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Letzte Aktualisierung: 27.05.2022

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Interventionsspur „Blickwechsel – dem Rassismus auf der Spur“ eröffnet

von Ilse Romahn

(10.05.2022) „Herzlich gratuliere ich dem Historischen Museum, das in dieser Stadt vorbildlich das Thema der Diversität sowohl in der Personalpolitik als auch in der Programmgestaltung vorantreibt. Dank des Förderprogramms ‚360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft‘ der Kulturstiftung des Bundes konnte eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern die Dauerausstellungen im Hause kritisch kommentieren“, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Rassistische Blicke, Einblick Interventionsspur
Foto: HMF, Foto: Horst Ziegenfusz
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Das partizipative Projekt „Blickwechsel – dem Rassismus auf der Spur“ fügt den Exponaten kritische Betrachtungen und neue Perspektiven hinzu. Mit insgesamt 18 Interventionen haben Aktivistinnen sowie Aktivisten und Künstlerinnen sowie Künstler of Color ausgewählte Objekte und deren Geschichte kommentiert, verändert oder ergänzt. „Ihre kritische Sicht auf überlieferte Narrative präsentieren sie mit künstlerischen Mitteln und geben so Einblick in Erfahrungen von rassistisch stereotypisierenden Zuschreibungen“, sagt Kulturdezernentin Hartwig. Hierfür wurde aus Perspektiven nicht-weißer und intersektionaler Positionen eine Spur durch das Haus erstellt, die Rassismus sichtbar macht, aber auch Strategien von Selbstermächtigung und Widerstand nutzt.
 
„Museen sind keine neutralen Räume. In ihnen wird das kollektive Erinnern geprägt und Wissen vermittelt. Umso wichtiger sind die Fragen danach, wer hierbei mitspricht und wer repräsentiert wird, welche Perspektiven gezeigt werden und welche fehlen. Als Museum eröffnen wir einen Raum, in dem den alten Deutungshoheiten neue Deutungen gegenüberstehen“, sagt Kuratorin Puneh Henning, die ein Jahr lang zusammen mit der Projektgruppe die rassismuskritischen Kommentierungen erarbeitet hat.
 
Mit der Intervention reagiert das Museum auf drei Entwicklungen des letzten Jahrzehnts: „Erstens: Deutschland ist ein Einwanderungsland, und das schon lange: Diese Erkenntnis hat sich aber erst in den vergangenen Jahren durchgesetzt. Zweitens: Der Nationalsozialismus ist auch 76 Jahre nach Kriegsende nicht zu Ende: Eine viel zu lange missachtete Erbschaft ist der Rassismus. Und drittens: Der Kolonialismus ist auch eine deutsche Geschichte – und der Rassismus der Gegenwart ist damit ebenso verbunden wie mit dem Nationalsozialismus“, betont Museumsdirektor Jan Gerchow.
 
Die Interventionen umfassen fiktionale und ironische Ergänzungen, Gegenüberstellungen, Protestaktionen und Überblendungen einzelner Museumsobjekte. Die Stationen machen durch ihre Gestaltung auf sich aufmerksam und zeigen deutlich, dass sie eine andere Perspektive wiedergeben.

Die zu der Interventionsspur publizierte Thementour liegt auf Deutsch und Englisch im Museum aus.

Mehr Information zur Interventionsspur „Blickwechsel – dem Rassismus auf der Spur“ finden sich unter historisches-museum-frankfurt.de. (ffm)