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Letzte Aktualisierung: 27.02.2021

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Infotafel für Adam Golub und Georgij Lebedenko in der Lahnstraße 32

von Ilse Romahn

(19.02.2021) Eine neue Informationstafel weist seit dieser Woche auf die beiden Zwangsarbeiter hin, die am 14. März 1945, kurz vor dem Einmarsch der Alliierten in Frankfurt, auf offener Straße im Stadtteil Gallus ermordet wurden.

Ann Anders, Ina Hartwig und Ortsvorsteher Oliver Stranke
Foto: Stadt Frankfurt / Salome Roessler
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Beiden Männern gelang an diesem Tag die Flucht aus dem Konzentrationsaußenlager Katzbach in den nahen Adlerwerken, wohin sie Anfang des Jahres 1945 aus dem KZ Buchenwald überstellt worden waren. Kulturdezernentin Ina Hartwig enthüllte die Tafel am Donnerstag, 18. Februar, gemeinsam mit dem zuständigen Ortsvorsteher Oliver Strank und den Vertreterinnen und Vertretern der Hauseigentümergemeinschaft.

Georgij Lebedenko, zu dem Zeitpunkt 26 Jahre alt, wurde nach der Flucht schnell gefasst und in der Höhe des Hauses 27 in der Kriegkstraße von der SS erschossen. Seine Leiche blieb zur Abschreckung mehrere Stunden am Ort des Geschehens liegen, bevor sie abgeholt wurde.

Dem 19-jährigen Adam Golub gelang es zunächst zu fliehen. Er versteckte sich im Keller des Hauses Lahnstraße 32, wo er jedoch von einem Anwohner entdeckt wurde. Die Anwohnerschaft informierte die SS, die ihn schließlich vor zahlreichen Zeuginnen und Zeugen erschoss.

„In seinem Roman ‚Die blaue Stunde‘ hält Hans Frick die Geschehnisse am 14. März 1945 sehr eindrücklich fest. Er schreibt ‚Es war wie die Szene eines surrealistischen Films, unwirklich und außerordentlich realistisch zugleich‘. Leider gewinnt diese Aussage im Lichte der jüngsten Ereignisse in Hanau, Kassel oder Halle an Aktualität. Auch diese rechtsextremistisch oder antisemitisch motivierten Taten können mit der Beschreibung aus ‚Der blauen Stunde‘ versehen werden. Sie mögen unrealistisch, absurd und unwirklich erscheinen, sie widerstreben allem, was unsere Gesellschaft an demokratischen Werten bis heute erreicht hat, doch sie sind leider seit Jahren und Jahrzehnten bundesweite Realität. Dass es nicht so bleibt, dafür setze ich mich ein und bin froh, so große Unterstützung unter den Bürgerinnen und Bürgern zu spüren. Ich danke allen, die an der Idee und Umsetzung dieser Informationstafel beteiligt waren. Sie leisten einen großen Beitrag für die Vielfalt der Frankfurter Erinnerungskultur“, sagte Kulturdezernentin Hartwig.

„Ich freue mich, stellvertretend für unseren Ortsbeirat darüber, dass die Infotafel zum Gedenken an Adam Golub und Georgij Lebedenko nun enthüllt wird. Bis heute wissen viele Frankfurter nicht, dass es mitten in unserer Stadt ein KZ gab. Wir haben uns daher mit unserem Ortsbeirat und den Anwohnern und Nachbarn des Hauses in der Lahnstraße 32 für eine Infotafel eingesetzt, die aufklären, mahnen und auf diese Weise einen kleinen Beitrag dazu leisten soll, dass sich ein derartiges Grauen nie mehr wiederholt. Für die Menschen im Gallus, von denen sich in den letzten Jahren viele immer stärker mit dieser dunklen Vergangenheit auseinandergesetzt haben, sind Gedenkorte wie diese Infotafel von wichtiger identitätsstiftenden Bedeutung“, sagte der Vorsteher des Ortsbeirates 1, Oliver Strank.

„Als wir erfuhren, dass die beiden jungen Männer sich bei ihrer Flucht in unserem Keller versteckt hatten, von Nachbarn verraten und auf der Straße erschossen wurden, da waren wir erschrocken, berührt und wütend. Auf einmal war das damalige Grauen in unseren Alltag eingebrochen. Wir wollten dies nicht vergessen lassen“, erinnern sich die Hauseigentümer.

Die Tafel trägt folgenden Text:
„Am 14.03.1945 flohen der 19-jährige Adam Golub und der 26-jährige Georgij Lebedenko aus dem KZ-Außenlager der Adlerwerke. Die SS-Wachmannschaften begannen sofort mit der Suche, an der sich auch Nachbarn beteiligten. Lebedenko wurde in der Kriegkstraße erschossen und zur Abschreckung stundenlang liegen gelassen. Golub versteckte sich im Keller dieses Gebäudes, wurde von Anwohnern entdeckt und von herbeigerufenen SS-Leuten auf offener Straße vor zahlreichen Zeuginnen und Zeugen erschossen. Die Stadt Frankfurt erinnert seit 1998 mit dem Golub-Lebedenko-Platz an die beiden erschossenen Zwangsarbeiter.“ (ffm)