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Letzte Aktualisierung: 16.04.2024

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hr-Doku „Kapitalland – Das Geld, die Stadt und die Bühne“ zeigt den Überlebenskampf des English Theatre Frankfurt

von Ilse Romahn

(23.02.2024) Eine Geschichte wie David gegen Goliath: Das English Theatre Frankfurt sollte per Räumungsklage durch die Commerzbank aus seiner Spielstätte ausziehen. Nach langem Kampf ist das Theater gerettet.

Keyvisual zur Doku "Kapitalland – Das Geld, die Stadt und die Bühne"
Foto: hr/stock-adobe.com
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Die 30-minütige hr-Doku „Kapitalland – Das Geld, die Stadt und die Bühne“ begleitet die Theatermacherinnen und -macher in den entscheidenden Monaten und zeigt, warum es für Städte essenziell ist, für Kulturorte zu kämpfen. Sie ist ab Freitag, 23. Februar, in der ARD Mediathek zu sehen.

Seit Jahren wird über Gentrifizierung und die explodierenden Immobilien-Preise in deutschen Großstädten diskutiert. Investoren, die das Ruder übernehmen; Innenstädte, die immer leerer werden; Kulturorte, die aufgrund steigender Kosten abwandern müssen. Ein aktueller Fall ist das English Theatre Frankfurt (ETF). Das Theater gilt als größte englischsprachige Bühne auf dem europäischen Festland mit bis zu 70.000 Zuschauerinnen und Zuschauern jährlich. Bekannt und beliebt ist es vor allem für seine Musical-Produktionen: mit Ensembles, die extra aus dem Londoner Theater-Viertel West End eingereist kommen. Doch nun war seine Existenz in Gefahr.

Verdrängt Kapital Kultur?
Das ETF sollte seine bisherige Spielstätte in den Kellerräumen eines Frankfurter Wolkenkratzers verlassen. Der Grund: Die Commerzbank, die zuerst Besitzer und später Mieter des Hochhauses war, gab ihren Standort auf und musste den Turm leer an den neuen Eigner übergeben, das Immobilienkonsortium CapitaLand aus Singapur. ETF-Intendant Daniel Nicolai weigerte sich, das Gebäude zu verlassen und verwies auf einen Vertrag aus dem Jahr 1999, der dem English Theatre Bleiberecht garantiert. Die Commerzbank reagierte mit einer Räumungsklage, denn CapitaLand wollte das Gebäude renovieren. Stichtag hierfür war der 31. Januar 2024.

Es war ein ungleicher Machtkampf, doch am Ende gelingt die Rettung. Die inzwischen unterbrochene Spielzeit wird ab Mitte April im Gesellschaftshaus des Frankfurter Zoos wieder aufgenommen und nach der Renovierung übernimmt die Stadt Frankfurt die Miete für die ursprünglichen Räumlichkeiten. Hat David gegen Goliath gesiegt? Ist die Kultur gerettet? Oder alles nur ein fauler Kompromiss? Auch diesen Fragen geht „Kapitalland – Das Geld, die Stadt und die Bühne“ nach.

Die Doku (Autorin: Agata Pietrzik, Redaktion: Simon Broll und Dorothee Ott) begleitet den Existenzkampf des English Theatres über die entscheidenden Monate hinweg. Vom Zweifel, ob die Rettung gelingt über Allianzen mit Fürsprecherinnen und Fürsprechern bis hin zu einem neuen Vertrag. Zu Wort kommen neben Intendant Daniel Nicolai auch der ehemalige Planungsdezernent der Stadt Frankfurt Martin Wentz, der Jurist und Publizist Michel Friedman sowie die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt Ina Hartwig, die sich alle für den Erhalt des Theaters eingesetzt haben. Auf der anderen Seite schildert die Kommunikationsleiterin der Commerzbank Silvana Herold den Konflikt aus der Perspektive der Bank und zeigt, wie das Theater jahrelang mit Millionenbeträgen unterstützt worden war.

„Kapitalland“ handelt von mehr als diesem konkreten Fall. Die Geschichte steht exemplarisch für die Verdrängung von Kultur durch Kapital und zeigt, was diese für die Entwicklung von Städten und das Leben in ihnen bedeuten kann.

hr-Doku „Kapitalland“ anschauen
„Kapitalland – Das Geld, die Stadt und die Bühne“ steht ab Freitag, 23. Februar, in der ARD Mediathek. Das hr-fernsehen zeigt die Doku am Donnerstag, 14. März, 22.30 Uhr.