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Letzte Aktualisierung: 28.09.2021

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Hochsommer endet ohne weitere Erschütterungen des Arbeitsmarktes

von Ilse Romahn

(01.09.2021) Ungeachtet der im August noch andauernden Ferienzeit ist die Arbeitslosigkeit in Frankfurt am Main nach einem kurzen saisonal bedingten Anstieg im Juli wieder etwas zurückgegangen. Die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen ist weiter im Aufwind. Wie bereits vor der Pandemie gewinnt das Thema Fachkräftebedarf für die Wirtschaft weiter an Bedeutung.

Die Arbeitslosenzahl in Frankfurt am Main ist im August etwas zurückgegangen. Insgesamt waren 28.419 Menschen in Frankfurt am Main arbeitslos gemeldet. Das waren 108 Menschen weniger als im Juli (-0,4 Prozent). Im Vergleich zu August 2020, dem fünften Gesamtmonat, in dem sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt zeigten, waren insgesamt 3.741 Menschen weniger von Arbeitslosigkeit betroffen (-11,6 Prozent). 

Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Prozentpunkte auf 6,6 Prozent und damit wieder auf den Juni-Wert zurück. Im Juli hatte es eine leichte saisonal bedingte Erhöhung gegeben. Damit hielt sich die Arbeitslosenquote in Frankfurt am Main im August 2021 den vierten Monat in Folge wieder unter der 7 Prozent Marke. Gegenüber August 2020, als mit 7,7 Prozent der höchste Wert seit Pandemiebeginn erreicht wurde, ist dies ein Minus von 1,1 Prozent. 

„Gemessen an den Ereignissen des letzten Jahres, hat der Frankfurter Arbeitsmarkt in diesem Sommer wieder zunehmend Stabilität bewiesen“, bewertet Stephanie Krömer, Leiterin der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main, die aktuelle Situation. „Während die Arbeitslosenzahl vor genau einem Jahr ihren Pandemie-bedingt höchsten Stand erreichte, konnte der Trend in diesem Jahr wieder durchbrochen werden, obwohl wir uns auch weiterhin jenseits der von uns gewohnten Normalität bewegen. Dass die Uhren während der Sommerferien anders ticken und die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt dämpfen ist bekannt und macht sich unter anderem durch weniger Neueinstellungen bei den Unternehmen und einer größeren Zahl junger Menschen bemerkbar, die nach Abschluss ihrer Ausbildung eine neue Anstellung suchen. Nehmen wir alle diese Faktoren zusammen zeichnet sich aktuell ein durchaus konstantes Lagebild, das keinen weiteren Erschütterungen ausgesetzt war. Dennoch und aus gutem Grund sehen viele Branchen dem Herbst mit Sorge entgegen, besonders diejenigen, die nach wie vor nur mit großen Einschränkungen ihrem Tagesgeschäft nachgehen können. Dass die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen gleichzeitig weiter im Aufwind ist, steht dazu nicht im Widerspruch, sondern zeigt, dass der seit Jahren steigende Bedarf an Fachkräften auch von der Pandemie nicht längerfristig aufgehalten werden kann. Für Menschen ohne berufliche Qualifikationen ist die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen auch weiterhin geringer. Daraus ergibt sich, dass eine unserer dringendsten Aufgaben darin besteht, Berufsabschlüsse und Qualifizierungen voranzutreiben und zu fördern.“ 

Die Entwicklung in Frankfurt am Main seit Beginn der Corona-Pandemie
Nachdem die Arbeitslosigkeit durch den ersten Lockdown fünf Monate in Folge nach oben schnellte, ging sie von September bis einschließlich Dezember 2020 wieder etwas zurück. Im Januar 2021 folgte ein jahrestypischer Anstieg. Von Februar bis einschließlich Juni war die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen wieder rückläufig, bevor diese Entwicklung im Juli durch einen erneuten saisonalen Anstieg unterbrochen wurde. Nun setzte sich diese Entwicklung im August wieder fort.

Obwohl sich die Lage auf dem Frankfurter Arbeitsmarkt zunehmen stabilisieren konnte, sind weiterhin mehr Menschen in Frankfurt am Main von Arbeitslosigkeit betroffen als vor Beginn der Pandemie, deren Auswirkungen sich statistisch erstmals im April 2020 abbilden ließen und zu einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosenzahl führten. Seit April 2021 belegen die aktuellen Vorjahresvergleichswerte nicht mehr den Bruch zur ursprünglich Arbeitsmarktentwicklung in Frankfurt am Main, sondern zeigen den Verlauf seit Ausbruch der Pandemie auf.   

Der leichte Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat zeigte sich nicht bei allen Personengruppen. Während die Arbeitslosenzahl bei Männern, bei Menschen ab 50 Jahren und Menschen ohne deutschen Pass wieder abnahm, blieb der bereits seit Juli sichtbare leichte Anstieg bei jungen Menschen unter 25 Jahren (+210 oder +8,9 Prozent), bei Frauen (+148 oder +1,1 Prozent) sowie bei von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffenen (+36 oder +0,3 Prozent) noch bestehen.Gegenüber dem Vorjahr war die Arbeitslosigkeit mit Ausnahme derjenigen, die bereits ein Jahr und länger arbeitslos waren, bei allen Personengruppen rückläufig. Bei dieser Personengruppe zeigte sich weiterhin ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 3.080 oder +41,0 Prozent. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Arbeitslosen lag im August 2021 bei 37,3 Prozent.

Bei der Betrachtung der einzelnen Rechtskreise kann eine unterschiedliche Entwicklung der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat beobachtet werden: Während die Arbeitslosenzahl in der Arbeitslosenversicherung (SGB III), die in der Zuständigkeit der Agentur für Arbeit Frankfurt liegt, abnahm (-473 Personen oder -4,5 Prozent), nahm sie in der Grundsicherung (SGB II), für die das Jobcenter Frankfurt am Main verantwortlich ist, etwas zu (+365 Menschen oder +2,0 Prozent).

„Dass etwa 1.000 Familien oder Haushalte weniger unsere finanzielle Unterstützung in Anspruch nehmen müssen als im ersten Sommer der Pandemie zeigt, dass ein Teil der Betroffenen wieder in eine wirtschaftliche Stabilität zurückfinden konnte“, sagt Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenters Frankfurt am Main. „Allerdings gibt es viele Menschen, die ihre Arbeitslosigkeit seit einem Jahr und mehr nicht beenden konnten und deshalb zunehmend auf die Leistungen des Jobcenters Frankfurt am Main angewiesen sind. Hier können auch mangelnde Schul- und Berufsabschlüsse der Grund sein. Deshalb möchten wir mit entsprechenden Angeboten erreichen, dass diese Menschen wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können.“

Arbeitskräftebedarf zieht weiter an
Im August 2021 gingen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main 1.701 neue Stellenmeldungen der Unternehmen ein. Das waren 343 Stellen weniger (-16,8 Prozent) als im Juli und wieder 465 offene Arbeitsstellen mehr (+37,6 Prozent) als vor einem Jahr.
Der Stellenbestand belief sich auf 7.233 Angebote. Das waren 176 Stellen mehr als im Juli (+2,5 Prozent) und 820 Stellen mehr als im August 2020 (+12,8 Prozent). 

Die meisten offenen Stellen (Bestand) gab es für Berufe in der Lagerwirtschaft, Berufe in der Informatik, für Berufe im Verkauf, für Büro- und Sekretariatskräfte, für Berufe in der Kinderbetreuung und -erziehung, für medizinische Fachangestellte, für Berufe im Gastronomieservice sowie für Berufe im Objekt-, Werte- und Personenschutz. Die meisten neuen Stellenzugänge im August kamen aus den Bereichen Informatik, Büro und Sekretariat, der kaufmännischen und technischen Betriebswirtschaft, der Lagerwirtschaft und dem Gastronomieservice.

Der Frankfurter Ausbildungsmarkt im August 
Von Oktober 2020 bis einschließlich August 2021 meldeten sich bislang 3.550 Bewerberinnen und Bewerber bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main, die sich für eine Ausbildungsstelle interessieren. Das waren 141 weniger (-3,8 Prozent) als vor einem Jahr. Im gleichen Zeitraum meldeten die Betriebe 3.559 Ausbildungsstellen, 99 weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (-2,7 Prozent). Rein rechnerisch ergibt dies eine Relation von 1,00 Berufsausbildungsstellen je Bewerberin und Bewerber.
Aktuell sind 1.152 dieser jungen Menschen noch auf der Suche nach einer passenden Ausbildungsstelle, etwa so viele, wie im Vorjahr (7 Personen weniger oder -0,6 Prozent). Dem gegenüber stehen noch 1.067 offene Ausbildungsstellen. Das sind 176 weniger (-14,2 Prozent) als vor einem Jahr.

„Auch während der Sommerferien haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, um junge Menschen direkt oder über ihre Familien und Bekannten zu erreichen und ihr Interesse an den Themen Ausbildung, Studium und Beruf zu wecken“, betont Stephanie Krömer. „Ich hoffe sehr, dass uns die Infektionslage im angebrochenen Schuljahr erlaubt, wieder durchgehend mit unseren Berufsberaterinnen und Berufsberatern vor Ort an den Schulen zu sein. Selbstverständlich werden wir auch unsere digitalen und telefonischen Angebote aufrechterhalten. Welcher Kanal auch immer gewählt wird, ich möchte wiederholt an alle jungen Menschen appellieren, unsere Hilfe bei Bedarf in Anspruch zu nehmen und das Thema Zukunft nicht auf die leichte Schulter zu nehmen oder - schlimmer - aus Angst und Verunsicherung zu verdrängen. Traut euch, auch in diesem Jahr ist noch einiges drin.“

Aktueller Stand zum Thema Kurzarbeit in Frankfurt am Main
Seit Ausbruch der Corona-Pandemie konnten viele Betriebe ihre Beschäftigten mit Hilfe des Kurzarbeitergeldes halten. Die Entwicklung seit Beginn der Pandemie: Nach vierstelligen Spitzenwerten von Mitte März bis Mai 2020 ging die Zahl der Unternehmen, die Kurzarbeit anzeigten, zunächst wieder zurück. Der zweite Lockdown ab November 2020 ließ die Anzeigen der Unternehmen, die neu oder erneut Kurzarbeit anmelden mussten, bis einschließlich Januar erneut ansteigen.  Seitdem sind die Anzeigen wieder rückläufig, eine Entwicklung, die sich auch im August weiter fortsetzte. Nach vorläufigen Erhebungen zeigten im August 14 Betriebe neu oder erneut Kurzarbeit an. Im Juli waren es 30.

Wie viele Betriebe tatsächlich kurzgearbeitet haben, kann rückwirkend nach drei Monaten ausgewiesen werden, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitfensters ihre Abrechnungslisten einreichen können. Aktuelle Hochrechnung für tatsächlich realisierte Kurzarbeit liegen jetzt für die Monate März 2020 bis April 2021 vor. Die Entwicklung der letzten drei Monate: Demnach waren im Februar 5.077 Betriebe mit 92.413 Beschäftigten, im März 4.598 Betriebe mit 88.322 Beschäftigten und im April 4.449 Betriebe mit 83.463 Beschäftigten betroffen.