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Letzte Aktualisierung: 28.02.2020

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In Makaronesien: Kreuzfahrt zwischen den Kanaren und Kapverden

von Karin Willen

(07.02.2020) Sie kennen Makaronesien nicht? Diese Inseln mit immergrünem Wald, Wüste, Hochland und ganz viel Strand? Dann nix wie hin. Am bequemsten auf einer Kreuzfahrt zwischen den Kanaren und Kapverden.

Bildergalerie
Eintauchen in eine fremde Welt: Kreuzfahrt auf die Kapverden. Erster Eindruck vom Landgang in Mindelo
Foto: Michael Siegel
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Tintenfisch am Spieß: Grill im Restaurant Hamburg auf Sao Vicente
Foto: Michael Siegel
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Menschenleer am Abend: Mein Schiff Herz zwischen Teneriffa und Mindelo
Foto: Michael Siegel
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Letzte Besprechung vor dem Ablegen: Kapitän Panos (re) in Praia mit seinen offizieren
Foto: Michael Siegel
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Makaronesien – griechisch für die glücklichen Inseln – liegt weit voneinander verstreut westlich von Spanien und Afrika; die Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Die sieben Kanareninseln liegen sozusagen mittendrin. Außerdem gehören die 15 kapverdischen Inseln vor Gambia und dem Senegal, sowie Madeira mit Porto Santo und einigen unbewohnten Inseln und die Azorengruppe dazu. Wir haben uns für die Reise Richtung Äquator entschlossen: von Teneriffa in Richtung Kapverden und zurück. Mit gutem Grund: Die Kreuzfahrt ist eine Gelegenheit, die weniger touristisch erschlossenen Inseln mit Geschichte zu sehen. Denn auf den Kapverden lässt die touristische Infrastruktur hauptsächlich Badeferien auf den Inseln Sal und Boa Vista zu.

Mein Schiff Herz

Majestätisch liegt die Mein Schiff Herz am Kai von Puerto de la Cruz auf Teneriffa, obwohl die blaue Lady eher zu den kleineren Ozeandampfern gehört. Vier Seetage und zwei kapverdische Insel in Sicht für 2000 Passagiere und 1000 Mann und Frau Besatzung. Unter Führung des beliebten Kapitän Panagiotis Varotsos. Jeder nennt den Boss auf der Brücke hier jeder Kapitän Panos. Sein Heimathafen ist Piräus, der Hafen Athens. Von dort hat er sich ein bisschen Heimataroma mitgebracht: Und so duften auf der Brücke große Basilikumbüsche. Die Crew witzelt schon: „Wir fahren mit unserem eigenen Kräutergarten“.

See- und Landtage

Vier volle Seetage, das ist fast schon ungewöhnlich für eine Kreuzfahrt; die meisten Ozeanriesen fahren nachts in Küstennähe von Ort zu Ort. Da spielen Pool und die anderen Annehmlichkeiten schon eine große Rolle. Doch nicht jeder will immer am Pool liegen. Wir haben es uns öfter auf unserem Balkon gemütlich gemacht, einfach nur ins Blaue von Meer und Himmel geschaut und die Nase in den atlantischen Wind gesteckt. Auch bei der Bordunterhaltung am Abend sind wir eher zurückhaltend. Wir ließen die Meeresluft von Deck 5 bis hinauf aufs Deck 12 um unsere Körper streichen. Die Kraft der Elemente bei voller Fahrt richtig zu spüren, war schon ein besonderes Erlebnis. Denn an manchen Stellen fing sich der Seewind zu kleinen Böen.

Thalasso an Bord

Noch mehr Meer gibt es im Spa. Die Mein Schiff Herz ist auf Thalasso spezialisiert. Das ist eine Behandlung mit Meerwasser und Algen. Eine eigene Meerwasserleitung pumpt das im tiefen Bauch des Schiffes gereinigte Salzwasser in die Thalassowanne und in die Düsen der Vichy-Dusche. Die Original Thalasso Anwendung beginnt mit einem Meersalzpeeling, bevor es ins Algen-Entschlackungsbad geht und man in einer Ganzkörperalgenpackung ruht, während Kopf und Gesicht sanft massiert werden. Das Ganze natürlich mit Blick aufs Meer. Nur unter dem warmen Meerwasserregen der Vichydusche, dem ebenfalls eine Algenpackung mit Kopf- und Gesichtsmassage folgt, gibt es keinen Meerblick.

Lokale Spezialitäten auf dem Tisch

Kulinarisch ist die Seefahrt eine Reise von den papas arrugadas con mojo, also den kanarischen Runzelkartoffeln mit Salzkruste, gedippt in roter oder grüne Sauce zu Cachupa, einem Eintopf mit Mais, grünen Bananen, Maniok, Süßkartoffeln, Kürbis, Yams, abgeschmeckt mit Knoblauch und Piment. Obwohl das Menü des kulinarischen Botschafters von TUI Cruises, Johann Lafer, im A la-Carte-Restaurant Atlantic rundum überzeugt, müssen wir natürlich auch die jeweils lokalen Spezialitäten im Atlantic testen. Und sind angenehm überrascht über das hohe Niveau, das die Küche auch ohne Lafers Expertise auf den weiß gedeckten Tisch bringt.

Umweht von den Passatwinden

Auf den neun bewohnten Kapverden-Inseln kocht man kreolisch, spricht portugiesisch (als Ex-Kolonie) und denkt westafrikanisch. Die Zeit für ein Schwätzchen muss beim Servieren schon drin sein, und warum die Afrikanerinnen ihren Strand säubern sollen, verstehen die jetzt auch nicht. Doch bevor wir versuchen können, uns mit ihnen zu verständigen, sind sie schon weg.

Mit 350 Sonnentagen sind die Kapverden heißer als die Kanaren. Aber beide umweht von den Passatwinden im Sommer, mit nährstoffreichen, tiefen Küstengewässern, in denen Wale und Delfine leben und mit ganzjährig warmen Wassertemperaturen zwischen 22 und 27 Grad.

Barlavento: Inseln im Winde

São Vicente, 1.500 Kilometer von den Kanaren und 450 Kilometer vom Senegal entfernt, ist unsere erste Station. Sie ist eine der nördlichen Barlavento-Inseln, die den Passatwinden zugewandt sind. Vom Schiff aus ist die alte Hafenstadt Mindelo bestens zu Fuß zu erkunden. Auch wenn am Sonntag nur wenige Marktstände geöffnet haben, gibt es Leben auf dem der Markt, auch einige Läden haben sich auf die Kreuzfahrttouristen eingestellt. Aus den Kirchen dringen bekannte Melodien. Doch ehe wir die Szene der Musikkneipen testen können, legt das Schiff nach Sonnenuntergang schon wieder ab in Richtung der windabgewandten Inseln, Sotavento.

Stopp im Restaurant Hamburg

Doch vorher, am Nachmittag, führt eine Jeeptour durch nahezu unberührte Landschaften zu leeren Stränden, darunter Baia das Gatas mit einer Wanderdüne aus Saharasand. Zum Drink geht es ins Restaurant namens „Hamburg“, laut Aussage von Einheimischen das beste Restaurant der Insel. Sein Besitzer war vor langer Zeit in Hamburg, heißt es. Was er gegründet hat, ist aber Gott-sei-dank durch und durch afrikanisch. Der fangfrische Fisch wird draußen gegrillt und mit den Händen genüsslich auseinandergenommen. Zurück geht es am Rande des Monte Verde. Der Tafelberg entpuppt sich aber eher als Geröllwüste, und der Wind zerrt an den Klamotten.

Am folgenden Morgen legen wir in Praia an. Den Hafen auf Santiago haben schon Vasco da Gama und Kolumbus angelaufen. Doch erst 1858 hat die Stadt Mindelo als Hauptstadt der Kapverden abgelöst. Wegen des Hafens wurde die größte Insel der Kapverden früher ein wichtiges Zentrum des Sklavenhandels und des Schmuggelns. Heute lebt die Insel von Landwirtschaft und ein wenig Tourismus.

Offroad übers Gebirge

Unsere Ausflugswahl: Jeeptour, was sonst? Wir düsen offroad über zwei Gebirgsmassive, passieren kleine grüne, Ortschaften, sehen wunderschöne Strände und kehren ein in den Fischerort Moia Moia. Manche sind hier scheinbar zu Reichtum gekommen und können sich Garagen für ihre Autos und kleinen Yachten leisten. Andere hausen mit Hühnern und Schweinen in kleinen Gebäuden. Ein Fischrestaurant und ein Surfertreff zeigen, dass man hier auch auf den Tourismus setzt. Dafür reinigen die Frauen wohl oder übel den Strand. Gern, zeigen ihre gelangweilten Minen und ihr betont lässiger Gang, machen sie das nicht.

TIPP: Wer auf dem Schiff für sich sein will, kann in der Spa-Abteilung auf dem Wohlfühlschiff für ein paar Stunden abgeschlossene Entspannungsinseln buchen. Am besten dabei bedenken, auf welcher Schiffsseite gerade die Sonne steht. Alternativ empfiehlt es sich abends, wenn viele beim Essen oder im Theater sind, über die Außendecks zu wandern. Das macht erstaunlicherweise so gut wie keiner. Auch in der Außensaunaruhezone des Spas ist es oft ruhig.