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Letzte Aktualisierung: 18.02.2020

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Interim für die Oper Frankfurt

Entwürfe der Stipendiaten der aac Academy for Architectural Culture im DAM

von Ilse Romahn

(21.01.2020) In Frankfurt wird am Willy-Brandt-Platz seit 1902 gespielt, erst nur Theater, seit den 1950er Jahren ist hier auch die Oper zu finden. Der Gebäudekomplex wurde in mehreren Etappen erweitert, und es bedarf nun nach knapp 70 Jahren fast durchgehenden Spielbetriebs einer grundlegenden Sanierung.

Noch ist die endgültige Entscheidung in Frankfurt nicht gefallen, schon jetzt kommen aber Fragen nach möglichen Ausweichspielstätten auf. Dieser Herausforderung haben sich die Stipendiaten der aac Academy for Architectural Culture in ihrem internationalen Herbst-Workshop unterstützt vom Kulturdezernat der Stadt Frankfurt gestellt: Die Studierenden sollten eine temporäre Oper in Frankfurt entwerfen, die den Mitarbeitern eine hervorragende künstlerische Arbeit ermöglicht und Inszenierungen erlaubt, deren Magie die Zuschauer auch im Interim gefangen nimmt.

Unter der Leitung von Meinhard von Gerkan und Stephan Schütz wurden Lösungen für ein zeitgemäßes Operninterim an der Bockenheimer Warte entwickelt, welches im Ensemble mit dem Bockenheimer Depot einen öffentlichen Kulturplatz definieren könnte: Gut erschlossen und innenstadtnah wurde für den Workshop ein fiktives Areal bestehend aus dem Gelände der Universitätsbibliothek sowie der Rasenfläche direkt neben dem Bockenheimer Depot definiert. Den vier Viererteams standen erfahrene Tutoren zu Seite, die zudem von Inputvorlesungen und Kritikrunden mit Gastprofessoren ergänzt wurden.

„Die Entwürfe zeugen einerseits von einer kreativen Vielfalt, während sie zugleich die Frage nach der Möglichkeit des Temporären beantworten“, sagt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft. „Für die Zukunft der Städtischen Bühnen können sie sicherlich neue Impulse geben nicht nur, aber auch hinsichtlich eines Interims, das herausragende Opernaufführungen erlaubt.“

Alle vier Gruppen haben nicht nur Ideen für einen Interimsbau entwickelt, sondern mit Bezug auf das Bockenheimer Depot von 1900 ein Ensemble geschaffen, das einen öffentlichen Kulturplatz definieren würde. In jedem der vier konzipierten Neubauten könnte der Spielbetrieb ohne große funktionale Einbußen weitergehen, um das Repertoire des Hauses zur Aufführung zu bringen: Die erste Gruppe platziert die Funktionen locker und einsehbar innerhalb eines offenen und begehbaren Gerüsts. Gruppe zwei entwickelt eine leichte und transparente Skulptur, die durch Faltungen sowohl im Grundriss wie in den Fassaden einladende Stadträume definiert. Gruppe drei macht die Funktionen des Interims, ähnlich einem Schaufenster, zum Teil des öffentlichen Straßenraums. Die vierte Gruppe stapelt die Funktionen in einem semitransparenten kompakten Kubus.

Pro Woche werden in der Oper Frankfurt bis zu fünf unterschiedliche Aufführungen gezeigt. 170 Vorstellungen stehen für die Spielzeit 2019/20 auf dem Programm. Am Willy-Brandt-Platz ermöglicht eine große Drehbühne von rund 38 Meter Durchmesser einen raschen Wechsel der Kulissen für die zahlreichen Aufführungen und Proben. Dieses Maß galt es auch im Interimsgebäude abzubilden. Für den internationalen Workshop wurde das Raumprogramm der Oper am Willy-Brandt-Platz auf die Notwendigkeiten für eine Interimsspielstätte reduziert.

Die Ergebnisse werden nun im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt ausgestellt, wo die Schau mit einer Vernissage am Freitag, 24. Januar, um 19 Uhr eröffnet wird. Die Ausstellung der aac Academy for Architectural Culture, Hamburg, mit Unterstützung des Dezernats für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main, läuft bis zum 23. Februar. Die aac ist eine Einrichtung der gmp-Stiftung (http://www.aac-hamburg.de).

Die Ausstellung im 2. OG – Haus-im-Haus, Deutsches Architekturmuseum (DAM), Schaumainkai 43, kann Dienstag und Donnerstag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr und mittwochs von 10 bis 20 Uhr besichtigt werden. (ffm)