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In die Herzen der RMF-Gäste spielte sich das Blechbläser-Ensemble

Canadian Brass brachte kanadisches Temperament und spanisches Feuer in den Kreuzgang von Kloster Eberbach

Blasmusik wird oft abgetan, aber was am vergangenen Donnerstagabend im Kreuzgang von Kloster Eberbach stattfand, war Blechbläserkunst auf allerhöchstem Niveau. Bereits zum vierten Mal trat das weltbekannte und erfolgsgekrönte Blechbläser-Ensemble Canadian Brass auf der Bühne des paradiesischen Kreuzganges bei den Rheingau Musik Festspielen (RMF) auf. 

Bild  Das berühmteste Blechbläser-Ensemble der Welt die aus Kanada stammende Canadien Brass bezauberte das abendliche Publikum im Kreuzgang von Kloster Eberbach.
Bild Das berühmteste Blechbläser-Ensemble der Welt die aus Kanada stammende Canadien Brass bezauberte das abendliche Publikum im Kreuzgang von Kloster Eberbach.
Foto: Ralph Delhees
Chuck Daellenbach, der Mitgründer der Canadien Brass vor 50 Jahren, faszinierte mit seinen Tuba-Solis.
Chuck Daellenbach, der Mitgründer der Canadien Brass vor 50 Jahren, faszinierte mit seinen Tuba-Solis.
Foto: Ralph Delhees

Kaum hatte RMF-Geschäftsführer Marcilius Graf von Ingelheim die Gäste begrüßt, wobei er besonders betonte, dass der Wind den Regen nach Rheinland-Pfalz vertrieben habe und nun kanadisches Temperament und spanisches Feuer zu erwarten sei. Plötzlich ertönte swingende Musik und als Marschband zogen die fünf Musiker gekleidet in schwarzen Jacketts, weißen Hemden, weißen Turnschuhen, die das Ahornblatt trugen, und weißen Socken mit farbigen Streifen, mit ihren blankgeputzten Blechinstrumenten auf die Bühne. Hier zeigte sich schon, dass die Kanadier die Herzen der abendlichen Gäste auf ihrer Seite hatten.

Der Abend, der unter dem Titel „Canadian Brass: La pasión española“ stand, entführte in das musikalische Spanien, welches in diesem 38. Festspielsommer Fokus-Land ist. Bereits der Bühneneinzug veranlasste zu großen Beifall und einem Trompetensolo von Mikio Sasaki und schon folgte eine Ouvertüre zur Mozart Oper „Die Zauberflöte“ (arr. von Watkins) hier zeigte sich die Weltklasse der Musiker, jeder Einsatz stimmte und so wurde das KV 10 der Zauberflöte zu einem Musikerlebnis. Mit eines der schönsten Musikstücke von J.S. Bach ist u.a. das Concerto in D-Dur BW 972, welches in Anlehnung an Vivaldis Konzert D-dur op.3 Nr.9 entstand, hier war es das Blecharrangement – von Joe Bürgstaller bearbeitet – mit den stufenartigen Tempi das von langsam zu schnell die Sätze in sich aufsaugte.

Beeindruckend auch das Posaunen-Solo „Herzlich tut mich verlangen“ (Nr. 10) von Johannes Brahms. Bei dem nachfolgenden Stück wippte das Publikum von der ersten Sekunde mit, als es Jazz, Bebop und Dixie zu „Well Tampered Bach“ folgte.

Mit Bizet‘s „Carmen“ eine Prozession der Stierkämpfer´
Drei spanische Stücke folgten die „Suite; Ole!“ und das erwartete „Granada“ mit dem Trompetensoli von Joe Burgstaller und u.a. der „Tuba Tiger Rag“ bei dem Chuck Daellenbach, der vor 50 Jahren Mitbegründer der Canadien Brass war, einzigartiges Tuba-Solo gab. Beeindruckend waren auch Samuel Barbiers „Adagio or Strings“ und Arrangements aus Beatles Stücken von John Lennon und Paul McCartney und mit „Tangos Nuevos“ von Astor Piazzolla war auch der Letzte im Publikum vom hohen Niveau des Ensembles überzeugt.

Spanische Lebenskunst und Leidenschaft kam nochmals zum Abschluss auf bei Auszügen von Georges Bizets „Carmen“, hier fehlte nicht mehr viel und das Publikum wäre auf die Stühle gestiegen. Hier zeigte sich auch, dass die Musiker auch Schauspiel sind, sie verkleideten sich und jeder der fünf hatte eine Rolle, der Torero, die der Posaunist spielte, stampfte mit den Füßen und wollte Carmen die Blume überreichen und der Stier sorgte für Bedrohlichkeit, als Chuck Daellenbach mit seiner Tuba für ein humoristisches Drama sorgte.

Die fünf Musiker aus der kanadischen Metropole Toronto gelten immer noch nach 50 Jahren als das Aushängeschild der internationalen Blechbläserszene. Es sind Joe Burgstaller und Mikio Sasaki (Trompete), Jeff Nelsen (Horn), Keith Dyrda (Posaune) und Chuck Daellenbach (Tuba). Auch im Kreuzgang des von Kloster Eberbach bewies das Ensemble seine gemeinsame Kreativität, individuell vollendetes musikalisches Können und die Lust, alle Möglichkeiten einer reinen Blechbläser-Formation zu erkunden. Dies zeichnet das Ensemble seit seiner Gründung 1970 aus. Die Musiker verblüffen mit den ungeahnten Facetten ihrer Instrumente, humorvollem Entertainment und nehmen sich und ihre Musik nicht allzu ernst, dies erlebte das abendliche Publikum mehr als nur einmal bei dem weit gespannten Bogen von Bach, Brahms, Barber, Beatles bis hin zu Bizet.