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Letzte Aktualisierung: 26.02.2020

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Karikaturen vom Feinsten

Museum für Komische Kunst zeigt Cartoons von 2010 bis 2019

von Karl-Heinz Stier

(13.02.2020) Cartoonisten und Karikaturisten erweisen sich als scharfe Chronisten der Zeit. Sie schaffen mit einem Bild das, wozu andere mit vielen Worten nicht in der Lage sind.

Bildergalerie
„Beste Beste Bilder“ - Buch über die Cartoons von 2010 bis 2019
Foto: Karl-Heinz Stier
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Sie stellten Buch und Ausstellung vor: Achim Frenz, Leiter Caricatura Museum (Bild Mitte); die Herausgeber Dieter Schwalm (links) und Wolfgang Kleinert (rechts)
Foto: Karl-Heinz Stier
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Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Zerstörer illustriert 2019(!) von Ad Karnebogen
Foto: Karl-Heinz Stier
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Uli Hoeneß bei seinem Gefängnisantritt bei Borussia Dortmund Bettbezügen 2013 von Mario Lars
Foto: Karl-Heinz Stier
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Handy-begeisterter Ehemann lässt sich durch nichts stören. 2013 Oliver Ottitsch
Foto: Karl-Heinz Stier
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Endlich haben Geländewagen einen Sinn. Mario Lars 2019
Foto: Karl-Heinz Stier
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Oder wie der prominente Politiker Gregor Gysi bei der Ansprache im Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst sagte: „Cartoons helfen auf ihre Art dabei, der Welt auf den Grund zu gehen - mal direkt, mal indirekt. Es wird auf den Punkt gebracht, der im Lachen ein Aha-Effekt hervorbringt, welcher allerdings mitunter im Halse stecken bleibt“.

Anlass für seine Rede war die Eröffnung der Ausstellung „Beste Beste Bilder“, die nicht nur gesellschaftsrelevante und politische Ereignisse der vergangenen Dekade von 2010 bis 2019 vermittelt, sondern auch einen umfassenden Überblick über die Entwicklung von Satire und Humor mit den unterschiedlichen Zeichenstilen im deutschsprachigen Raum. Sie ist die bisher größte Gruppenausstellung von Cartoonistinnen und Cartoonisten in Deutschland.

Vertreten sind 81 Künstlerinnen und Künstler mit 284 Exponaten, darunter viele bekannte aus renommierten Tageszeitungen, politischen Magazinen und Zeitschriften. Gleichzeitig erschien auf 384 Seiten das Buch „10 Jahre Beste Bilder – die Cartoons des Jahrzehnts“, herausgegeben von Dieter Schwalm und Wolfgang Kleinert im Verlag Lappan, Edition Caricatura (Preis: 20 Euro). Es fasst die jeweils letzten zehn Jahre in Einzelerscheinungen zu einem Sammelband zusammen. Die wesentlichen Ereignisse werden zu Beginn des Jahrzehnts in knappen Sätzen aufgeführt, so dass jeder weiß, was damals alles passiert ist.

Ausstellung und Buch fangen „Geschehnisse und Stimmungen der jeweiligen Zeit erbarmungslos“ ein, wie Museumsleiter Achim Frenz zu Beginn seiner Begrüßung betont. Dabei lassen sie die Höhe– und Tiefpunkte „aufs Komischste Revue passieren“. Angefangen vom Google-Überwachungswahn, den Missbrauchsskandal der katholischen Kirche und der erzwungenen Sparpolitik der Griechen. Weiter geht es mit Doktortitel-Plagiaten von PolitikerInnen und dem scheinbar auf ewig unfertigen Hauptstadtflughafen in Berlin. Nochmals weiter über den fahrlässigen Untergang der Costa Concordia, dem Problemfall Uli Hoeneß bis hin zur nie enden wollenden Klimadebatte. IS-Terror, Flüchtlingswelle, die Politclowns Salvini, Johnson und Trump und schließlich wie sehr Handy und Tablet die zwischenmenschlichen Beziehungen beeinflussen. Die Cartoons beschreiben die Dekade anschaulich und verständlich - ohne große Worte, aber mit viel Humor.

Bislang kann schon nach Meinung der beiden Herausgeber auf eine ordentliche Sammlung des gezeichneten Witzes zurückgeblickt werden – angefangen mit 70 Karikaturisten für den ersten Band 2010. Dann kamen Jahr für Jahr neue Namen hinzu, so dass rückblickend an die 90 Künstlerinnen mit insgesamt über 3 000 komische Zeichnungen die Seiten füllen. Die besten Bilder sind nicht nur eine Chronik der Zeit, die dienen zudem seit 2016 als Grundlage für den Deutschen Cartoonpreis. Jenem wird auf einer großen Fläche Platz für die insgesamt 16 PreisträgerInnen seit 2016 geboten.

Die Ausstellung dauert bis 14. Juni 2020. Öffnungszeiten: Di bis So von 11 bis 18 Uhr, Mi von 11 bis 21 Uhr. Mo geschlossen. Eintritt: 6 Euro.

Weitere Infos z.B. zu Rahmenprogrammen oder Vorschau auf nächste Ausstellungen und Aktionen unter www.caricatura-museum .de oder Tel.:  (069)21230161.