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Hilbig und Heisig: Museum Giersch mit neuer Ausstellung

Anlässlich des 85. Geburtstags von Wolfgang Hilbig zeigt die Ausstellung „Einst war ich älter“ die mehr als drei Jahrzehnte währende künstlerische Auseinandersetzung Johannes Heisigs mit dem Werk des Schriftstellers.

Im Zentrum stehen elf neue Arbeiten, die 2026 entstanden sind und erstmals präsentiert werden. Wolfgang Hilbig (1941–2007) und Johannes Heisig (*1953) gehören unterschiedlichen Generationen an und haben die DDR aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt. Dennoch gibt es eine starke Verbindung zwischen ihren Arbeiten: Themen wie Herkunft, Identität und Erinnerung sowie die Brüche deutscher Geschichte werden bei Hilbig zu Literatur, bei Heisig zu Bildern. Dabei illustriert Heisig Hilbigs Texte nicht. Er liest sie, nimmt Motive und Stimmungen auf und entwickelt daraus eine eigene, expressive Bildsprache. Literatur und Malerei begegnen sich auf Augenhöhe.

Eine künstlerische Begegnung über drei Jahrzehnte

Heisigs Auseinandersetzung mit Hilbig begann in den 1990er-Jahren. In der Serie „Abfahrt“ von 1995 wird das Zugfenster zum zentralen Motiv – als Bild für Distanz und Begrenzung, aber ebenso für Bewegung und Aufbruch. 2020/21 setzte sich Heisig in „Bilder vom Erzählen“ insbesondere mit Wolfgang Hilbigs Roman „Ich“ auseinander. Der Roman thematisiert die Zerrissenheit des Ich-Erzählers M. W., eines Schriftstellers, der unter dem Decknamen „Cambert“ zugleich als Informant für die Staatssicherheit tätig ist. Im Zentrum stehen Fragen nach Identität, Schuld und Selbstwahrnehmung sowie die Folgen von Überwachung, Anpassung und persönlicher Verstrickung für das eigene Ich.

Nun führt Heisig diesen Dialog weiter. Die elf neuen Arbeiten der Serie „Einst war ich älter“ von 2026 wenden sich erneut Hilbigs Gedichten und Prosatexten zu, mit einem besonderen Schwerpunkt auf seiner Lyrik. Zeichnung und Malerei verschränken sich; Farbflächen werden überarbeitet, abgekratzt und wieder freigelegt. Grau-, Braun- und Schwarztöne erinnern an Kohle, Ruß und Asche, während einzelne Farben und goldene Akzente aus den dunklen Bildräumen hervortreten.

Der Titel der Ausstellung, „Einst war ich älter“, geht auf eine Zeile aus Wolfgang Hilbigs Gedicht „das meer in sachsen“ zurück. Das Zitat ist zugleich Titel eines Blattes und der neuen Werkserie Heisigs. Zu dieser Serie gehören weitere Arbeiten, in denen sich Heisig auf verschiedene Texte Hilbigs bezieht, darunter „laßt mich in kalte fremden gehen“, „Increatum (ich schrieb, ich schrieb)“, „episode“ und „käfig der unsterblichkeit“. Vier Blätter der Serie setzen sich zudem mit Hilbigs Erzählung „Alte Abdeckerei“ auseinander. Die Ausstellung zeigt damit kein illustriertes Hilbig-Panorama, sondern einen eigenständigen Dialog über Erinnerung und Vergänglichkeit, Arbeit und Herkunft, Geschichte und Gegenwart.