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Letzte Aktualisierung: 12.08.2020

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Herbstreise-Idee: Kulturwandern in Saale-Unstrut

von Ilse Romahn

(29.07.2020) Erholung und Kulturerlebnis gehören in Saale-Unstrut zusammen. Malerische Rad- und Wanderwege bringen Urlauber zu uralten Gemäuern, romantischen Gärten und interessanten Museen. Der Herbst ist die beste Zeit, die Region aktiv zu entdecken.

Die Rudelsburg erhebt sich auf einem Muschelkalkfelsen über der Saale
Foto: Wolfgang Kubak, Merseburg.
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Wenn Steine Geschichte erzählen: Nirgendwo auf der Welt stehen Burgen, Schlösser, Dome und Klöster so dicht wie in Saale-Unstrut. Schätze wie das UNESCO-Weltkulturerbe Naumburger Dom bringen die ferne europäische Blütezeit des Hochmittelalters zum Greifen nah. Residenzstädte entführen in die glanzvolle Epoche des Barock. So ist Wandern und Radfahren in der „Toskana des Nordens“ zwischen Leipzig und Weimar immer auch ein Stück Bildungsreise. Tourismusverband und Hotels haben passende Specials geschnürt.

Wandertipp 1: Rundweg zur Rudelsburg
Als der Literat Franz Kugler im Jahr 1826 die romantisch verfallene Rudelsburg an der Saale entdeckte, war er so von ihr angetan, dass er ihr und den anderen Burgen am Fluss ein Lied dichtete. „An der Saale hellem Strande“ ist ein bis heute beliebtes Volkslied und die Rudelsburg bei Bad Kösen eines der Top-Ausflugsziele in der Region.

Dass die Grenzanlage aus dem 11. Jahrhundert nach mehreren Zerstörungen und Jahrzehnten des Verfalls größtenteils nur noch eine Ruine ist, stört ihre Besucher nicht. Im Gegenteil, es ist gerade der morbide und geheimnisvolle Charme der Anlage sowie ihre malerische Lage hoch über dem Saaletal, der Fotografen, Hochzeitspaare, Radfahrer und Wanderer begeistert.

Die klassische Wandertour zur Rudelsburg beginnt und endet in Bad Kösen. Der knapp neun Kilometer lange Rundweg führt durch den Wald hinauf zur Burg, wo ein Burgrestaurant herzhafte regionale Küche serviert, und anschließend wieder hinab in die Stadt. Ein besonderes Erlebnis ist es, die Tour mit einem Gästeführer der Touristinformation Naumburg zu gehen. Dabei erfährt man unterwegs einige der zahlreichen unglaublichen Geschichten von prähistorischen Wildpferdjägern, reichen Kaufleuten und rauen Rittergesellen.

Tour: 9 Kilometer Beschreibung: www.saale-unstrut-tourismus.de/touren/rundweg-rudelsburg

Wandertipp 2: Rundweg zum Schloss Goseck
Dem Flussverlauf der Saale folgend, erhebt sich hinter der Domstadt Naumburg Schloss Goseck. Die mittelalterliche Burg- und Klosteranlage ist eine Station der Straße der Romanik. Highlight ist die 1053 geweihte Klosterkirche, von der noch einige Teile wie Chor und Krypta original erhalten sind. In der Reformation wurde die Anlage säkularisiert und in Schloss Goseck umbenannt. Sie ist heute Sitz des gleichnamigen Europäischen Musik- und Kulturzentrums, das in diesem eindrucksvollen Ambiente mittelalterliche Musik auf historischen Instrumenten erklingen lässt.

Eine leichte, etwa fünf Kilometer lange Wanderung beginnt am Sonnenobservatorium Goseck, einer jungsteinzeitlichen Kreisgrabenanlage und führt durch lichten Laubwald zum Schloss. Unterwegs bietet sich am Aussichtspunkt Kaiserblick ein wahrhaft kaiserliches Panorama aus Dörfern, Feldern, Fluss und der Stadt Naumburg. Im Innenhof lädt die Schlossschenke zur Einkehr ein.

Tour: 6 Kilometer Beschreibung: www.saale-unstrut-tourismus.de/touren/rundweg-um-goseck

Wandertipp 3: Rundweg zur Neuenburg
Hoch über dem Winzerstädtchen Freyburg an der Unstrut thront die mächtige Neuenburg. Die um 1090 durch den Thüringer Grafen Ludwig dem Springer gegründete Anlage ist mit 30.000 Quadratmetern umbauter Fläche eine der größten Burgen in Deutschland. Ihr Name ist eng mit der Heiligen Elisabeth von Thüringen verbunden, einer ungarischen Königstochter und Thüringer Landgräfin, die im 13. Jahrhundert aus christlicher Überzeugung auf der Neuenburg aufopferungsvoll Arme und Kranke pflegte. Die hier befindliche Doppelkapelle wurde noch zu ihren Lebzeiten vollendet und später der Heiligen geweiht.

Ein kurzer Spaziergang von drei Kilometern führt ab Freyburg Schützenplatz bergauf durch den Wald, am Weinberg vorbei zur Neuenburg. Von oben schweift der Blick über Weinberge, die Unstrut und das beschauliche Freyburg. Das Burgmuseum widmet sich der Bau-, Dynastie- und Herrschaftsgeschichte, dem Weinbau in der Region und natürlich der Heiligen Elisabeth. Die aktuelle Sonderausstellung „beschenkt. geschätzt. bewahrt.“ zeigt noch bis 16. Februar 2021 kuriose Schenkungen aus über 80 Jahren Museumsgeschichte.

Tour: 3 Kilometer Beschreibung: www.saale-unstrut-tourismus.de/touren/rundweg-neuenburg-freyburg

Radtourentipp 1: Schlösserradtour 
Die klassische Burgen-und-Schlösser-Radroute durch Saale-Unstrut ist der beliebte Saaleradweg. Doch auch weniger bekannte Pfade versprechen überraschende und erhebende Begegnungen mit dem architektonischen Erbe der Region. Zu den schönsten Unbekannten zählen die Schlösserradtour und der Zuckerbahnradweg.

Die Schlösserradtour führt Kulturradler in zwei Etappen auf 77 Kilometern in die sehenswerten Residenzstädte Zeitz, Weißenfels und Merseburg. Bereits am Startpunkt Zeitz lädt das barocke Schlossensemble der Moritzburg zum Besuch. Im Schloss erzählt das moderne Kinderwagenmuseum die vergessene Geschichte von Zeitz, der Kinderwagenhauptstadt der DDR. Gärtnerische Pracht entfaltet sich in den Außenanlagen. Geführte Gartenspaziergänge, wie „Von der Industriebrache zum Gartentraum“ am 12. September oder „Warum im Schlosspark Reben stehen“ am 20. September, gewähren spannende Einblicke in das Konzept des 2004 für die Landesgartenschau neu gestalteten Parks.

In Weißenfels lohnt sich ein Zwischenstopp im Museum Schloss Neu-Augustusburg. Die monumentale Dreiflügelanlage aus dem 17. Jahrhundert beherbergt ein Schuhmuseum mit Schuhen berühmter Persönlichkeiten. Ziel der Schlösserradtour ist Merseburg, das mit einem beeindruckenden Schlossensemble und dem Kaiserdom lockt.

Tour: 77 Kilometer Tourbeschreibung: www.saale-unstrut-tourismus.de/touren/schloesserradtour-residenzstaedte³-merseburg-weissenfels-zeitz

Radtourentipp 2: Zuckerbahnradweg
Der erst seit 2019 durchgängig befahrbare Zuckerbahnradweg zwischen Zeitz und Camburg folgt den Spuren der Kohle- und Zuckerindustrie in der Region. Auf 37 Kilometern führt die Tour entlang einer ehemaligen Bahnstrecke und verbindet dabei den Elsterradweg mit dem Saaleradweg. Wo heute Radler fast geräuschlos dahinrollen, ratterten einst die Waggons von Kohle- und Zuckerrüben-Zügen.

Im Jahr 2000 wurde nach etwa 100 Jahren der Eisenbahnverkehr hier eingestellt. Acht Jahre später begann der Umbau zum Radweg. Höhepunkt der steigungsarmen Tour ist das Schloss Droyßig, das als mittelalterliche Burganlage von Kreuzrittern im 13. Jahrhundert erbaut und im 17. Jahrhundert durch Julius von Hoym zum Wohnschloss umgebaut wurde. Besucher können in der Schlossgaststätte einkehren, durch den Schlosspark flanieren und sogar zwei Bären beim Spielen zuschauen.

Tour: 37 Kilometer  Beschreibung: www.saale-unstrut-tourismus.de/touren/zuckerbahnradweg

Arrangements für Kulturwanderer
In Saale-Unstrut wandern, Rad fahren, Kultur erleben: Der ansässige Tourismusverband hat mit den Hotels unter dem Motto „Nur einen Steinwurf entfernt“ dafür passende Arrangements geschnürt. So bietet das Weinhotel Freylich-Zahn in Freyburg an der Unstrut zu einer Übernachtung und einem Drei-Gang-Menü auch den Eintritt zu Schloss Neuenburg und in den Naumburger Dom. Das Radisson Blu lädt zum Kultururlaub in Merseburg ein, inklusive Besuch des Merseburger Doms.

Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten bietet die Webseite www.saale-unstrut-tourismus.de.