Archiv-Nachrichten

Jeder Zweite in FrankfurtRheinMain pendelt

IHK fordert Masterplan für die Mobilität in der Region

Die Stadt Frankfurt im Kern der Metropolregion ist besonders häufig das Ziel der Pendler und gilt als Deutschlands Pendlerhauptstadt. In keiner anderen Großstadt ist der Anteil der Einpendler so hoch wie hier. Fast zwei Drittel aller in Frankfurt Beschäftigten wohnen nicht in der Stadt – nur Düsseldorf und Stuttgart erreichen ähnlich hohe Werte.
Prof. Müller bei der Erläuterung der Pendler-Studie
Prof. Müller bei der Erläuterung der Pendler-Studie
Foto: Karl-Heinz Stier
Die 66 seitige Stau– und Pendlerstudie 2018.
Die 66 seitige Stau– und Pendlerstudie 2018.
Foto: Karl-Heinz Stier

Auf die Metropolregion umgelegt pendelt jeder zweite der 2,2 Millionen Beschäftigten, die in den 25 Kreisen oder kreisfreien Städten wohnen,  über Kreisgrenzen hinweg zum Arbeitsort. „Dies ist erfreulich, weil es ein Ausdruck der Wachstumsdynamik ist, lässt aber den Druck auf die Verkehrsträger wachsen“, meint Prof. Dr. Mathias Müller, Präsident der Industrie– und Handelskammer Frankfurt. Er stellte erstmals die länderübergreifende Studie  der Initiative PERFORM von den Wirtschaftskammern in Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vor.

Ein Grund dafür ist der anhaltende Boom am Arbeitsmarkt in FrankfurtRheinMain. Allein in den letzten drei Jahren sind 170 000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs in der Metropolregion entstanden. Der Beschäftigungsaufbau findet dabei nicht nur in den Kernstädten, sondern in der gesamten Region statt. Die größten Zuwächse gab es seit 2000 in den Landkreisen Alzey-Worms (+ 36 %), Mainz-Bingen(+ 29 %) und im Hochtaunuskreis (+ 28 %). Die Pendler machen dabei an den Landesgrenzen nicht Halt. Beispielsweise pendelt jeder fünfte Arbeitnehmer aus Mainz zum Arbeiten nach Wiesbaden und Frankfurt; allein täglich mehr als 16 000 Menschen.

Das schlage sich auf die Verkehrsströme durch. Auf den Schienen und Straßen der Region  seien die Kapazitätsgrenzen bereits erreicht oder sogar schon überschritten,  viele Hauptverkehrsachsen der Metropolregion chronisch überlastet und in hohem Maße stauanfällig, so die überregional wichtigen Autobahnen A 3 und A 5, aber auch die A 66 und viele Bundesstraßen der Region, sagte Prof. Müllerund weiter: „Auf Hessens Straßen gibt es einen großen Sanierungsstau, der unverzüglich behoben werden muss. Auch wenn die Straßenbaustellen zu zusätzlichen Staus führen.“ Die Landes-Mittel für den Straßenbau reichten trotz Erhöhung noch immer nicht aus, um den Sanierungsstau aufzulösen. Prof. Müller kritisierte auch, dass im Rahmen der Neuordnung der Bundestraßenverwaltung keine Niederlassung in Hessen vorgesehen sei. Angesichts der Bedeutung Hessens als großes Transitland mit einem der dichtesten Verkehrsnetze Deutschlands müsse das Standortkonzept überarbeitet und eine elfte Niederlassung mit Sitz in Hessen vorgesehen werden. Zugleich wies er darauf hin, dass die Zahl der Fahrgäste im Öffentlichen Personen Nahverkehr(ÖPNV) in der Metropolregion in den letzten Jahren gestiegen, die Investitionen in die Infrastruktur hingegen stark vernachlässigt worden seien und nicht an die rasant steigende Einwohnerzahl und das Beschäftigungswachstum angepasst wurden.

Eine Verkehrsplanung mit Anspruch könne am besten in einem Masterplan die Mobilität in der Region skizzieren und die Maßnahmen koordinieren.

Erneut wies Prof. Müller auf die langen Genehmigungszeiten hin. Sämtliche Planungs- und Genehmigungsprozesse seien zu beschleunigen, z.B. eine Beschränkung auf eine Klageinstanz, eine Prozessoptimierung sowie eine ausreichende Personalausstattung bei den zuständigen Stellen.

Um die Metropolregion FrankfurtRheinMain besser zu positionieren, haben Wirtschaft und Politik der vier Bundesländer mittlerweile eine länderübergreifende Zusammenarbeit in dem Strategieforum FrankfurtRheinMain verabredet. In diesem Forum tauschen sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft dieser Länder über die Themen aus, die für die Weiterentwicklung der Region von entscheidender Bedeutung sind. Damit werden deren Belange in Berlin beim Bund künftig viel stärker ins Gewicht fallen als die Stimme einzelner regionaler Akteure, meinte der IHK-Präsident.