Jeder kann helfen
Foto: Pixabay, M. Raab
Der Hochtaunuskreis als Träger des Rettungsdienstes hat sich zusammen mit dem Deutsches Roten Kreuz und dem Schulsanitätsdienst der Humboldt-Schule in Bad Homburg an einer bundesweiten Kampagne beteiligt. Mit der Aktion „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ wollen Deutschlands Anästhesisten unter der Schirmherrschaft des Bundesgesundheitsministeriums das Selbstvertrauen der Bürger in ihre eigenen Fähigkeiten als Ersthelfer stärken, um damit mehr Menschen das Leben retten zu können. Denn die ersten Sekunden nach einem Herzkreislaufstillstand eines Menschen entscheiden oft über dessen Überleben.
Unter der Anleitung des Ärztlichen Leiters des Rettungsdienstes des Hochtaunuskreises, Professor Dr. Volker Lischke, werden die Schülerinnen und Schüler der achten Klassen der Humboldtschule an zwei Tagen in der sogenannten Laienreanimation geschult. Ist die Schulung erfolgreich, hat der Hochtaunuskreis 230 zusätzliche Laienhelfer. Alle für die Schulungen notwendigen Materialien, darunter unter anderem 70 Puppen für die Herzdruckmassagen und die Beatmung, stellt der Hochtaunuskreis zur Verfügung. Ulrich Krebs als Dezernent für den Rettungsdienst des Hochtaunuskreises, freut sich über die Bereitschaft der Schüler, sich von den Rettungssanitätern in der Laienreanimation ausbilden zu lassen. „Mit nur wenigen erlernten Handgriffen können Leben gerettet werden“, sagt Krebs und hofft, dass die Aktion Schule macht.
Tatsächlich sterben in Deutschland jährlich rund 5000 Menschen, weil Anwesende nicht helfen können. Deutschland braucht mehr Ersthelfer, die aktuelle Bilanz ist alarmierend: Nur 15 Prozent der Bundesbürger helfen im Ernstfall. Dabei kann Wiederbelebung einfach sein: „Prüfen. Rufen. Drücken!“ sind drei leicht zu merkende Schritte bei einem Herzstillstand: Reaktion und Atmung checken, Notruf 112 wählen und die Herzdruckmassage sofort beginnen. Fest und mindestens 100 Mal pro Minute in der Mitte des Brustkorbs drücken und nicht aufhören, bis Hilfe eintrifft. „Die Herzdruckmassage erhöht die Überlebenschance um ein Vielfaches“, sagt Professor Lischke.
Der plötzliche Herztod ist mit schätzungsweise bis zu 100.000 Fällen pro Jahr eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Obwohl jeder helfen könnte, tun es die wenigsten. Dabei ist es gerade bei einem Herzstillstand unerlässlich, schnell zu handeln: Bereits drei Minuten nach einem Herzstillstand wird das Gehirn nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt – es treten unwiderrufliche Schäden auf. Mit einer einfachen Herzdruckmassage kann der Restsauerstoff im Blut zirkulieren und so bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Überlebenswahrscheinlichkeit entscheidend erhöhen.
Viele Menschen sind im Ernstfall überfordert, weil sie zuerst an die stabile Seitenlage oder den Wechsel zwischen Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung denken. Dass eine Herzdruckmassage ausreicht, wissen viele nicht.
Weitere Artikel aus der Kategorie: