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Letzte Aktualisierung: 12.07.2024

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Hochwasserschutz beginnt im Boden

Nur gesunde Böden nehmen ausreichend Wasser auf

von Norbert Dörholt

(24.06.2024) Die derzeit warmen Temperaturen lassen die vergangenen Tage der Starkniederschläge, verbunden mit extremem Hochwasser in zahlreichen Regionen Deutschlands, nicht vergessen. Denn die Intensität der Starkniederschlagsereignisse im Sommer und Winter hat auch in Deutschland seit den 1960-er Jahren deutlich zugenommen und wird wohl in den meisten Teilen Europas häufiger auftreten. "Jetzt muss gehandelt werden" fordert deshalb die Interessengemeinschaft Gesunder Boden e.V.

Foto: Interessengemeinschaft Gesunder Boden
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In einer Erklärung dazu heißt es: "Jetzt geht es in erster Linie nicht darum, Probleme zu beschreiben, sondern vielmehr konkrete Lösungen anzubieten, damit eine Hochwasserkatastrophe, die zu schweren Überschwemmungen mit großflächigen Bodenerosionen geführt hat, sich nicht in dieser Form wiederholen kann."

Starker Regen mit bis zu 200 Litern pro Quadratmeter binnen weniger Stunden zerstörte Straßen, überflutete Brücken und Häuser. Die heftigen Niederschläge verwandelten in kurzer Zeit Bäche und Flüsse in reißende Ströme, die braun gefärbt – also gesättigt mit wertvollem Mutterboden – Autos und Bäume und sogar Häuser mit sich rissen.

„Solche Extremereignisse machen deutlich, welch wichtige Rolle der Wasserkreislauf in der Natur spielt und wie wichtig dabei ein intakter, gesunder Boden ist. Denn der lebendige Boden ist das wichtigste Auffangbecken - der wie ein Schwamm funktioniert - für Niederschlagswasser und stellt die Verbindung zu Grundwasser her. Mitausschlaggebend ist dabei die Infiltrationsfähigkeit des Bodens, die im Vergleich zu schlechten Böden bei gesunden, humusreichen Böden um das mehrfache erhöht sein kann und so vor Erosionen und Ausschwemmungen schützt“, betont Franz Rösl, Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft gesunder Boden. Aber auch das Thema Landnutzungsänderung müsse erneut auf die Agenda, das Versiegeln von ca. 60 ha wertvollen Ackerbodens pro Tag in Deutschland führt ebenfalls zur Verschärfung der Hochwassergefahr.

Gesunde Böde als Wasserspeicher

Gesunde, humusreiche Böden nehmen mehr Regenwasser auf, speichern große Mengen davon und können es später den Pflanzen zurückgeben. Ausschlaggebend für das Infiltrationsvermögen des Bodens, also für die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens, ist eine wasserstabile Porenstruktur. „Es ist jetzt aller höchste Zeit, die Bodenstruktur so zu verbessern, dass das Niederschlagswasser besser aufgenommen wird und nicht mit dem Ackerboden weggespült wird“, betont Rösl.

Diesen Effekt begünstigen vor allem Pflanzen mit einem dichten und kräftigen Wurzelsystemen. Ein geeignetes Mittel sind z. B. Untersaaten mit Gräsern und Kleearten vor allem unter erosionsgefährdeten Kulturen, wie z. B. Mais, aber auch der klassische Zwischenfruchtbau hilft bei der Verbesserung der Bodenstruktur. Boden sollte immer mit Pflanzen oder Pflanzenmaterial bedeckt sein, so wird die kinetische Energie der Regentropfen abgebremst und der Boden kann nicht verschlämmen. Wachsende Pflanzen geben Fotosyntheseprodukte an das Mikrobiom im Wurzelraum ab und diese verkleben mit ihren Ausscheidungen wiederum den Boden zu wasserstabilen Krümeln. Eine derartige Bodenstruktur kann, wenn es der Unterboden zulässt, mehr als 100l Wasser pro Stunde und Quadratmeter aufnehmen. Verbesserter Bodenschutz und eine gesunde Bodenstruktur beugen auf diese Weise dem Hochwasserschutz vor.

Technischer Hochwasserschutz greift zu kurz

Viel Geld wird investiert, um Dämme und Rückhalte-Polder zu bauen, die vor Überschwemmungen schützen sollen oder um technisch aufwendige Abflussregulierung zu betreiben. Solche Maßnahmen lenken zwar das Wasser, bekämpfen aber nicht die Ursachen der Hochwassererstehung. Sie sind auch kein Mittel zur Erosionsbekämpfung und in dem das dringend benötigte Wasser abgeleitet wird, haben die Nutzpflanzen auf den Flächen auch nichts davon.

Daher müsse eine moderne Landwirtschaft die Bodenbiologie deutlich mehr in den Fokus einer nachhaltigen Bewirtschaftung rücken, d.h. ein aufmerksamer Umgang mit unseren Böden ist gerade auch für den Hochwasserschutz dringend notwendig.