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Johannes Heisig, der Maler der drei ehemaligen Stadtoberhäupter

Es war eine außergewöhnliche Veranstaltung im Römer. Der Maler Johannes Heisig, 1953 in Leipzig geboren, ist ein weltweit anerkannter Porträtmaler. Zusammen mit Oberbürgermeister Mike Josef und in Anwesenheit der ehemaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth und dem ehemaligen Oberbürgermeister Volker Hauff, stellte er seine Porträts vor, die später in der Wandelhalle im Römer, in der Galerie ihrer schon verstorbenen Amtsvorgänger aufgehängt werden.

Peter Femfert, Volker Hauff, Petra Roth, Johannes Heisig, Mike Josef, Hilime Arslaner
Peter Femfert, Volker Hauff, Petra Roth, Johannes Heisig, Mike Josef, Hilime Arslaner
Foto: Renate Feyerbacher
Johannes Heisig
Johannes Heisig
Foto: Renate Feyerbacher

Der ehemalige Oberbürgermeister Andreas von Schoeler konnte wegen Erkrankung nicht dabei sein. Die anwesenden Gäste waren von den zwei männlichen Porträts angetan, aber irritiert vom Petra Roth-Bild. Es ist so ganz anders. Manche waren schockiert. Petra Roth, die erstmals das fertige Porträt sah, hatte zwischenzeitlich den Maler aber gebeten, ihren Oberschenkel schlanker zu gestalten. Sie reagiert, sie sei stolz von Heisig gemalt worden zu sein, aber sie sagt nicht, dass es ihr gefällt, anders Volker Hauff. Stehend gemalt, das ist eine Ausnahme, wurde Andreas von Schoeler, sitzend Volker Hauff, Beide mit ansprechendem Gesichtsausdruck, Petra Roth, angespannt, irgendwie misstrauisch schauend, nicht so locker wie die beiden Herren, aber unverkennbar. Stundenlang haben alle Drei im Atelier des Malers in Kyritz (Ortsteil Teetz) im ländlichen Brandenburg Modell gesessen und mit ihm über Gott und die Welt geredet. Harte Arbeit für Maler und Modelle.

„Seine Malerei ist kraftvoll, manchmal aufwühlend, nie gefällig. Sie fordert uns heraus. Sie zwingt uns, nicht wegzuschauen. […] sich der Welt in ihrer Widersprüchlichkeit zu öffnen – den Brüchen, den Umbrüchen und Aufbrüchen, ihrer Schönheit, aber auch ihren Zumutungen,“ so Volker Hauff in seiner Eröffnungsrede der Ausstellung Johannes Heisig-Weltgefühl in DIE GALERIE.

Die Aussage beschreibt das Werk des Künstlers, der nicht auf die Porträtmalerei, die er allerdings für die Königs-Disziplin der Malerei hält, festgelegt ist. Manchen Politiker, unter anderem mehrfach den ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt, porträtierte er. Er malt keine „schönen“ Gesichter. In dem Katalog SELBST und ANDERE, den DIE GALERIE 2016 anlässlich einer Heisig-Ausstellung herausgab, finden sich auch Vorzeichnungen, mehrere Porträt-Varianten des Galeristen-Ehepaars Peter Femfert und Stefania Canali. Und es gibt ein Foto vor Malbeginn – zwei locker, leicht lächelnde Menschen. Das Gemälde hat diese lächelnde Lockerheit nicht, sondern den Moment, den der Maler intuitiv sieht.

Johannes Heisig findet es bedauerlich, dass die Öl-Gemälde der ehemaligen Frankfurter Stadtoberhäupter im Depot verschwinden und erst nach dem Tod der Gemalten im Rathaus Römer der Öffentlichkeit präsentiert werden. Er hätte sich eine Diskussion über die Werke zu deren Lebzeiten gewünscht.

Johannes Heisig stammt aus einer Leipziger Künstlerfamilie.  Auch Großvater, Vater und Bruder Walter Eisler (1954-2015) waren bedeutende Künstler. Er lehrte an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, dessen Rektor er später war. 2003 hatte er eine Professur an der Universität Dortmund und war zuvor nach Berlin gezogen.

Schon einmal, 2013, hat Johannes Heisig in DIE GALERIE ausgestellt. Nun präsentiert er in Weltgefühl Porträts von sich und Familienmitgliedern, ältere und neue Gemälde über Natur, Landschaft, Kunst, manche mit sozialkritisch-realistischen Aspekten. Die Vielzahl der Exponate, gemalt in Öl auf Leinwand, gibt einen eindrücklichen Überblick von mehreren Schaffensjahren des Künstlers.

Es braucht Zeit für den Besuch dieser Ausstellung. Im Gespräch sagte Heisig, er freue sich darüber, wenn jemand sich zwei Minuten Zeit nehme, sich ein Werk anzusehen.

Die Ausstellung „Johannes Heisig – Weltgefühl“ ist bis zum 19.November 2025 in DIE GALERIE, Frankfurt, Grüneburgweg 123 zu sehen. www.die-galerie.com. Vom 20.9. bis 15.11. 2025 wird sie dann in der Galerie Brusberg, Berlin, Lyckallee 14 gezeigt.