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Letzte Aktualisierung: 25.01.2021

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Herz-Check nach COVID-19-Infektion

Auffälligkeiten am Herzen nach überstandener Erkrankung

von Anna Reiss

(05.01.2021) Nach überstandener COVID-19-Erkrankung und dem jüngsten Herz-Check im HDZ NRW läuft bei Handballer Juri Knorr wieder alles in der Spur. Er will mit zur Weltmeisterschaft. Die Erleichterung ist ihm anzumerken, als Dr. Klaus-Peter Mellwig grünes Licht gibt. „Alle Vor- und Laboruntersuchungen waren ja okay, es gab keine Hinweise darauf, dass die Infektion Schäden an meinem Herzen verursacht haben könnte.“ Aber dann liegt man da über eine Stunde lang in der Röhre und der Kopf schaltet sich ein. Was wäre, wenn doch…

Handballer Juri Knorr und Kardiologe Dr. Klaus-Peter Mellwig vor dem MRT-Gerät im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen
Foto: Marcel Mompour
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Und natürlich wollten die Herzspezialisten am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, wie auch Trainer Frank Carstens und Frank von Behren, Geschäftsführer Sport bei Handball-Bundesligist GWD Minden, auf Nummer Sicher gehen. „Wir wissen einfach noch zu wenig über die Spätfolgen der COVID-19-Erkrankung“, sagt Sportkardiologe Dr. Klaus-Peter Mellwig, erfahrener Oberarzt der Uniklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Rudolph. Einer aktuellen Studie zufolge fanden sich nach überstandener Erkrankung bei über 70 Prozent der Untersuchten Auffälligkeiten am Herzen, bei über 60 Prozent sogar Hinweise auf eine Herzmuskelentzündung. Für Leistungssportler wie den 20-jährigen GWD-Spielmacher Juri Knorr, Nachwuchstalent im Kader der Deutschen Nationalmannschaft, würde eine solche Diagnose die rote Karte bedeuten. Aus wäre der Traum von der Handball-WM.

Aber gut. Jetzt darf weitergeträumt werden. Mit der MRT-Untersuchung seines Herzens ist man am HDZ NRW sogar noch über die entsprechenden Empfehlungen des Verbands hinausgegangen. Die Magnetresonanztomographie, die hier im Institut für Radiologie und Molekulare Bildgebung bei Prof. Dr. Wolfgang Burchert durchgeführt wurde, hat das Herz von Juri Knorr in magnetischen Wechselfeldern aufgenommen, in Schnittbildern errechnet und dreidimensional dargestellt. Das ist aufwändig und dauert leider etwas länger, nicht zuletzt, weil Juri einen Ruhepuls von nur 46 Schlägen hat.

Dr. Andreas Peterschröder begutachtet insbesondere die Herzwände und sucht nach Hinweisen auf einen akuten Infekt. Und findet in der Herzfunktion laut MRT am Ende bestätigt, was Dr. Mellwig bereits über Labor, Ultraschall, Funktions- und Leistungstest diagnostiziert hat: „Juri Knorr zeigt aktuell keine Folgeschäden nach COVID-19.“

Die Sportkardiologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW hat eine lange Tradition. Um gebündelt Erfahrungen zu den Auswirkungen der Pandemie auf den Leistungssport zu sammeln, beteiligen sich die Mediziner am Aufbau eines bundesweiten Registers, das an der Universität Tübingen in Kooperation mit dem NRW-Leistungssportzentrum über Prof. Dr. Claus Reinsberger von der Universität Paderborn erstellt wird. „Das HDZ NRW macht dabei als lizensiertes Untersuchungszentrum des Landessportbunds mit“, berichtet Dr. Mellwig.
Und Kaderathlet Juri Knorr darf Hoffnung schöpfen.

Was die Kliniken zu leisten vermögen

Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen (Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum) mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon 14.600 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Die Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Volker Rudolph ist spezialisiert auf die Behandlung der Koronaren Herzkrankheit, Herzklappenfehler, Herzmuskelerkrankungen und entzündliche Herzerkrankungen. In der Klinik werden jährlich mehr als 5.000 kathetergestützte Verfahren durchgeführt. Modernste diagnostische und bildgebende Verfahren sowie alle modernen Kathetertechniken sichern die bestmögliche und schonende medizinische Versorgung der Patienten. Die Klinik ist Europäisches und Nationales Exzellenz-Zentrum zur Bluthochdruckbehandlung, anerkanntes Brustschmerzzentrum (CPU – Chest Pain Unit) sowie als überregionales Zentrum zur Versorgung Erwachsener mit angeborenem Herzfehler (EMAH) zertifiziert.

Das Universitäts-Institut für Radiologie, Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Burchert versorgt die Patienten mit bildgebender Diagnostik. Ambulant werden im nuklearmedizinischen Bereich außerdem Tumor- und Schilddrüsenerkrankungen behandelt. Die diagnostischen Leistungen werden von einem interdisziplinären Ärzteteam mit modernsten Untersuchungsmethoden (SPECT/CT, PET/CT, MRT, Röntgen, Gammakameras) erbracht. Wichtige Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind der Strahlenschutz und die Reduktion der Strahlenexposition. Das Institut stellt seine Expertise auch anderen Kliniken zur Verfügung. In Westfalen und darüber hinaus in Norddeutschland versorgt es täglich Kliniken und Praxen mit kurzlebigen Radiopharmazeutika.