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Letzte Aktualisierung: 25.10.2021

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Helge Schneider erhält den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

von Ilse Romahn

(08.10.2021) Der große Komiker und vielseitige Künstler Helge Schneider erhält im Jahr 2022 den „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ für sein literarisches und sprachkünstlerisches Werk. Der Preis, vergeben von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel, ehrt Helge Schneider für seinen radikalen, anarchischen, grotesken, immer existenziellen Humor und die dadurch vermittelte Freiheit. Dies gab Oberbürgermeister Christian Geselle jetzt bekannt.

Helge Schneider
Foto: Helge Schneider
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Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“, gestiftet von dem Schriftstellerpaar Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner, wird seit 1985 jährlich vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und zeichnet Autoren und Autorinnen aus, deren Werk auf hohem künstlerischen Niveau von Humor, Komik und Groteske geprägt ist. Der erste Preisträger war Loriot; nach ihm wurden z.B. Ernst Jandl, Irmtraud Morgner, Herbert Achternbusch oder Sibylle Berg und zuletzt Felicitas Hoppe ausgezeichnet.

Die Preisverleihung ist für den 12. Februar 2022 im Kasseler Rathaus geplant. Die Laudatio auf Helge Schneider hält die Schriftstellerin Felicitas Hoppe, Preisträgerin des Jahres 2021.

Wer den mit 3000 Euro dotierten und auf Vorschlag von Verlagen vergebenen „Förderpreis komische Literatur“ erhält, wird im November bekannt gegeben. Die Kasseler Sparkasse unterstützt den Preis großzügig. Die Firma Hübner stiftet die Preisskulptur.

Begründung des Stiftungsrates
„Helge Schneider ist ein Gesamtkunstwerk, der Inbegriff des homo ludens: vorzüglich gerade auch in seiner literarischen und sprachkünstlerischen Dimension. Sein Humor ist radikal, anarchisch, grotesk, immer existenziell und damit die rettende Antithese zum deutschen Comedy-Betrieb. Mit faszinierender Leichtigkeit bewegt er sich zwischen den Niederungen der Hoch- und den Höhen der Subkultur, zwischen Trash und Artistik, Sinn und Unsinn. Er improvisiert mit Sprach- und Sprechweisen und pfeift dabei auf sämtliche Gattungen, um sie auf seine höchst eigene Art zu ihrer eigentlichen Blüte zu treiben – als Roman, als Krimi, als Reisebericht oder als Autobiografie. Nicht zuletzt durch seine virtuose Stimmkunst führt er sie durch sämtliche Register in neue Regionen. Mit seiner komischen Kunst vermittelt uns Helge Schneider ein Höchstmaß an Freiheit und spendet uns in einer zunehmend verstörenden Welt auf einzigartige und beglückende Weise genau das, womit wir nicht mehr gerechnet haben: TROST.“

Helge Schneider, geboren am 30. August 1955 in Mülheim an der Ruhr, ist erfolgreicher Komiker, Komponist, Musiker, Multiinstrumentalist, Entertainer, Schriftsteller, Drehbuchautor, Schauspieler, Stummfilmbegleiter, Regisseur, Zeichner, hat fünf eigene Kinder, mehrere Dazugekommene und Enkel. Er studierte zwei Semester Konzertpiano am Konservatorium Duisburg. Dann starteten bald erste Tourneen mit „Bröselmaschine“. Sehr erfolgreich waren seine Solo-Shows als „Singende Herrentorte“. Es folgten zahlreiche weitere Programme, Konzerttourneen, Filme, Theaterproduktionen, Fernsehauftritte, die nicht zuletzt von seiner Sprachkunst geprägt sind. Aktuell tourt er mit seiner Band „Die original Rübenschweine“.

Ab Ende der 1970er Jahre entfaltet Helge Schneider seine literarische Seite und zwar zunächst mit wunderbaren Nonsens-Hörspielen, die er im Keller seines Freundes Haym Hüttner produziert und dabei alle Rollen selber spricht („Sammlung Schneider: Hörbücher & Hörspiele“, 2015). Seit 1992 erscheinen viele Buch- und Hörbuchpublikationen. Populäre Textsorten werden durch den Wolf gedreht, z.B. mit den Kriminalromanen um den schrägen Kommissar Schneider (von „Zieh dich aus, du alte Hippe“, 1994, bis „Satan Loco“, 2001). Der Autor bietet eigensinnige Formen des ‚abgeschlossenen Schicksalsromans‘ („Eine Liebe im Sechsachteltakt“, 2008) und des Reiseromans („Globus Dei – Vom Nordpol bis Patagonien“, 2005) oder der Kurzerzählung („Orang Utan Klaus, Helges Geschichten“, 2015). Und wer Näheres über Helges Leben zwischen Dichtung und wahrhaftiger Wahrheit wissen will, schaut in seine beiden Autobiografien („Guten Tach, auf Wiedersehen“, 1992, „Bonbon aus Wurst. Mein Leben“, 2009) – oder in seinen Internetauftritt: https://helge-schneider.de/

Näheres zum Engagement der Literaturstiftung unter https://brueckner-kuehner.de.

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