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Hohe Steuern und zu wenig Fintechs bremsen Frankfurt im Wettbewerb der Finanzplätze

Frankfurt zählt laut einer neuen wissenschaftlichen Untersuchung zu den fünf wichtigsten Finanzzentren der Welt. Der sogenannte Open Financial Ecosystem Index (OFEX), entwickelt vom Center for Financial Studies (CFS) an der Goethe-Universität Frankfurt und dem Pariser Institut Louis Bachelier, sieht die Mainmetropole weltweit auf Rang fünf – deutlich besser als andere internationale Rankings, in denen Frankfurt zuletzt an Boden verloren hatte.

An der Spitze des Rankings bleibt New York. Dahinter folgen London und Chicago, während Paris und Frankfurt die Gruppe der fünf bedeutendsten Finanzplätze komplettieren. Aus Sicht der Studienautoren hat sich Frankfurt damit dauerhaft in der Spitzengruppe etabliert, auch wenn der Abstand zu den drei führenden Standorten weiterhin groß bleibt.

Neuer Ansatz bei der Bewertung

Der OFEX unterscheidet sich von etablierten Finanzplatz-Rankings vor allem durch seine Methodik. Statt auf Befragungen und subjektive Einschätzungen setzt die Untersuchung auf 53 nachvollziehbare Indikatoren aus internationalen Datenquellen wie OECD und Weltbank. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit von Finanzzentren möglichst transparent und wissenschaftlich messbar abzubilden.

Das Ergebnis fällt für Frankfurt deutlich positiver aus als im Global Financial Centres Index, der in London erstellt wird. Dort war die Mainmetropole zuletzt auf den 13. Platz zurückgefallen und wurde von Städten wie Zürich, Boston und Tokio überholt.

EZB und AMLA als wichtige Standortvorteile

Besonders stark schneidet Frankfurt bei der regulatorischen Infrastruktur ab. Dazu tragen vor allem die Europäische Zentralbank sowie die künftige Europäische Anti-Geldwäschebehörde AMLA bei, die ihren Sitz in Frankfurt haben wird. Auch die Finanzmarktinfrastruktur und das Kreditgeschäft werden als zentrale Stärken genannt.

Zudem profitiert Frankfurt weiterhin von den Folgen des Brexits. Zahlreiche internationale Banken haben seit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union Aktivitäten an den Main verlagert. Allerdings sehen die Studienautoren diese Entwicklung nicht als dauerhaften Wachstumstreiber.

Paris bleibt das nächste Ziel

Während die Top-Standorte New York, London und Chicago für Frankfurt derzeit außer Reichweite erscheinen, gilt Paris als realistischer Vergleichsmaßstab. Entscheidend werde sein, ob es Frankfurt gelingt, bei Zukunftsthemen wie Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und der Tokenisierung von Finanzprodukten eine führende Rolle einzunehmen.

Gleichzeitig bleibt die Attraktivität der Stadt für internationale Fachkräfte ein wichtiger Faktor. Im Wettbewerb um hochqualifizierte Beschäftigte konkurriert Frankfurt mit Metropolen, die über ein breiteres kulturelles Angebot und eine höhere internationale Anziehungskraft verfügen.

Deutschlandfaktor wird zur Belastung

Die Studie identifiziert mehrere strukturelle Schwächen, die den Finanzplatz ausbremsen. Dazu zählen vor allem die hohen Steuerbelastungen für Unternehmen und Arbeitnehmer sowie ein vergleichsweise starrer Arbeitsmarkt. Auch hohe Lebenshaltungskosten, umfangreiche bürokratische Anforderungen sowie Defizite bei Schulen und Hochschulen werden als Standortnachteile gewertet.

Besonders kritisch bewerten die Autoren die schwache Entwicklung der deutschen Fintech-Szene. Im internationalen Vergleich verfügt die Rhein-Main-Region über wenige milliardenschwere Technologieunternehmen. Gerade für einen führenden Finanzplatz fehle es an einem dynamischen Ökosystem aus Start-ups, Investoren und schnell wachsenden Technologieunternehmen.

Zu wenige Börsengänge

Ein weiteres Problem sehen die Wissenschaftler im deutschen Kapitalmarkt. Die Zahl der Börsengänge bleibt niedrig, während attraktive Technologieunternehmen häufig andere Finanzierungswege nutzen oder sich für internationale Kapitalmärkte entscheiden. Dadurch fehlen wichtige Impulse für den Finanzplatz.

Hinzu kommen die schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands und die Unsicherheit über die künftige Struktur der deutschen Bankenlandschaft. Aus Sicht der Studienautoren könnten solche Faktoren die Wettbewerbsfähigkeit Frankfurts langfristig beeinträchtigen.

Trotz dieser Herausforderungen bleibt die Bilanz positiv: Frankfurt gehört nach der neuen Untersuchung zur Weltspitze der Finanzzentren. Ob die Stadt künftig zu Paris aufschließen kann, wird jedoch davon abhängen, ob es gelingt, Innovationen anzuziehen, den Kapitalmarkt zu stärken und die strukturellen Standortnachteile Deutschlands abzubauen.

 

Zu den Zahlen

Die Zahl von über 160.000 umfasst Beschäftigte in Finanzdienstleistungen und Consulting. Die tatsächlich indirekt vom Finanzplatz abhängigen Arbeitsplätze liegen wahrscheinlich höher, werden in den vorliegenden Quellen jedoch nicht konkret beziffert.