtert wird ihm die Arbeit durch das Tablet, auf dem er seit über 20 Jahren ausschließlich zeichnet. Seine Karikaturen sind als kritische Statements zu sehen (deshalb heißt auch sein Ausstellungstitel „Klaus Stuttmann; Statements“), oftmals auch als provokante Gegenentwürfe zum politischen Mainstream. Stuttmann deckt auf, stellt bloß, eckt an. Seine Kritik richtet sich gegen Personen, staatliche und religiöse Autoritäten sowie Gesellschaftsstrukturen, gegen antidemokratische Tendenzen jeglicher politischen Couleur.

„Ich verstehe mich nach wie vor als „links“. Darauf legt er in seiner Selbstbestimmung großen Wert. Gerechtigkeit in der Welt zu schaffen habe für ihn große Priorität. „Angesichts der Gegenwart habe ich daran aber meine Zweifel“. Themen, die er ungern bearbeitet sind: Israel und die Auseinandersetzungen mit den Palästinensern und der Islam, und nicht lustig machen möchte er sich über Menschen und Opfer in der Gesellschaft. Die komplizierten Sachverhalte seziert Stuttmann mithilfe seines historischen und politischen Wissens, seiner Beobachtungsgabe sowie Menschenkenntnis.

Schätzungsweise 10 000 bis 15 000 Karikaturen hat er laut eigenen Angaben im Laufe seiner Kariere gezeichnet. In seiner Werkschau im Caricatura-Museum im Weckmarkt 17 direkt neben dem Dom werden rund 300 Bilder und Illustrationen gezeigt, die  Auswahl hat er der Museumsleitung überlassen.

Ein besonderen Platz nimmt eines seiner Hauptmotive ein: die Bundeskanzlerin a.D. Angela Merkel. Eine Figur, die ihm als Karikaturist besonders ans Herz gewachsen ist. Seit über 30 Jahren hat er ihren Werdegang beobachtet, ihre charakteristischen Züge studiert. Sein 800 Bilder starkes Panoptikum aus drei Jahrzehnten setzt er Kanzlerin ein „wohlverdientes Ehrenmal“. Ein Rückblick auf die Merkel-Jahre ( „Mein Merkelbilderbuch“) mit kritischer Distanz, voller Empathie, nuancenreich und treffend analysiert. Preis: 24.90 Euro.

Die Eröffnung der Ausstellung ist heute Mittwoch um 18 Uhr. Das Grußwort spricht Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig. Die Laudation hält Ernst Volland, Künstler und Autor.

Letzter Besuchertag ist der 3. Oktober.
Öffnungszeiten : Mi-So 11 bis 18 Uhr. Mo und Di geschlossen.