Hessen setzt auf Schulen im Kampf gegen Rechtsextremismus
Hessen verschärft seinen Kurs gegen Rechtsextremismus und rückt dabei die Schulen stärker denn je in den Mittelpunkt. Bei einer Veranstaltung im Staatlichen Schulamt in Frankfurt haben Innenminister Roman Poseck und Kultusminister Armin Schwarz die hessische Präventionsstrategie vorgestellt, die inzwischen bundesweit Beachtung findet. Ziel ist es, junge Menschen frühzeitig gegen extremistische Ideologien zu stärken – insbesondere angesichts wachsender Bedrohungen durch rechtsextreme Straftaten und digital verbreitete Propaganda.
Foto: HMdI – Frank Zinn
Frankfurt spielt dabei eine Schlüsselrolle. Die Stadt steht exemplarisch für den vernetzten Ansatz des Landes, bei dem Sicherheitsbehörden, Schulverwaltung und pädagogische Fachkräfte eng zusammenarbeiten. Extremismusprävention wird nicht isoliert verstanden, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die im Klassenzimmer beginnt und weit darüber hinaus wirkt. Zwar liegt der aktuelle Fokus auf Rechtsextremismus, perspektivisch sollen jedoch auch Linksextremismus, Islamismus und Antisemitismus stärker in die schulischen Workshopformate einbezogen werden.
Auslöser für den verstärkten Einsatz sind unter anderem die jüngsten Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik, die einen neuen Höchststand rechtsextrem motivierter Straftaten in Hessen ausweisen. Gleichzeitig beobachten die Sicherheitsbehörden, dass extremistische Akteure ihre Strategien verändert haben: Radikalisierung findet zunehmend über soziale Medien statt, oft niedrigschwellig, emotional aufgeladen und schwer erkennbar. Gerade junge Menschen geraten so frühzeitig in den Fokus extremistischer Einflussnahme.
Innenminister Roman Poseck betonte in Frankfurt die Bedeutung politischer Bildung und klarer Wertevermittlung an Schulen. „Demokratie braucht Haltung. Wir wollen junge Menschen befähigen, sich eine eigene Meinung zu bilden, Argumente kritisch zu prüfen und für unsere Werte einzustehen“, sagte Poseck. Die beste Verteidigung der Demokratie beginne früh – und zwar dort, wo junge Menschen täglich lernen und diskutieren.
Ein zentraler Baustein der Strategie ist der Ausbau der Präventionsarbeit durch das Landesamt für Verfassungsschutz. Die Zahl der Präventionstermine an Schulen wurde deutlich erhöht, ergänzt durch einen sogenannten Multiplikatorenansatz: Lehrkräfte werden gezielt fortgebildet, um ihr Wissen an Kollegien und Schülerinnen und Schüler weiterzugeben. Erste Pilotprojekte, auch im Raum Frankfurt, gelten als erfolgreich und sollen nun landesweit ausgerollt werden.
Kultusminister Armin Schwarz unterstrich die besondere Verantwortung der Schulen in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft. „Wenn Lehrkräfte als Vorbilder für unsere demokratischen Grundwerte einstehen und mit den Schülern im Gespräch bleiben, schaffen sie Räume des Vertrauens und Nachdenkens. Genau dort beginnt wirksame Prävention“, erklärte Schwarz. Schulen seien nicht nur Orte der Wissensvermittlung, sondern auch Räume, in denen Demokratie konkret erlebt werde.
Mit dem Frankfurter Termin macht Hessen deutlich, dass der Kampf gegen Extremismus langfristig angelegt ist. Durch frühe Prävention, starke Netzwerke und eine konsequente Stärkung der politischen Bildung will das Land ein Zeichen setzen – über die Landesgrenzen hinaus.
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