Nachrichten

Hessens Wohnungsbau stockt

Frankfurt zeigt, wie groß die Lücke wirklich ist. HIer besteht ein Bedarf von jährlich rund 7.000 neuer Wohnungen, geschafft werden aber meist nur die Hälfte.

Hessen steckt tief in der Wohnungskrise – das zeigt der beigefügte FAZ‑Artikel mit großer Klarheit. Axel Tausendpfund, Vorstand des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, spricht von einer Entwicklung, die sich „noch verschärfen“ werde. 2025 wurden im Land nur 15.542 Wohnungen fertiggestellt, ein Rückgang von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Benötigt würden jedoch jährlich rund 26.000 neue Wohnungen, um den Bedarf bis 2030 zu decken. Für 2026 prognostiziert der Verband sogar nur noch etwa 12.700 neue Wohnungen – ein dramatisches Minus, das die Lage weiter verschärft.

Die Ursachen sind klar benannt: explodierende Baukosten, stagnierende Förderprogramme und eine Mietpreisbremse, die laut Verband einen „Lock‑in‑Effekt“ erzeugt. Wer eine günstige Bestandsmiete hat, zieht nicht mehr um – selbst dann nicht, wenn die neue Wohnung kleiner wäre. Die Baukosten sind seit 2019 um mehr als 50 Prozent gestiegen, während die Nettokaltmieten im Bestand nur um 12,6 Prozent zugelegt haben. Neubau lohnt sich kaum noch.

Die Investitionen der Wohnungswirtschaft spiegeln das wider. Von 1,53 Milliarden Euro flossen 995 Millionen in den Bestand, aber nur 529 Millionen in Neubau. 2020 waren es noch mehr als 800 Millionen Euro für neue Wohnungen. Die Lage ist festgefahren.

Frankfurt steht im Zentrum dieser Entwicklung – und die Dimensionen sind größer als im Landesdurchschnitt. Die Stadt geht seit Jahren davon aus, dass jährlich mindestens 7.000 neue Wohnungen entstehen müssten, um den Bedarf zu decken. Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren meist zwischen 3.000 und 4.000 Wohnungen fertiggestellt. Das bedeutet: Frankfurt verfehlt sein Ziel regelmäßig um rund 3.000 bis 4.000 Wohnungen pro Jahr. Die Folge sind steigende Mieten und ein Markt, der sich zunehmend nur für Besserverdienende öffnet. Während die durchschnittliche Miete der hessischen VdW‑Mitglieder bei 8,11 Euro pro Quadratmeter liegt, beträgt die Durchschnittsmiete in Frankfurt inzwischen über 14 Euro – bei Neubauten oft deutlich mehr.

Die strukturellen Ursachen reichen tief. Hessen kommt 2026 nur auf ein Genehmigungswachstum von 3,7 Prozent – viel zu wenig, um die Lücke zu schließen. Die Expertenkommission schlägt vor, 600 Seiten technischer Baubestimmungen für drei Jahre auszusetzen, sofern sie nicht sicherheitsrelevant sind. Ein Versuch, den Bau zu entlasten. Doch selbst wenn Genehmigungen steigen, wirkt sich das erst in zwei bis drei Jahren aus.

Am Ende bleibt ein ernüchterndes Bild: Hessen steckt tief in der Wohnungskrise – und Frankfurt zeigt, wie groß die Lücke wirklich ist. Die Zahlen belegen, dass die Politik zwar reagiert, aber die strukturellen Probleme bleiben: hohe Kosten, zu wenig Genehmigungen, zu wenig Neubau. Für Frankfurt bedeutet das: Die Stadt wird auch in den kommenden Jahren nicht genug bauen können, um den Bedarf zu decken. Die Folge sind steigende Mieten, ein angespannter Markt und ein wachsender Druck auf Haushalte mit mittleren Einkommen.

Die Entwicklung der Baugenehmigungen der vergangenen fünf Jahre in Hessen zeigt: 2022: rund 12.800 Genehmigungen 2023: rund 11.900 Genehmigungen 2024: rund 10.500 Genehmigungen 2025: rund 7.700 Genehmigungen 2026: 8.025 Genehmigungen (erstes Halbjahr, hochgerechnet leicht über Vorjahr).

Der Trend ist seit Jahren rückläufig – und die leichte Erholung 2026 reicht nicht aus, um die Krise zu entschärfen.