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Letzte Aktualisierung: 06.07.2020

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Intendant Pauly verlässt die Alte Oper

Abschied nach achteinhalb Jahren

von Ilse Romahn

(02.06.2020) Mit dem Ende der Saison 2019/20 verbindet sich eine Zäsur für die Alte Oper Frankfurt: Achteinhalb Jahre nachdem er im März 2012 sein Amt als Intendant und Geschäftsführer der Alten Oper antrat, verlässt Dr. Stephan Pauly das Haus, um vom 1. Juli 2020 an die Intendanz der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien / des Wiener Musikvereins zu übernehmen.

Dr. Stephan Pauly
Foto: Alte Oper / Achim Reissner
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Einschließlich der kommenden Saison 2020/21 tragen somit acht Spielzeiten die programmatische Handschrift Paulys. 

In dieser Zeit baute Dr. Stephan Pauly die Position der Alten Oper Frankfurt als eines der wichtigsten Konzerthäuser Europas aus: Die international führenden Orchester, Dirigent*innen und Solist*innen folgten der Einladung nach Frankfurt und sorgten für herausragende Konzerterlebnisse. Dr. Stephan Pauly prägte darüber hinaus das Haus unter anderem durch die Einführung des Musikvermittlungsprogramms „PEGASUS – Musik erleben!“ als eigenständige Sparte und durch Großprojekte wie „One Day in Life“ mit dem Architekten Daniel Libeskind, bei dem im Mai 2016 ganz Frankfurt zum Spielort für 75 Konzerte wurde, oder „Anders hören“ mit der Performancekünstlerin Marina Abramović im März 2019. Während seiner Intendanz setzte er neue Schwerpunkte, etwa in Gestalt eines inhaltlich ausgerichteten Musikfests zu Beginn einer jeden Spielzeit oder in den über die Saison verteilten Fokus-Festivals. Profil erhielten diese Schwerpunkte auch durch den Gedanken der Vernetzung und die Suche nach Synergien und Querbezügen. Genre- oder epochenübergreifende Programme und, damit einhergehend, Kooperationen zwischen verschiedenen Frankfurter Kulturinstitutionen sorgten dafür, dass auch Menschen jenseits des Klassikpublikums angesprochen wurden. Gleiches gilt für die neu eingeführten Formate, die das Publikum als Akteure mit ins musikalische Geschehen einbezogen, oder für die neu eingeführten Reihen „Jazz im Mozart Saal“ und „Weltmusik im Mozart Saal“. 

Für Dr. Stephan Pauly bleibt „die dankbare Erinnerung an eine erfüllte Zeit, die ich gemeinsam mit meinem engagierten Team gestalten konnte. Wenn es uns dabei gelungen ist, nicht nur die Ansprüche unseres Stammpublikums zu erfüllen und regelmäßig die gesamte künstlerische Exzellenz ins Haus zu holen, sondern auch Menschen neu zu begeistern und ihnen bereichernde und substanzielle Erfahrungen zu ermöglichen, haben wir viel bewegt.“ In dankbarer Erinnerung behält Stephan Pauly auch „die vielen schönen und inspirierenden Begegnungen mit Künstler*innen, aus denen oft neue Programmideen entstanden, die treue Unterstützung durch die FREUNDE der Alten Oper, aber auch durch Sponsoren und Förderer und die produktive Zusammenarbeit mit den Dienstleistern, dem Aufsichtsrat, den Partnern, den Mietern und der Stadt.“ Und er verabschiedet sich mit den Worten: „Es war wunderbar, für dieses Haus arbeiten zu dürfen und gemeinsam mit dem Team all die Jahre zu versuchen, das zu verwirklichen, was die Alte Oper ist und sein soll: ein Haus für alle. Für die Musik. Für das gemeinsame Erleben. Für die Erfahrung, dass Kultur mit anderen Menschen gemeinsam zu erleben lebensbereichernd und lebenswichtig ist. Meinem Nachfolger Dr. Markus Fein und dem gesamten Team der Alten Oper wünsche ich alles Gute, viel Freude und Erfolg für die Zukunft! “ 

Umgekehrt geht der Dank an den Intendanten für seine Verdienste um das Haus
Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Alten Oper Frankfurt, erinnert sich: „In seinen acht Spielzeiten habe ich Stephan Pauly als aufgeschlossenen, innovativen wie entschlossenen Kulturmacher erlebt. Die Großprojekte, die er entworfen und realisiert hat, haben die Stadt ebenso bereichert wie auch beispielsweise sein umfangreiches neu angestoßenes Programm für die Kleinen. In den 70er Jahren wurde an die Alte Oper die Forderung nach einem „Haus für alle“ gestellt, heute sprechen wir eher von aktiver kultureller Teilhabe: Beides zu verwirklichen, war Stephan Pauly Herzensangelegenheit, und dafür danke ich ihm ganz persönlich!“ 

Auch Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats der Alten Oper Frankfurt, würdigt die Leistung Dr. Stephan Paulys: „Die Kulturstadt Frankfurt darf sich glücklich schätzen, in den vergangenen Jahren von einer Persönlichkeit wie Stephan Pauly geprägt worden zu sein. Regelmäßig konnte er erstklassige Künstler und Künstlerinnen in die Stadt holen, die besten Orchester sind aufgetreten. Zudem hat er mit seiner stark inhaltlich orientierten Arbeit wichtige Impulse für das Frankfurter Kulturleben gesetzt. Stephan Paulys Amtszeit belegt für mich auf beeindruckende Weise die Wirkmacht von Kreativität und Anspruch, aber auch von Synergien und Vernetzung – zwischen Genres, Epochen und zwischen den Kulturinstitutionen der Stadt.“ 

Und Dr. Klaus Albert Bauer, Vorstandsvorsitzender der FREUNDE der Alten Oper, bilanziert: „Stephan Pauly war ein Glücksfall für Frankfurt, für die Alte Oper und für uns von den FREUNDEN. Wir verdanken ihm viele herrliche Stunden und unvergessliche Begegnungen mit großen Künstlern. Paulys Programme trugen eine klare Handschrift: Musik als Bekenntnis.“ 

Die Nachfolge von Dr. Stephan Pauly als Intendant und Geschäftsführer der Alten Oper Frankfurt tritt am 1. September 2020 Dr. Markus Fein an, der derzeit die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern leitet. 

Intendanz Dr. Stephan Pauly – Rückblick in Stichpunkten
-             Dr. Stephan Pauly baute die Position der Alten Oper Frankfurt als eines der international führenden Konzert- und Kongresszentren aus – in den vergangenen Jahren waren regelmäßig nahezu sämtliche Orchester, Dirigent*innen und Solist*innen der Weltspitze zu erleben, die Auftritte zahlreicher Größen des Jazz und des Entertainment, Musicals und aufwändige Bühnenshows rundeten das vielseitige Programmangebot auf höchstem Niveau ab. Und nicht zuletzt behauptete sich die Alte Oper weiterhin als wichtiger Standort für Kongresse, Tagungen, Galas und Preisverleihungen.

-             zur Spielzeit 2012/13: Einführung des Musikvermittlungsprogramms „Pegasus – Musik erleben!“ für Kinder, Jugendliche und Familien

bis heute: stetiger Ausbau aufgrund hoher Nachfrage – mittlerweile 179 Angebote und knapp 40.000 Besucher*innen pro Spielzeit

-             Acht Musikfeste jeweils rund um ein Schlüsselwerk der Musikgeschichte und seine Implikationen: Interpretationsvergleiche, innovative Konzertformate, Begegnungen zwischen Genres und Künsten, umfangreiche Rahmenprogramme

-             Fokus-Festivals gaben Einblicke in die Schaffensbandbreite von Künstler*innen oder beschäftigten sich mit ausgewählten Themen. Innerhalb der Fokus-Festivals etablierte sich die „Lange Nacht“ als beliebtes Format.

-             Die Alte Oper beauftragte den Architekten Daniel Libeskind, ein Musikprojekt für die gesamte Stadt zu entwickeln. „One Day in Life“ (2016) brachte Künstler*innen, Werke und Themen an Orte wie Schwimmbad, Großküche, Straßenbahn oder Boxcamp. Die internationalen Medien berichteten.

-             Die Performancekünstlerin Marina Abramović entwickelte im Auftrag der Alten Oper ein außergewöhnliches Musikprojekt. „Anders hören“ (2019) wurde in der Kombination aus Selbsterfahrung und neuer Musikrezeption für viele Menschen zum prägenden Erlebnis.

-             Das Publikum wurde zu Mitwirkenden in interaktiven Formaten wie z. B. „The Great Learning“, „Musicircus“ oder dem Playsonic Festival.

-             Neue Kooperationen mit anderen Kulturinstitutionen der Stadt (u.a. Künstlerhaus Mousonturm, MMK, Schauspiel Frankfurt, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst) ermöglichten Denkanstöße, Perspektivwechsel, Begegnungen mit anderen Künsten und Genres.

-             Die Stadt als Erfahrungsort für Musik: In den Musikfesten wurde Musik auch an neuen Spielorten erlebbar. Konzerte etwa im VGF Betriebshof, im 38. Stock des Opernturms und in einer Apfelweinschänke sorgten für neue Hörerfahrungen und sprachen ein Publikum jenseits des „Klassikzirkels“ an.

-             Neue Reihen machten innovative Strömungen des Jazz und die Vielfalt von Weltmusik erlebbar.

-             Reflexion über die Zukunft des Konzertbetriebs: In Projekten wie „Das Konzert in der Forschung“ befasste sich die Alte Oper mit Perspektiven der Vermittlung von Musik im Konzertsaal.

-             Haltung zeigen: Die Musikfeste wurden auch zum Ort des Diskurses über gesellschaftliche Fragen (Flucht, Ausgrenzung, Bekenntnisse). Die Alte Oper unterzeichnete als eine der ersten Institutionen der Stadt die „Frankfurter Erklärung der Vielen“ und bekannte sich auf diese Weise zu den Werten einer pluralen Gesellschaft.
 
Alte Oper Frankfurt, Konzert- und Kongresszentrum GmbH    www.alteoper.de