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Letzte Aktualisierung: 20.01.2022

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Inflationsrate steigt im November auf 5,3 Prozent

von Helmut Poppe

(30.11.2021) Im November 2021 ist die Inflationsrate in Hessen erneut deutlich gestiegen. Das Niveau der Verbraucherpreise lag um 5,3 Prozent über dem von November 2020.

Wie bereits in den vergangenen Monaten ist diese Entwicklung gegenüber dem Vorjahresmonat von starken Preiserhöhungen bei Energieprodukten sowie von Basiseffekten geprägt. Im Vergleich zum Oktober 2021 sank das Niveau der Verbraucherpreise im November 2021 geringfügig um 0,2 Prozent.
Die Inflationsrate – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahresmonat – lag im November 2021 in Hessen bei 5,3 Prozent. Nachdem die Inflationsrate im Oktober 2021 bereits 4,7 Prozent erreicht hatte, wurde nun die 5-Prozent-Marke überschritten. Dies ist der größte Preisanstieg gegenüber einem Vorjahresmonat seit 30 Jahren: Im Juli 1991 hatte die Inflationsrate in Hessen bei 5,8 Prozent gelegen.

Im Vergleich zum Oktober 2021 ist das Niveau der Verbraucherpreise nicht weiter gestiegen, sondern geringfügig um 0,2 Prozent gesunken. Da sich das Preisniveau im Vorjahr von Oktober auf November jedoch deutlich stärker – nämlich um 0,8 Prozent – verringert hatte, ist im November 2021 ein Anstieg der Inflationsrate zu verzeichnen.

Generell ist die hohe Inflationsrate derzeit auch auf Basiseffekte zurückzuführen: Durch die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze im zweiten Halbjahr 2020 und das geringe Preisniveau der Mineralölprodukte im vergangenen Jahr fällt der aktuelle Vorjahresvergleich entsprechend höher aus. Diese Effekte werden voraussichtlich auch noch im Dezember 2021 die Inflationsrate prägen.

Preise für Energie
Energie verteuerte sich im November 2021 durchschnittlich um 2,3 Prozent im Vergleich zum Oktober 2021. Die Preise für Kraftstoffe und Heizöl stiegen gegenüber dem Vormonat um 2,1 bzw. 1,3 Prozent an, damit jedoch weniger stark als von September auf Oktober 2021. Für Erdgas (plus 8,1 Prozent) und Strom (plus 1,3 Prozent) mussten Verbraucherinnen und Verbraucher im November 2021 ebenfalls mehr bezahlen als im Vormonat.

Im Vorjahresvergleich wirkt sich bei den Energiepreisen nach wie vor auch die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Abgabe erhöhend auf die Teuerungsraten aus. Die Preise für Energie waren im November 2021 durchschnittlich um 25,3 Prozent höher als im November 2020. Heizöl kostete mit einem Preisanstieg um 98,7 Prozent fast doppelt so viel wie im Vorjahresmonat. Kraftstoffe verteuerten sich binnen Jahresfrist um 44,8 Prozent. Auch für Erdgas (plus 19,7 Prozent) und Strom (plus 6,5 Prozent) mussten Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar höhere Preise zahlen als im November 2020.

Ohne Berücksichtigung der Mineralölprodukte hätte die Inflationsrate im November 2021 in Hessen bei 3,6 Prozent und ohne Berücksichtigung der gesamten Energie bei 3,3 Prozent gelegen.

Preise für Nahrungsmittel
Die Nahrungsmittelpreise stiegen im November 2021 um 0,4 Prozent gegenüber Oktober 2021. Teurer im Vergleich zum Vormonat waren insbesondere Speisefette und -öle (plus 5,5 Prozent) sowie Gemüse (plus 2,5 Prozent). Weniger musste im November insbesondere für Molkereiprodukte und Eier sowie für Obst (jeweils minus 0,7 Prozent) gezahlt werden. Brot und Getreideerzeugnisse kosteten 0,3 Prozent weniger als im Oktober 2021.

Gegenüber November 2020 erhöhten sich die Preise für Nahrungsmittel im November 2021 um 4,5 Prozent. Überdurchschnittlich teurer waren Speisefette und -öle (plus 12,1 Prozent), darunter stiegen die Preise für Butter um 10,8 Prozent. Deutlich mehr bezahlen als im Vorjahresmonat mussten Verbraucherinnen und Verbraucher auch für Fleisch und Fleischwaren (plus 6,1 Prozent) sowie für Molkereiprodukte (plus 3,8 Prozent) und Eier (plus 14,6 Prozent). Ebenfalls teurer waren Gemüse (plus 4,6 Prozent), Brot und Getreideerzeugnisse (plus 3,1 Prozent) sowie Obst (plus 2,1 Prozent).

Preise für Waren
Die Preise für Waren insgesamt nahmen im November 2021 gegenüber Oktober 2021 um 0,8 Prozent und gegenüber November 2020 um 8,5 Prozent zu. Der Preisanstieg im Vergleich zum Vorjahr ist von höheren Preisen für Verbrauchsgüter (plus 10,9 Prozent) bestimmt, zu denen auch die Energieprodukte zählen. Die Preise für Gebrauchsgüter stiegen im November 2021 um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Deutlich teurer als im November 2020 waren beispielsweise Fahrräder (plus 9,7 Prozent) und Personenkraftwagen (plus 7,8 Prozent). Auch die Preise für Möbel und Leuchten (plus 5,7 Prozent) sowie für Haushaltsgroßgeräte (plus 4,0 Prozent) erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresmonat. Sowohl Geräte der Unterhaltungselektronik als auch Mobiltelefone kosteten 2,7 Prozent mehr als im November vor einem Jahr. Die Preise für Bekleidungsartikel stiegen in diesem Zeitraum um 2,1 Prozent. Deutliche Preiserhöhungen um durchschnittlich 7,3 Prozent gegenüber November 2020 waren im November 2021 auch bei Erzeugnissen für die Instandhaltung und Reparatur der Wohnung, wie zum Beispiel Baustoffe, Türen, Fenster, Parkett und Laminat, zu verzeichnen.

Preise für Dienstleistungen
Das Niveau der Preise für Dienstleistungen (ohne Wohnungsmieten) lag im November 2021 um 1,5 Prozent unter dem Niveau von Oktober 2021 und um 3,4 Prozent über dem Niveau von November 2020. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verteuerten sich Wartungen und Reparaturen von Fahrzeugen um 5,7 Prozent sowie Dienstleistungen sozialer Einrichtungen um 4,4 Prozent. Auch die Preise für Kulturdienstleistungen (plus 3,2 Prozent) stiegen gegenüber November 2020 deutlich an. Telekommunikationsdienstleistungen verteuerten sich um 1,5 Prozent.

Die Wohnungsmieten (Nettokaltmieten) lagen im November 2021 um 0,2 Prozent über dem Niveau des Vormonats. Im Vergleich zum November 2020 mussten Mieterinnen und Mieter 1,5 Prozent mehr bezahlen.

Hinweise:
Der Basiseffekt beschreibt den Einfluss des vergleichbaren Bezugszeitpunkts (Basis) auf die aktuelle Preisentwicklung. Er spielt insbesondere bei der Interpretation von Veränderungsraten eine Rolle. Die Höhe der monatlichen Inflationsrate hängt nicht nur von der aktuellen Preisentwicklung ab, sondern auch vom Preisniveau des Vorjahres. Gab es in der vergleichbaren Vorjahresperiode einen (starken) Preisrückgang, so wird die aktuelle Inflationsrate tendenziell höher ausfallen. (HSL)