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Hessen bildet Dialogtrainer aus – Impulse auch für Frankfurt

Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung setzt das Land Hessen auf mehr Gesprächsbereitschaft und demokratische Streitkultur. In Wiesbaden ist jetzt das von der Landesregierung geförderte Projekt „Dialogtrainerinnen und -trainer für Hessen“ gestartet. Ziel ist es, Menschen auszubilden, die andere dabei unterstützen, auch bei kontroversen politischen und gesellschaftlichen Themen im respektvollen Austausch zu bleiben – ein Ansatz, der gerade in einer vielfältigen Metropolregion wie Frankfurt am Main besondere Bedeutung hat.

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vlnr: Frank Labitzke, Berivan Şekerci, Heike Hofmann, Mo Asumang
Foto: HMSI

„Wir setzen mit der Förderung dieser Maßnahme ein klares Zeichen für Akzeptanz, Respekt und Demokratie“, erklärte Sozialministerin Heike Hofmann beim Projektauftakt. Gemeinsam mit der hessischen Antidiskriminierungsbeauftragten Berivan Şekerci betonte sie die Notwendigkeit, Dialogfähigkeit im Alltag zu stärken. Die ausgebildeten Trainerinnen und Trainer sollen Menschen befähigen, auch über unterschiedliche Haltungen hinweg miteinander im Gespräch zu bleiben.

Zwölf Teilnehmer aus ganz Hessen nehmen derzeit an der Ausbildung teil. Sie sollen im Anschluss als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wirken und Workshops sowie Dialogformate anbieten. Das Ziel: Weitere Bürgerinnen und Bürger zu sogenannten Dialogbotschafterinnen und -botschaftern auszubilden, die einen respektvollen Austausch über gesellschaftliche und politische Fragen fördern. Gerade in urbanen Räumen wie Frankfurt, wo unterschiedliche Lebensrealitäten, Kulturen und politische Sichtweisen aufeinandertreffen, können solche Formate wichtige Impulse für den gesellschaftlichen Zusammenhalt liefern.

Auch Antidiskriminierungsbeauftragte Berivan Şekerci hob die Aktualität des Projekts hervor. „Wir sehen, dass sich Debatten verhärten und Sprache aggressiver wird. Umso wichtiger sind Maßnahmen, die den demokratischen Dialog gezielt stärken“, sagte sie. Mit der Ausbildung entstehe ein landesweites Netzwerk von Fachkräften, das sich für Respekt, Demokratie und gegen Diskriminierung einsetzt – auch dort, wo gesellschaftliche Spannungen besonders sichtbar sind, etwa im öffentlichen Raum großer Städte.

Umgesetzt wird das Projekt vom Verein mo:lab e.V.. Die fachliche Leitung übernehmen die Journalistin und Filmemacherin Prof. Mo Asumang, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, sowie der Konflikttrainer und Coach Frank Labitzke. In praxisnahen Trainings bereiten sie die Teilnehmer auf Workshops, Dialogveranstaltungen und Gespräche im öffentlichen Raum vor. „Dialogtrainerinnen und -trainer können Brücken bauen und Menschen den Weg eröffnen, ohne Scham wieder näher an demokratische Positionen heranzurücken“, betonte Prof. Asumang.

Sozialministerin Hofmann sieht darin einen wichtigen Beitrag für eine lebendige Demokratie: „Die ausgebildeten Trainerinnen und Trainer ermöglichen neue Begegnungen über die Grenzen der eigenen sogenannten Bubbles hinaus und öffnen neue Diskursräume.“ Das sei für eine gesunde demokratische Kultur unverzichtbar – nicht zuletzt in Ballungszentren wie Frankfurt am Main, wo gesellschaftliche Vielfalt Alltag ist und Dialog eine Schlüsselrolle spielt.

Das Projekt „Dialogtrainerinnen und -trainer für Hessen“ läuft von Januar bis Dezember 2026. In diesem Zeitraum werden hessenweit Menschen für das Dialogtraining qualifiziert. Anschließend sind Workshops zur Ausbildung weiterer Dialogbotschafterinnen und -botschafter sowie öffentliche Dialogaktionen geplant, darunter die Formate „Motzbude“ und „Mampf und Motz“. Auch im Rhein-Main-Gebiet könnten diese Angebote künftig Orte schaffen, an denen Meinungsvielfalt respektvoll ausgehandelt wird.