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Letzte Aktualisierung: 12.08.2020

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Hofheimer Stadtarchiv: Ein neuer Leiter und ein spannender Fund aus Wallau

von Adolf Albus

(22.07.2020) Das Hofheimer Stadtarchiv wirft normalerweise einen spannenden Blick in die Vergangenheit. In diesen Tagen zeichnen sich für das Archiv selbst jedoch spannende Neuerungen in der Zukunft ab.

Der zukünftige Leiter des Stadtarchivs Hofheim, Matthias Bartsch, und Bürgermeister Christian Vogt begutachteten gemeinsam das Wallauer Petschaft und einige weitere Stücke aus dem Bestand des Archivs.
Foto: Stadt Hofheim
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Dass das Stadtarchiv im kommenden Jahr gemeinsam mit der Stadtbücherei am Kellereiplatz eine neue Heimat bekommt, ist schon länger klar. Nun stellt die Stadtverwaltung weitere Weichen für die Zukunft. Matthias Bartsch wird ab dem 1. August 2020 offiziell Hofheims neuer Stadtarchivar und Einrichtungsleiter. Letzteres ist möglich, da das Stadtarchiv innerhalb der Verwaltung den Status einer eigenen Einrichtung erhält und nicht länger an das Stadtmuseum angegliedert sein wird.

„Uns ist es wichtig, das Stadtarchiv innerhalb der Verwaltung organisatorisch aufzuwerten und besonders nach dem Umzug in die neuen Räume eine noch bessere Arbeit zu ermöglichen“, sagt Bürgermeister Christian Vogt. „Mit Matthias Bartsch konnten wir dafür einen sehr engagierten Nachfolger für Roswitha Schlecker gewinnen, der in den kommenden Jahren auch neue Schwerpunkte setzen wird.“ Ein erster großer Termin sei 2022 die Begleitung des 50-jährigen Jubiläums der Eingemeindung der Hofheimer Stadtteile Diedenbergen, Langenhain und Lorsbach durch das Stadtarchiv. Dabei werden auch die Eingemeindungen Thema sein, die kein Jubiläum feiern. „Wir wollen zeigen, wie Hofheim zu der Stadt zusammengewachsen ist, die wir heute kennen.“

Matthias Bartsch freut sich auf die neuen Aufgaben. „Ich hatte das Glück bereits seit September 2018 von meiner Vorgängerin eingearbeitet zu werden und habe bereits einige Projekte umgesetzt“, sagt Bartsch. „Nun geht es darum, den Umzug vorzubereiten und danach in den neuen Räumlichkeiten mit mehr Platz, die Grundlagenarbeit zu intensivieren“, kündigt er an. Der 32-Jährige ist in Offenbach geboren und aufgewachsen. Nach dem erfolgreichen Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Rechtswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main war er für ein Konzernarchiv in Hanau tätig bevor er 2018 nach Hofheim wechselte.

Während seiner Zeit in Hofheim hat Bartsch bereits den ein oder anderen interessanten Fund gemacht. Jüngstes Beispiel ist ein Siegelstempel aus Wallau aus dem 18. Jahrhundert. „GERICHTS SIGIL IM FLECKHEN WALLAU“, so lautet der Text des, den das Stadtarchiv Hofheim aus einer privaten Sammlung heraus erworben hat. Die Schrift ist um eine Darstellung eines Bischofs mit Mitra angeordnet, der in der rechten Hand einen Kreuzstab und in der linken eine Weinranke hält. „Hierbei handelt es sich wohl um den heiligen Urban, seines Zeichens Patron der Winzer, eine Anspielung auf die frühere Bedeutung des Weinbaus in der Wallauer Gemarkung“, erklärt Bartsch. Das älteste erhalte Siegel aus Wallau, das das gleiche Motiv zeigt, stammt aus dem Jahr 1783 und befindet sich in den Beständen des Hauptstaatsarchivs Wiesbaden. „Ob es mit dem nun im Stadtarchiv verwahrten Stempel angefertigt wurde, wird zurzeit noch geprüft.“ Ein solcher Siegelstempel wird auch Petschaft genannt. Aber Vorsicht: Korrekt ist das Petschaft und nicht wie man vielleicht erwarten würde die Petschaft. Anders als bei modernen Siegelstempeln kam bei einem Petschaft kein Stempelkissen zum Einsatz, sondern Siegelmasse wie Wachs oder Siegellack, in die der Stempel gedrückt wurde. Es handelt sich um das erste Petschaft im Hofheimer Archiv.

Interessant ist die Rolle, die das Motiv bei der Verleihung des Wallauer Wappens 1971 spielte. Die Gemeindevertreter entschieden sich bewusst gegen die Anlehnung des zu erstellenden Wappens an das alte Siegel, wie es eigentlich damals u.a. auch in anderen Hofheimer Stadtteilen üblich war. Sie lehnten 1966 einen solchen Entwurf mit der Begründung ab, dass der Ort lange Zeit zum sogenannten Ländchen gehörte und schon seit Jahrhunderten überwiegend protestantisch sei. Die Darstellung eines Heiligen empfand man deshalb wohl als unpassend. Der Wallauer Chronist und Heimatforscher Adolf Metzler fertigte sodann selbst einen Entwurf an, der tatsächlich die Grundlage für das noch heute genutzte Wappen Wallaus bildete.