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Letzte Aktualisierung: 21.10.2020

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Hofheim zeichnet Ehrenamtliche aus

von Adolf Albus

(16.09.2020) Ehrenamtliches Engagement kann ganz unterschiedliche Gesichter haben – so wie bei den drei Hofheimer Bürgerinnen und Bürgern, die am Dienstag von Bürgermeister Christian Vogt und Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler mit Ehrennadeln der Stadt Hofheim in Bronze oder Silber ausgezeichnet wurden. Sie setzen oder setzten sich für Kunst und Kultur sowie Städtepartnerschaften ein und engagierten sich in Stadtpolitik und Vereinsleben.

Stadtverordnetenvorsteher Hegeler (2. v. li.) und Bürgermeister Vogt (2. v. re.) mit den zu Ehrenden zeigt: Renate Hofmann, Dr. Gerhard Marquordt und Hildegard Paul (v. li.)
Foto: Stadt Hofheim
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Die Ehrennadel in Silber erhielten die ehemalige Stadtverordnete und ehrenamtliche Stadträtin Renate Hofmann für ihr gemeinnütziges Engagement im kulturellen Bereich für die Stadt Hofheim und Hildegard Paul für ihr jahrelanges ehrenamtliches Wirken im Ortsverein Wallau der Bezirkslandfrauen Wiesbaden, Rheingau und Main-Taunus. Dr. Gerhard Marquordt wurde für seine Arbeit als 1. Vorsitzender des Kunstvereins Hofheim und sein Engagement für Kunst und Kultur mit der Ehrennadel in Bronze ausgezeichnet.

Die „Hürde“ für eine Auszeichnung mit einer Ehrennadel der Stadt Hofheim liegt hoch.

Für die Ehrennadel in Silber fordert die städtische Ehrungsordnung: 20 Jahre Vorsitz in einem Verein oder 10 Jahre Vorstandsmitglied mehrerer Vereine oder 40 Jahre aktive Tätigkeit in einem Verein.

Die Ehrennadel in Bronze können Bürgerinnen und Bürger erhalten, die sich mindestens 10 Jahre in besonderem Maße ehrenamtlich in sozialen, kulturellen oder ökologischen Bereichen um das Wohl der Kreisstadt Hofheim am Taunus und seiner Bürgerinnen und Bürger verdient gemacht haben.

Renate Hofmann kann auf folgende Tätigkeiten in städtischen Gremien zurückblicken:

1985 – 1989   Mitglied des Magistrats

1989 – 1993   Stadtverordnete

1989 – 1993   Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss

1989 – 1993   Mitglied der Altstadtkommission

1993 – 1996   Mitglied des Magistrats

Zusätzlich zu diesen Funktionen als Mandatsträgerin über elf Jahre hinweg engagiert sich Renate Hofmann ehrenamtlich und gemeinnützig seit vielen Jahren stark im kulturellen Bereich für Hofheim und seine Bürgerinnen und Bürger. Sie ist vielfältig aktiv:

Einer ihrer Schwerpunkte ist die Vermittlung der Stadtgeschichte. Sie versteht es für Jung und Alt sowie für Besucher und Hofheimer die richtigen Themen zu finden und sie passgenau aufzubereiten. Seit mehr als 16 Jahren führt Renate Hofmann inzwischen Stadtführungen durch und lässt die Einnahmen der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt zukommen.

Bei Fotoausstellungen zur Stadtgeschichte hat Renate Hofmann das Stadtarchiv fortlaufend ehrenamtlich unterstützt. Sie half zum Beispiel bei der zeitaufwändigen Bestimmung der Jakobi-Fotos für die Ausstellungen „Jakobi I“ und „Jakobi II“ (etwa 300 Aufnahmen) sowie beim Aufbau der Ausstellungen und Zuordnung der Beschriftungen. Bei der Hermann Jughenn-Ausstellung „Hofheim 1956“ suchte sie zu den Aufnahmen von 1956 die aktuell eventuell noch vorhandenen Häuser und hat damit die Ausstellung sinnvoll ergänzt und gleichzeitig mit dieser Gegenüberstellung für pädagogisches Begleitmaterial zur Ausstellung gesorgt. Diese Arbeit konnte sie nur aufgrund ihrer sehr guten Erkenntnisse in der Stadtentwicklung ausführen. Darüber hinaus hat sie an der Ausstellung „Die Hauptstraße“ mitgearbeitet und Zeitzeugenabende und Führungen bestritten.

Renate Hofmann ist zudem Mitbegründerin des Historischen Stammtischs, der einmal im Monat stattfindet und sich seit 2010 maßgeblich um die Beschilderung historischer Gebäude kümmert – sowohl inhaltlich als auch finanziell über Stifter. Beim Stammtisch ist jeder willkommen, der sich für Stadtgeschichte interessiert.

Nachdem der Hofheimer Geschichts- und Altertumsverein aufgelöst wurde, war Renate Hofmann Hauptinitiatorin des Historischen Arbeitskreises Hofheim, der sich im April 2018 zum ersten Mal traf und bis heute monatlich zusammenkommt.

Darüber hinaus wirkt sie in den Arbeitsgruppen „Stolpersteine“ und „Neue Dauerausstellung Stadtgeschichte“ mit.

Der Erhalt der Altstadt und deren Stadtgeschichte ist Renate Homann ein Herzensanliegen. Neben ihren eigenen Aktionen unterstützt sie Recherchen zur Stadtgeschichte und stellt ihr eigenes Material bei Anfragen immer zur Verfügung.

In der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt ist Renate Hofmann seit 1977 aktiv.

Im Förderkreis Hofheimer Städtepartnerschaften e.V. engagiert sie sich seit dem 10. März 1999 ebenfalls stark – viele Jahre als Referentin für die englische Partnerstadt Tiverton. Für Besucher aus Großbritannien führt sie Stadtführungen in Englisch durch. Über viele Jahre hinweg hat sie Gäste aus den Partnerstädten aus Chinon, Tiverton, Buccino und Pruszcz Gdański aufgenommen und die Städtepartnerschaften gelebt.

Für ihr ehrenamtliches Engagement im kommunalpolitischen und kulturellen Bereich erhielt Renate Hofmann am 5. Januar 2004 den Ehrenbrief des Landes Hessen.

Im Juli 2019 wurde Renate Hofmann zur Ehrenbürgerin der Hofheimer Partnerstadt Tiverton ernannt, da sie viele Jahre die Partnerschaft zwischen den beiden Städten unterstützt und mit Leben gefüllt hat.

Ihr vielfältiger ehrenamtlicher Einsatz über einen langen Zeitraum hinweg wird als „besonderer Verdienst“ erkannt. Dies rechtfertigt eine Verleihung der Ehrennadel in Silber.

Hildegard Paul ist seit 1974, also seit 46 Jahren, Mitglied im Ortsverein Wallau der Bezirkslandfrauen Wiesbaden, Rheingau und Main-Taunus. Seit 30 Jahren ist sie durchgängig im Vorstand des Vereins aktiv. Zunächst war sie Beisitzerin und seit mehr als 20 Jahren bis heute ist sie die 2. Vorsitzende. Darüber hinaus war Hildegard Paul von 1986 bis 2010 Beisitzerin im Bezirksvorstand der Landfrauen. Im Wallauer Ortsverein kümmert sie sich seit mehr als 20 Jahren um die Chronik des Vereins und übernimmt weitere Aufgaben wie Geburtstags- oder Krankenbesuche und auch Trauerangelegenheiten.

Der Verein der Landfrauen pflegt das gesellige Zusammensein. Neben regelmäßigen Treffen gibt es Fachvorträge, sportliche Aktivitäten, gemeinsames Kochen und Singen sowie Besichtigungs-, Lehr- und Theaterfahrten.

Ferner gehörte Hildegard Paul mehr als 20 Jahre lang dem Kirchenvorstand der evangelischen Kirche Wallau an.

Das Engagement von Hildegard Paul bei den Landfrauen über 46 Jahre hinweg und ihr ehrenamtlicher Einsatz für das Miteinander und zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hofheim rechtfertigen eine Verleihung der Ehrennadel in Silber.

Dr. Gerhard Marquordt war von 2005 bis 2018 der 1. Vorsitzende des Kunstvereins Hofheim e.V. Heute ist er als Mitglied des Arbeitskreises weiterhin ehrenamtlich für den Verein aktiv. Er trug dazu bei, dass der Verein die kulturelle Szene der Kreisstadt bereicherte. Er stärkte den Verein in seiner Rolle als Vermittler von Kultur und setzte auf ein breites Angebot von Musik über bildende Kunst, Literatur und Fotografie bis hin zu Architektur. Als Vereinsvorsitzender war es ihm ein Anliegen, dass der Kunstverein sich aktuellen sozialen Themen widmet und auf Menschen zugeht.

Der Kunstverein spielt in der regen lokalen Kulturszene eine wichtige Rolle. Er veranstaltet Vortragsabende, Lesungen und Konzerte, die in der Stadt viel Zuspruch finden. Zudem organisiert der Verein Fahrten zu wichtiger Kunst abseits der großen Städte.

Dr. Gerhard Marquordt hat sich beispielsweise dafür eingesetzt, dass im Jahr 2013 ein Bildhauersymposium in Hofheim stattfinden konnte. Hier schufen fünf Künstler aus Deutschland und Italien vier Wochen lang auf einer Wiese neben dem Rathaus fünf Steinskulpturen. Das künstlerische Ereignis wurde von den Hofheimerinnen und Hofheimern mit großem Interesse verfolgt. Dr. Gerhard Marquordt war es ein Anliegen, dass die Skulpturen in der Stadt bleiben und das Stadtbild bereichern. Eine besondere Herausforderung war die Finanzierung des Symposiums und der Kunstwerke für die Stadt. Der Kunstverein ist bei der Beschaffung der Mittel für ihren Ankauf ganz auf bürgerschaftliches Engagement angewiesen. Eine der Arbeiten, die Skulptur „Die Erfindung des Rades“ von Ulrich Hochmann, die vor dem Hofheimer Rathaus steht, hat der Kunstverein angekauft und sie der Stadt 2016 anlässlich seines 50-jährigen Bestehens geschenkt.

Zudem konnte der Kunstverein drei weitere beim Symposium entstandene Skulpturen ankaufen: „Flow“ von Michaela Biet vor dem Stadtmuseum, „Abgehakt“ von Thomas Reifferscheid am Wasserschloss und zuletzt „Towards“ von Emanuela Camacci auf dem Kellereiplatz.

Die Skulpturen sind ein attraktives Angebot, auf leichte Weise Zugang zu moderner Kunst zu finden. Ergänzt wurde das Symposium durch ein umfangreiches Programm: Vernissage, Finissage, eine Ausstellung im Stadtmuseum, Vorträge und – um besonders die Jugend einzubeziehen – Workshops für Schüler und Schülerinnen der Hofheimer Schulen und einer Frankfurter Schule für Sehbehinderte.

Mit Dr. Gerhard Marquordt als Vorsitzendem hat der Kunstverein gemeinsam mit dem Stadtmuseum die Ausstellungen erarbeitet: „Lieblingsbilder. Kunst nach 1945 aus Privatbesitz zwischen Main und Taunus“ (26.08. – 04.11.2007) und „Zwischen Abstraktion und Informel“ zum 100. Geburtstag von Siegfried Reich an der Stolpe und Günter Schulz-Ihlefeldt (14.10.2012 - 17.02.2013). Darüber hinaus veranstaltet der Kunstverein regelmäßig Vorträge im Stadtmuseum.

Dieses Engagement verdeutlicht, dass sein Interesse dem Wohl des Vereines, seiner Mitglieder und darüber hinaus den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Hofheim gilt. Der Einsatz von Dr. Gerhard Marquordt als 1. Vorsitzender des Kunstvereins Hofheim e.V. über 13 Jahre hinweg rechtfertigt eine Verleihung der Ehrennadel in Bronze.

Die Laudatio für Renate Hofmann hielt Gudrun Kemmann, die sich selbst ehrenamtlich auf kommunalpolitischem und kulturellem Gebiet engagiert. Iris Pilling, Vorsitzende der Landfrauen im Ortsverein Wallau, sprach persönliche Worte für Hildegard Paul.