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Letzte Aktualisierung: 26.10.2020

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Hessische Filmförderung für 23 Film- und Serienprojekte

Jury entscheidet über insgesamt 1,2 Millionen Euro Förderung

von Ilse Romahn

(05.10.2020) Neun Filmproduktionen und 14 Projekte in der Vorbereitung, Drehbuch-, Postproduktions- und Verleihförderung erhalten in der aktuellen Förderrunde der hessischen Filmförderung insgesamt gut 1,2 Millionen Euro. Das hat die Jury der HessenFilm und Medien GmbH – unter dem Vorsitz von Geschäftsführerin Anna Schoeppe – entschieden.

„Mit dieser Runde fördern wir erneut eine große Bandbreite spannender Geschichten und Charaktere“, so Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Zum Beispiel freue ich mich auf Lotte Grimm, die Schwester der Brüder Grimm in ,Lotte und die fabelhaften Grimms' oder den cholerischen Wachmann Kahn in der Comedy-Webserie ,Secürity‘. Diese kreativen Projekte haben das Potential, ein breites Publikum für sich zu gewinnen. Durch die Verleihförderung stehen unter anderem zwei Perlen in den Startlöchern – ,Toubab‘ und ,Coup‘: Beide bieten unkonventionelle Erzählstrukturen, innovative Ideen und die Fokussierung auf komplexe Dialoge abseits vom Mainstream. Außerdem erwarten uns berührende Drehbücher und Dokumentarfilmstoffe wie ,Mich haben sie vergessen' über die Holocaust-Überlebende Eva Erben. Sie versprechen uns anspruchsvolle und relevante Erzählungen, die wir in dieser Zeit mehr brauchen denn je.“ 

„Ich freue mich auch in dieser Förderrunde in allen Sparten über die hohe Qualität und Vielfalt der eingereichten Stoffe, die die gute Entwicklung unseres Standorts widerspiegeln“, sagt HessenFilm-Geschäftsführerin Anna Schoeppe. „Wir fördern starken Nachwuchs wie Behrooz Karamizade mit der Living Pictures Production in Kassel, Naomi Kantor mit ihrem deutsch-israelischen Road Movie ‚Nowhere better than this place‘ und Florian Dietrich, der im kommenden Frühjahr mit ‚Toubab‘ im Kino startet. Mit dieser Förderrunde war es uns außerdem besonders wichtig, positive Signale an die unterschiedlichen Bereiche der hessischen Filmbranche für die nächsten Monate zu senden.“ 

In der Produktionsförderung fließen 10.000 Euro an einen Animationsfilm („Rohrdommel & Wiedehopf“), insgesamt 30.000 Euro an zwei Kurzfilme („Zelle 5“ und „Fredda Meyer“), 90.000 Euro an zwei Dokumentarfilme („Taking up Serpents“ und „Beatrice Manowski“) sowie 20.000 Euro an einen Experimentalfilm („Kubees“). Ebenso entschied die Jury unter Vorsitz der HessenFilm-Geschäftsführerin Anna Schoeppe Förderung für drei Spielfilme: Die Kasseler Produktionsfirma Living Pictures Production (LPP) verfilmt das Debüt des Nachwuchsregisseurs Behrooz Karamizade. Das Drama „Leere Netze“ wird mit der Höchstsumme der Fördersitzung in Höhe von 350.000 Euro unterstützt. Das Debüt ist das erste Langfilmprojekt, das aus einer Talent-Paketförderung der HessenFilm hervorgeht, und wird in Koproduktion mit Basis Berlin („Of Fathers and Sons“) entstehen. Die LPP zählt zu den aufstrebenden hessischen Filmproduktionsfirmen und hat für „Leere Netze“ auch bereits den Weltvertrieb Syndicado Film Sales gewonnen, der den Film einem internationalen Publikum zugänglich machen wird. Gedreht werden soll das Drama in Iran: Behrooz Karamizade erzählt darin die Geschichte des jungen Iraners Amir, der sich in die gewalttätigen Machenschaften der Kaviar-Mafia verstrickt, um das Brautgeld für die Hochzeit mit seiner großen Liebe zu verdienen. 

Die Frankfurter Neopol Film erhält mit 290.000 Euro die zweithöchste Fördersumme für „Ach du Scheiße“. Der schwarzhumorige Debütfilm und Convined-Space Thriller von Lukas Rinker, dessen Handlung vollständig in einem Dixie-Klo spielt, soll Anfang des kommenden Jahres in Frankfurt gedreht werden. 

Die Grundlage des dritten Spielfilmprojekts „Mutter“ (125.000 Euro) ist dokumentarischer Natur. Regisseurin Carolin Schmitz sammelt darin Zeugnisse von sechs Frauen zwischen 40 und 75 Jahren, die zu ihrem Leben und Muttersein befragt wurden. Für die filmische Umsetzung werden diese Dokumente nicht unmittelbar, sondern mithilfe einer fiktiven Figur präsentiert, deren Rolle mit Anke Engelke prominent besetzt ist. 

Ebenfalls Produktionsförderung erhält der Dokumentarfilm „Taking Up Serpents“ des Offenbacher Filmemachers Matthias Lawetzky, der mit seinem Abschlussfilm Appalachian Holler 2018 den Hochschulpreis beim Hessischen Film- und Kinopreis gewann. Mit 60.000 Euro von der HessenFilm wird er nun an seinen Abschlussfilm anknüpfen und einen abendfüllenden Dokumentarfilm über die entlegene Region der Appalachen in Nordamerika produzieren. 

Zudem erhält die Nachwuchsautorin Alina Gallardo Leon 15.000 Euro in der Drehbuchförderung. Ihr Buch „Die Mörderin und der Mörder“ entwickelte sie im Jahr 2019 im HessenFilm-Seminar „Drehbuch in 23 Tagen“. Darin erzählt sie von der erfolgreichen Thriller-Autorin Elise, die sich in die schwedische Einsamkeit zurückzieht, um ihr neues Buch zu vollenden. Doch mit dem Fund einer nackten Frauenleiche wird die scheinbare Idylle von einer grausamen Mordserie durchbrochen. Als sie Liebesbriefe des Mörders erhält, wird sie immer weiter in die Geschehnisse verwickelt und zweifelt bald an ihrer eigenen Unschuld. 

Im Bereich Postproduktion erhält das Dokumentarfilmprojekt „Oskar Fischinger – Musik für die Augen“ 25.000 Euro. Der international anerkannte Trickfilmpionier Oskar Fischinger gilt als Wegbereiter visueller Musik. Der Film gibt Einblick in das Leben und Schaffen des im Jahre 1900 im hessischen Gelnhausen geborenen Künstler, der für internationale Produktionsfirmen wie Paramount Pictures, Metro-Goldwyn-Meyer (MGM) und Walt Disney Studios tätig war. Die Postproduktion übernimmt ACHT Frankfurt. 

In der Verleih-Förderung fließen insgesamt über 90.000 Euro. Fünf Filme bereiten sich damit auf die große Leinwand vor, darunter auch „Toubab“ (früher: „Homies“). Das Langfilm-Debüt des aus Wiesbaden stammenden Regisseurs Florian Dietrich wurde im Sommer 2019 in Südhessen gedreht und von Schiwago Film produziert. „Toubab“ ist eine Koproduktion mit ZDF - Das kleine Fernsehspiel und Arte. Der Camino Filmverleih bringt die Komödie über zwei Vorstadt-Gangster mit Hilfe der Verleihförderung in Höhe von 30.000 Euro im Frühjahr 2021 ins Kino. So wie der Dokumentarfilm „Wer wir waren“ von Marc Bauder, der ebenfalls Verleihförderung erhält, wurde „Toubab“ bereits in der Produktionsförderung durch die HessenFilm unterstützt. Neben „Coup“ (14.500 Euro), einer Komödie mit Spiel-, Doku- und Animationsfilmelementen, lief „Toubab“ im September im Programm der renommierten Filmkunstmesse Leipzig.

Mehr Informationen unter: www.hessenfilm.de