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Letzte Aktualisierung: 08.02.2023

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Kabinettausstellung „Samson Schames: Fragmente des Exils“ im Jüdischen Museum Frankfurt

von Ilse Romahn

(25.01.2023) Anknüpfend an die derzeitige Wechselausstellung „Zurück ins Licht. Vier Künstlerinnen – Ihre Werke. Ihre Wege“ zeigt das Jüdische Museum Frankfurt ab Freitag, 27. Januar, einen weiteren Künstler der sogenannten „verlorenen Generation“ in seiner neuen Dauerausstellung Rothschild-Palais: den Maler, Bildhauer und Bühnenbildner Samson Schames.

Samson Schames, „Anzünden der Chanukka-Lichter“, um 1956, Glasscherben, vielfarbig, im Relief geschichtet, 60 x 75,5 cm,
Foto: Jüdisches Museum Frankfurt
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Die Kabinettausstellung „Samson Schames: Fragmente des Exils“ präsentiert bis zum 21. September neun Bilder und vier Mosaike des gebürtigen Frankfurter Künstlers und akzentuiert die Materialität seines Werks in den ersten Jahren des Exils. Sie wurde in Kooperation mit dem Leo Baeck Institute New York erarbeitet und von Annika Friedman kuratiert.
 
Mit Unterstützung seines Onkels, des renommierten Galeristen Ludwig Schames, fand Samson Schames in den 1920er Jahren seinen eigenen Weg in die Kunstwelt. Seine Entwürfe, Zeichnungen und Ölgemälde aus der Zeit bis 1933 zeigen seine tiefe Verbundenheit mit Frankfurt. Ebenso wie Rosy Lilienfeld, Amalie Seckbach, Ruth Cahn und Erna Pinner, deren Werke in der Ausstellung „Zurück ins Licht“ zu sehen sind, musste auch Schames Frankfurt nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verlassen. Er floh nach London und schuf beeindruckende Werke aus vorgefundenen Materialien, wie etwa den Überresten zerbombter Häuser: Scherben, Porzellanstücke, Nägel und geschmolzene Gegenstände.
 
1948 emigrierte der Künstler ein zweites Mal, nunmehr nach New York City. Zwei Jahre später präsentierte die Carlebach Gallery sein Werk in der vielbeachteten Ausstellung „A Monument to Hitler's Infamy“ (Ein Denkmal für Hitlers Niedertracht). Für die Ausstellung „Gegenwartskunst für Synagoge und Heim“ des Jewish Theological Seminary entwickelte er die Mosaike „Schofar-Blasen“ und „Anzünden der Chanukka-Lichter“, die im Zentrum der jetzigen Kabinettpräsentation stehen. Mit dieser nimmt das Jüdische Museum auch Bezug auf die erste umfangreiche Präsentation von Schames unmittelbar nach der Museumseröffnung im Jahr 1989. Zugleich zeigt es erstmalig auch Exponate aus dem Leo Baeck Institute New York wie etwa das Mosaik „Die Träne“, das im Jahr 1941 entstanden ist.
 
Das Jüdische Museum Frankfurt sammelt seit seiner Gründung systematisch Werke von jüdischen Künstlerinnen und Künstlern, die ins Exil gezwungen oder ermordet wurden. Die Werke von Schames sind Teil des 2017 gegründeten Jakob Nussbaum Archivs, das dezidiert Künstlerinnen und Künstlern der „verlorenen Generation“ aus Frankfurt gewidmet ist. Neben den Werken von Schames umfasst dieser Sammlungsschwerpunkt auch Werke von Jakob Nussbaum, Rosy Lilienfeld und Erna Pinner, also von jüdischen Künstlerinnen und Künstlern aus Frankfurt, die von den Nationalsozialisten geächtet und verfolgt wurden und infolgedessen heute weitgehend unbekannt sind.

Vita Samson (Fritz) Schames (1898 – 1967)
Samson Schames wird am 31. Dezember 1898 in Frankfurt am Main geboren und wächst in einem traditionell-religiösen Haushalt im Frankfurter Ostend auf. Die Geschichte seiner Familie reicht zurück bis in die Judengasse. Sein Onkel ist der bekannte Kunsthändler und Galerist Ludwig Schames (1852-1922).
 
Im Alter von 17 Jahren beginnt Schames an der Offenbacher Kunstgewerbeschule, der heutigen „Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main“, ein Grafikstudium. Seine Ausbildung wird unterbrochen, als er im Ersten Weltkrieg ins Militär eingezogen wird; er dient von 1916 bis 1918. Nach seiner Entlassung studiert er an der Kunst- und Gewerbeschule Frankfurt (heute Städelschule) Malerei, Grafik und Bühnenbild.
 
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten führt, wie für viele andere jüdische Künstler, zum Bruch seiner künstlerischen Karriere. Im Februar 1933 präsentiert er in der Frankfurter Schumann-Galerie seine letzte Einzelausstellung im Deutschen Reich. Am 5. Januar 1939 flieht Schames über die Niederlande nach London. Im März 1940 kann er in der Brook Street Gallery in einer Einzelausstellung Werke aus seiner Frankfurter Zeit sowie neue Arbeiten präsentieren. Im Juni desselben Jahres wird er als „feindlicher Ausländer” (enemy alien) ins Internierungslager Huyton bei Liverpool inhaftiert. Es gelingt ihm, hier weiterhin künstlerisch tätig zu sein. Für seine Werke verwendet er Materialien, die ihm zur Verfügung stehen. Nach vier Monaten wird er wieder freigelassen und beginnt als Feuerwehrmann im Zivilschutz zu dienen. Er hat mehrere Einzel- und Gruppenausstellungen und ist im Freien Deutschen Kulturbund aktiv.

1948 zieht Schames mit seiner Frau Edith nach New York City. Es gelingt ihm, neue soziale Kontakte zu knüpfen und mehrfach auszustellen. Samson Schames lebt bis zu seinem Tod 1967 in New York.
 
Online-Führung
Am Freitag, 27. Januar, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, führt Kuratorin Annika Friedman um 18 Uhr in englischer Sprache durch die Ausstellung. Die Führung findet online statt; den Zugangslink erhalten Interessierte nach Anmeldung bis Donnerstag, 26. Januar, per E-Mail an besuch.jmf@stadt-frankfurt.de.  (ffm)