Archiv-Kultur

Joern Hinkel inszeniert den Kultklassiker „Wie im Himmel“

Festspiel-Intendant Joern Hinkel inszeniert in der Stiftsruine Bad Hersfeld den Kultklassiker „Wie im Himmel“ (Schauspiel von Kay Pollak/Deutsch von Jana Hallberg - Premiere am Freitag, 26. Juli 2024, um 20.30 Uhr).

„Wie im Himmel“ ist die Geschichte des berühmten Dirigenten Daniel Daréus, der sich nach einem Herzinfarkt in sein schwedisches Heimatdorf zurückzieht. Hier lässt er sich dazu überreden, den Kirchenchor zu dirigieren. Dabei wird ihm wieder bewusst, was ihm Musik einmal bedeutet hat und was im Leben wirklich wichtig ist. Und er lernt die Menschen im Dorf und ihre Geschichten kennen, zum Beispiel die der Chorsängerin Gabriella.

Joern Hinkel engagierte Sandy Mölling, die 2016 für die Rolle als Elisa in „My Fair Lady“ den Zuschauerpreis der Bad Hersfelder Festspiele erhielt und mit der Gruppe „No Angels“ berühmt wurde, für diese Rolle.

Joern Hinkel: „Gabriella traut sich nichts zu. Ihr Mann macht ihr immer wieder weiß, sie habe kein Talent, sie möge sich um die Kinder kümmern und nicht im Chor ihre Zeit verschwenden. Bis der neue Chorleiter Daniel erkennt, was für eine außergewöhnliche Sängerin sie ist. Er schenkt ihr wieder Selbstvertrauen. Ich habe für diese Rolle eine Sängerin und eine Schauspielerin gesucht. Ich finde die Vorstellung wunderbar, dass eine so bekannte Künstlerin, die mit den No Angels um die ganze Welt gereist ist, eine Frau verkörpert, die sich selbst das Singen nicht zutraut, die ihre Stimme erst für sich selbst entdecken muss. Ich habe Sandy bei den Proben und Aufführungen von ‚My Fair Lady‘ als unermüdliche suchende, immer Neues ausprobierende Künstlerin erlebt, absolut kollegial, leidenschaftlich in der Arbeit, und als sie mir eine Szene von Gabriella vorspielte, war ich sofort vollkommen überzeugt. Ich freue mich riesig auf die gemeinsamen Proben!“

Auch für die Rolle des Star-Dirigenten Daniel Daréus hat Regisseur und Intendant Joern Hinkel die ideale Besetzung gefunden. Henry Arnold, u.a. bekannt aus „Heimat“ von Edgar Reitz, ist nicht nur ein großartiger Schauspieler, er bringt auch die passende musikalische Ausbildung mit, freut sich Joern Hinkel: „Henry hat, inspiriert von der Arbeit an dem atemberaubenden Film-Projekt ‚Heimat‘, eine Ausbildung als Dirigent gemacht. Er ist ein hervorragender Pianist. Er ist in der klassischen Musik zuhause. Und er strahlt eine Herzlichkeit und Hingabe aus, die für die Figur des Daniel Daréus ganz entscheidend ist: Es muss ihm gelingen, die Einwohner eines ganzen Städtchens, das im Dornröschenschlaf versunken ist, aufzuwecken. Nichts haben die Einwohner und Chormitglieder mehr gefürchtet als Veränderung. Erstarrt in ihrem immergleichen Alltag, brechen sie endlich aus ihren Gewohnheiten aus, inspiriert durch einen Mann, der bereit ist, seinerseits sein ganzes Leben neu zu sortieren. Henry Arnold habe ich es sofort an den Augen abgelesen: Er ist jemand, der die Menschen verzaubern kann.“

Walter Kreye wird den Part des Eric in „Wie im Himmel“ übernehmen. Intendant und Regisseur Joern Hinkel inszeniert das Schauspiel nach dem gleichnamigen schwedischen Erfolgsfilm (Premiere: Freitag, 26. Juli, um 20:30 Uhr) in der Stiftsruine. Einem breiten Publikum wurde Walter Kreye durch seine Hauptrollen in den Krimiserien „Hecht & Haie“ und „Der Alte“ bekannt, er spielte bislang in über 160 Film- und Fernsehproduktionen mit.

Joern Hinkel hat mit Walter Kreye einen Schauspieler gewinnen können, mit dem er schon lange arbeiten wollte: „Walter Kreye und ich umkreisen uns nun schon seit ein paar Jahren, leider immer nur telefonisch. Bisher ist es nie zu einer Zusammenarbeit gekommen, aber nun übernimmt er die Rolle des Sprengmeisters Erik in `Wie im Himmel´.“

Der verschlossene 80-jährigen Erik ist eine besonders anrührende Figur in der Inszenierung, denn er singt in einem Chor, nur um seiner Jugendliebe Olga (gespielt von Brigitte Grothum) nah zu sein.

Walter Kreye springt damit für den leider erkrankten Horst Janson ein.

Eriks Jugendliebe Olga spielt Brigitte Grothum, sie war schon bei den Bad Hersfelder Festspielen als Königin Elisabeth in „Shakespeare In Love“ zu sehen.  Festspiel-Intendant Joern Hinkel schwärmt: „Brigitte wird Olga ihre ganz persönliche Note geben. Olga ist gleichzeitig zurückhaltend, gibt vor, nicht alles hören zu können, obwohl sie viel mehr mitbekommt, als sie zugibt, ist aber die erste, die sich dem dogmatischen Pfarrer entgegenstellt. Im entscheidenden Moment nimmt sie kein Blatt vor den Mund." 
Neben ihrer großartigen Bühnenkarriere spielte Brigitte Grothum Hauptrollen in über 20 Filmen, u. a. in den legendären Krimis von Edgar Wallace und in Bernhard Wickis „Das Wunder des Malachias“. Ihre Fernsehtätigkeit begann 1957. Ab da war und ist sie in über 200 TV-Rollen in jedem Genre, vom Charakterfach bis zum Boulevard, erfolgreich. Besondere Popularität erlangte sie in der Doppelrolle der Magda/Marion bei „Drei Damen vom Grill“, der Vorabend-Serie der ARD, die 16 Jahre lang zu sehen war.

Seit 2020 kann man sie u.a. in dem Soloprogramm „Ein deutsches Leben“ als Brunhilde Pomsel, Sekretärin von Joseph Goebbels, am Schlossparktheater Berlin und in Gastspielen in vielen anderen Städten erleben.

In „Wie im Himmel“ wird Jürgen Hartmann den Stig spielen, den tragischen Gegenspieler des Dirigenten Daniel Daréus, so Joern Hinkel: „Manchmal erinnert Stig mich an Antonio Salieri, der klug genug ist zu begreifen, dass sein Gegenüber viel mehr Talent hat als er selbst, aber nicht ertragen kann, dass die anderen ihm keine Sympathie entgegenbringen. Stig ist bemüht, die Zuneigung Gottes und der Mitmenschen zu erzwingen. Je mehr er zwingt, desto mehr wenden sie sich von ihm ab: auch die eigene Ehefrau. Erst im letzten Moment gelingt es ihm loszulassen und zu begreifen, dass man Liebe nicht einfordern, sondern nur selbst schenken kann. „Zufällig spielt Jürgen Hartmann derzeit tatsächlich den Mozart-Kontrahenten Salieri in `Amadeus´ im Theater Meiningen.

Jürgen Hartmann ist ein renommierter Theaterschauspieler und Regisseur, einem Millionenpublikum bekannt wurde er aber als Gerichtsmediziner im „Tatort“ aus Stuttgart, den er seit 2017 spielt. Die Zuschauer der Bad Hersfelder Festspiele erinnern sich besonders gerne an seine beeindruckenden Auftritte in gleich mehreren Rollen in „Der Prozess“ in 2019 und 2022 in „Notre Dame“ – beides Inszenierungen von Festspiel-Intendant Joern Hinkel.

Mit Thorsten Nindel kommt ein weiterer bekannter Name hinzu, er wird in „Wie im Himmel“ in die Rolle eines Agenten schlüpfen. Seitdem er den Zorro in der „Lindenstrasse“ spielte, übernahm er zahlreiche TV- und Theaterrollen. In Bad Hersfeld begeisterte er 2019 in der Stiftsruine das Publikum in „Der Prozess“ (Regie: Joern Hinkel) in der Rolle des Reporters und Fotografen Titorelli. Im Rahmen des Programmes „Ein Anderer Sommer“  war er 2020 im Hotel am Kurpark in“ Nachtschichten“ zu sehen und er trat bereits in den beiden letzten Jahren als Mr. Perry in „Der Club der toten Dichter“ auf.

73. Bad Hersfelder Festspiele
21. Juni bis 18. August 2024
Intendant Joern Hinkel