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Letzte Aktualisierung: 28.07.2021

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Jubiläum des Hofheimer Bürgerbüros 25+1 nachgeholt

von Adolf Albus

(22.07.2021) Die Feier zum 25jährigen Bestehen des Hofheimer Bürgerbüros musste im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Mit einem kleinen Empfang hat die Stadt das Jubiläum 25 +1 am Mittwoch nachgeholt.

Das Bürgerbüro war die erste Einrichtung dieser Art in Hessen und „hat sich seit 1995 Tag für Tag bewährt und leistet für unsere Bürgerinnen und Bürger einen fantastischen Service“, erklärte Bürgermeister Christian Vogt. Das kreative Team habe seit Beginn der Pandemie beeindruckend bewiesen, dass guter Service auch unter widrigen Bedingungen möglich ist – etwa durch die Pass-Ausgabe am Fenster.

Im Rahmen des Empfangs dankte er der langjährigen Leiterin und Urgestein des Bürgerbüros, Petra Hückel, die in Kürze in den Ruhestand wechseln wird, und dem Team für die engagierte Arbeit in diesem Vierteljahrhundert. Ihre Nachfolgerin ist Stephania Karalia, die seit dem 19. Mai 2021 das Team mit aktuell 14 Beschäftigten leitet. „Das Bürgerbüro ist das Aushängeschild des Rathauses und Vorbild für Kommunen in ganz Deutschland. Sogar eine chinesische Delegation war schon 1997 zu Gast“, betonte Vogt.

Eine Stunde lang machte Bürgermeister Vogt am Mittwoch selbst Dienst an der Infotheke des Bürgerbüros. An Stellwänden konnten sich Bürgerinnen und Bürger über die Entwicklung des Bürgerbüros informieren, Lose ziehen und mit etwas Glück Produkte aus der Skyline-Kollektion gewinnen. Außerdem werden seit Mittwoch Gummibärchen mit dem Aufkleber „25 Jahre Bürgerbüro“ an die Kundschaft verteilt.

Die Idee zum Bürgerbüro hatte der damalige Bürgermeister Rolf Felix. Angesichts langer Warteschlangen vor den Rathaus-Büros sagte er: Das ist nicht die Zukunft. Häufig nachgefragte Aufgaben müssen an einer Stelle gebündelt werden, so dass die Bürgerinnen und Bürger nur einen Stopp machen und nicht lange warten müssen und das zu Öffnungszeiten, die Berufstätigen entgegenkommen.

 

Am Sonntag, 5. März 1995, wurde das Bürgerbüro im Erdgeschoss des Rathauses eröffnet.

An 58 Stunden pro Woche konnten Bürgerinnen und Bürger dort am Anfang rund 100 Angelegenheiten aller Art erledigen wie zum Beispiel Beglaubigungen, Meldeangelegenheiten, Führungszeugnisse beantragen, Pässe und Personalausweise, Aufenthaltserlaubnisse beantragen, Hunde an- und abmelden und Fragen aller Art stellen: Zuständigkeiten im Rathaus und anderen Behörden, Veranstaltungen, Abfallberatung, Einwohnerstruktur, Hofheimer Stadtrecht, städtische Gremien und deren Sitzungen, Wasserhärte, Schadensmeldungen zu Straßenlampen oder klappernden Kanaldeckeln entgegennehmen – das Team Bürgerbüro weiß die Antwort oder leitet Mängel weiter.

Wer im Bürgerbüro arbeiten wollte, musste erfolgreich ein Assessment Center bestehen. Zum Start kamen neun Mitarbeiterinnen aus verschiedenen Bereichen der Verwaltung zusammen, die intensiv geschult wurden. 1996 wurde das Team durch zwei männliche Mitarbeiter verstärkt. Durch Aufgabenerweiterung und Teilzeitbeschäftigung vieler Mitarbeiterinnen nach dem Erziehungsurlaub wuchs das Team zeitweise auf bis zu 18 Personen an. Von der „Schichtarbeit“ im Bürgerbüro profitieren bis heute auch die Beschäftigten, denn die individuellen Arbeitszeiten ermöglichen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Öffnungszeiten wurden im Zuge der Haushaltskonsolidierung reduziert, jedoch auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger ausgerichtet. Seit dem 1. Januar 2015 bis zum Beginn der Pandemie, war das Bürgerbüro geöffnet: Montag, Dienstag, Donnerstag 7.30 bis 18 Uhr, Mittwoch 7.30 bis 14 Uhr, Freitag 7.30 bis 16 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr.

Von Anfang an wurde das Leistungsangebot des Bürgerbüros stetig um Aufgaben erweitert, die aus der täglichen Praxis resultierend häufig von Bürgerinnen und Bürgern außerhalb der Sprechzeiten der übrigen Verwaltung im Bürgerbüro erfragt wurden. Diese Dienstleistungen kamen zum Beispiel dazu:

1996: Änderung von KFZ-Scheinen bei Zuzügen aus dem Main-Taunus-Kreis, Wehrerfassung, Auskunfts- und Übermittlungssperren im Melderegister, Einwohnerstatistik, Wahlberechtigungssperre bei Betreuten

2000: Bezahlung mit EC-Karte

2001: Parkberechtigungsausweise für Schwerbehinderte, Ausstellen von Dauer-Parkausweisen für Parkdeck Bahnhof und Parkplatz hinter der Bücherei, Vergabe der öffentlichen Grillplätze Viehweide und an der K787 zwischen Diedenbergen und Langenhain. Die Außenstellen der Verwaltung in Marxheim, Diedenbergen, Langenhain, Lorsbach, Wildsachsen und Wallau wurden dem Bürgerbüro angegliedert.

2002: Fundbüro, Kartenvorverkauf für Veranstaltungen.

2003: Übernahme der Telefon-Zentrale des Rathauses, ist entsprechend den Öffnungszeiten des Bürgerbüros besetzt, Info-Center eröffnet, Informationen und Abholen von z.B. Gelben Säcken. Umfrage unter Kunden des Bürgerbüros – Zufriedenheit mit dem Angebot.

2004: Digitale Beantragung und dadurch schnellere Ausgabe von Pässen, Personalausweisen. Ausstellen von Kinderreisepässen und vorläufigen Reisedokumenten in maschinenlesbarer Form, die für Einreise in USA seit 26.10.2004 notwendig sind.

2005: Schließung der Außenstelle Diedenbergen

2005: Umbau des Rathaus-Eingangs und Verlegung zum Chinonplatz hin, Erweiterung des Bürgerbüros. Durch den Umbau entstand Platz für vier Arbeitsplätze, eine Infotheke als direkte Anlaufstelle für Kundinnen und Kunden und einen Wartebereich. Die Telefonzentrale zog in das Hintergrundzimmer des Bürgerbüros um. Außerdem Einführung der elektronischen Reisepässe mit biometrischen Passbildern. Das Team Bürgerbüro erhielt Internetzugang für eine noch bessere Dienstleistungsqualität.

2006: Inbetriebnahme der Infotheke für Kurzgeschäfte und Lotsenfunktion, Übernahme des Briefwahlbüros nach Fertigstellung der Bürgerbüro-Erweiterung.

2007: Einführung Aufnahme von Fingerabdrücken im elektronischen Pass.

2008: Ausstellung des Hofheim-Passes (Sozialpass) einschließlich Lichtbild, Einführung der Steueridentifikationsnummer, bundesweite Datenabgleiche und Bereinigungen der Melderegister, Verkauf von Hofheimer Einkaufsgutscheinen des IHH. Die Personaldecke am Samstag wurde von 2 auf 3 Beschäftigte aufgestockt wegen der hohen Frequentierung.

2010: Einführung des neuen Personalausweises im Scheckkartenformat mit Chipdaten und eID-Funktion.

2012: Wegfall der Lohnsteuerkarten, elektronischer Datenaustausch mit dem Bundeszentralamt für Steuern.

2013: Fundsachen gehen online, Fundsachen sind auf www.hofheim.de rund um die Uhr einsehbar.

2015: Inkrafttreten des Bundesmeldegesetzes mit umfangreichen Änderungen; Flüchtlinge erreichen Hofheim, mehr als 600 Flüchtlinge wurden im Melderegister erfasst.

2016: Schließung der Außenstelle Marxheim.

2017: Kirchenaustritte im Bürgerbüro möglich.

2018: Einführung Bürgerkoffer: Das Bürgerbüro kommt mit einem mobilen Arbeitsplatz in die Außenstellen Wallau und bei Bedarf in die Außenstellen Lorsbach, Wildsachsen und Langenhain.

2019: Außenstelle Wildsachsen schließt (vorübergehend). Automatisierte Meldeauskünfte über ekom21 (ZEMA) für Großkunden (Inkassobüros) oder Bürger über die eID-Funktion des Personalausweises.

2020 und 2021: Wegen der Corona-Pandemie können Angelegenheiten im Bürgerbüro nur mit Termin, der auch online über die städtische Homepage www.hofheim.de buchbar ist, erledigt werden. Damit die Bürgerinnen und Bürger unkompliziert ihre neuen Personalausweise und Reisepässe abholen können, „erfand“ das Team Bürgerbüro bereits im Juni 2020 die Fenster-Ausgabe: Mit Maske und Abstand, aber ohne Termin, werden die neuen Dokumente am geöffneten Fenster ausgegeben. Immer freitags von 14 bis 16 Uhr gilt dieses Angebot aktuell noch bis 6. August 2021.

In all den Jahren ist das Bürgerbüro zudem immer wieder Retter für Reisende, wenn diese kurzfristig oder erst am Frankfurter Flughafen merken, dass ihr Pass abgelaufen ist. Das Bürgerbüro stellt dann provisorische Pässe – nach Zustimmung der zuständigen Passbehörde am Heimatort – für Reisende aus ganz Deutschland aus. Dieser besondere Service pausiert allerdings seit Beginn der Corona-Pandemie.