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Letzte Aktualisierung: 03.04.2020

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hr trauert um „Tatort“-Mitbegründer Dr. Hans Prescher

von Ilse Romahn

(19.03.2020) Der langjährige Leiter der Abteilung Fernsehspiel und Spielfilm des Hessischen Rundfunks, Dr. Hans Prescher, ist am 15. März im Alter von 89 Jahren in München gestorben.

Dr. Hans Prescher
Foto: hr
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Insgesamt arbeitete Dr. Hans Prescher 38 Jahre lang für den Hessischen Rundfunk, bevor er 1994 in den Ruhestand verabschiedet wurde. hr-Intendant Manfred Krupp würdigte Prescher als Fernsehspielchef, dem es in besonderer Weise gelungen sei, Populäres und Anspruch miteinander zu verbinden. „Er hat die Kreativlandschaft in Deutschland entscheidend mitgeprägt“, sagte Krupp.

Hans Prescher wurde am 22. März 1930 Groß-Moitzow geboren. In München studierte er Literatur- und Kunstgeschichte sowie Theater- und Zeitungswissenschaften. Er promovierte mit einer Arbeit über Kurt Tucholsky, über den er auch eine Biografie veröffentlichte. 1956 begann Prescher seine Mitarbeit beim Hessischen Rundfunk als Redakteur in der Publizistik. Von 1961 bis 1966 war er persönlicher Referent der Intendanten Eberhard Beckmann und Werner Hess. 1967 übernahm Prescher dann die Leitung der Abteilung Fernsehspiel und Spielfilm.

Unter der Leitung und redaktionellen Betreuung von Dr. Hans Prescher wurden im hr zahlreiche erfolgreiche Fernsehfilme produziert. Ende der 60er Jahre war er Mitbegründer der „Tatort“-Reihe. Zudem war er für die Realisierung von Großprojekten, zum Beispiel für die elfteilige TV-Verfilmung der „Buddenbrooks“ (1979), verantwortlich. Er betreute bedeutende Kino-Produktionen mit Filmregisseuren wie Werner Herzog, Eric Rohmer, István Szabó und Jean-Marie Straub, und arbeitete mit dem deutschen Filmemacher Volker Schlöndorff über lange Jahre zusammen.

Die beiden unter der Beteiligung des hr realisierten Spielfilme „Die Blechtrommel“ (Schlöndorff) und „Mephisto (Szabó) wurden mit dem Oscar ausgezeichnet. Als Autor des Fernsehspiels „Sie rüsten zur Reise ins Dritte Reich“ erhielt Prescher 1986 den „Fernsehpreis in Gold“ der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft.

Preschers 27-jährige Tätigkeit als Fernsehspielchef war auch von der Zusammenarbeit mit Regisseuren wie beispielsweise Helmut Käutner, Eberhard Fechner, Rainer Bär oder Rolf Silber geprägt. Zudem hatte er sich der Förderung von Autoren verschrieben. Unter anderem produzierte er Filme nach Drehbüchern von Irina Korschunow, Thomas Kirdorf und Gerhard Bengsch, einem Autor aus der DDR. Neben Kriminalgeschichten, Klassikern und populären Unterhaltungsfilmen realisierte Prescher auch immer wieder experimentelle Stoffe. In den frühen 1970er Jahren brachte er mehrere Fernsehspiele des häufig als „Bürgerschreck“ bezeichneten Autors und Regisseurs Gerd Winkler auf den Bildschirm. Auch Franz Xaver Kroetz inszenierte in den 1970er und 1980er Jahren fünf seiner Theaterstücke für das Fernsehspiel des hr.