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Letzte Aktualisierung: 05.08.2020

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Handwerk stärken

Bedarfsanalyse in Frankfurt vorgestellt

von Karl-Heinz Stier

(29.07.2020) Es war schon abzusehen, wenn Politik– und Wirtschaftsgrößen zusammenkommen und das Verhältnis von Wohnflächen und Gewerbeflächen in Frankfurt diskutieren.

Bildergalerie
Dr. Becher, Projektleiter der CIMA bei seinen Erläuterungen zur Umfrage-Analyse
Foto: Karl-Heinz Stier
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Gruppenbild der Redner(v.l.n.r.): Oliver Schwebel, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Frankfurt, Dr. Becher von der CIMA, Wirtschaftsdezernent Frank, Planungsdezernent Josef, IHK Präsident Caspar, Hauptgeschäftsführer Riess von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main
Foto: Karl-Heinz Stier
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Schließlich – so verlautete in der Debatte -  dass im gesamten Stadtgebiet noch immerhin 25 Prozent landwirtschaftlicher Fläche zur Verfügung stehen – in der Monopolregion FrankfurtRheinMain sogar 40 Prozent. Doch damit hatte das Thema nur indirekt etwas tun. Eingeladen hatte die Handwerkskammer Rhein-Main und die IHK Frankfurt (Präsident Ulrich Caspar:„Es gibt bei uns viele kleine und mittlere Betriebe, die ihrem Selbstverständnis zufolge handwerksnah sind“). Für die ist es mittlerweile schwer, in zentralen Lagen bezahlbare Gewerbeflächen zu finden oder den gestiegenen Anforderungen von Immissionsschutz und fehlende Mobilitätskonzepte zu erfüllen. Daher hatten IHK, Kammer und die Wirtschaftsförderung Frankfurt eine Bedarfsanalyse zum Thema „Handwerker/Gewerbehöfe in Frankfurt“ erstellen lassen und das CIMA Institut für Regionalwirtschaft beauftragt, Flächenbedarfe und die Bereitschaft von Firmen zur Mitarbeit zu ergründen. Befragt wurden rund 1 000  von 5 219 Betrieben. Es stellte sich in diesem Zusammenhang heraus, dass sich die Zahl der Handwerksbetriebe in Frankfurt von 2012 bis 2018 um 12 Prozent verringert habe (im Bundesgebiet um plus 12 Prozent).

Was das Thema „Handwerker/Gewerbehöfe“ angeht, kam Projektleiter Dr. Gerhard Becher zu  folgenden Empfehlungen:
Es besteht ein Bedarf nach einem solchen Angebot. Sie sollten an mehreren verkehrlich gut angebundenen Standorten errichtet werden, gut erreichbar sein und kurze Wegen für Kunden und Mitarbeiter bieten.

Die Standorte müssen für die Betriebe von den Mietkonditionen attraktiv sein und auch kleine Parzellen unter 100 qm anbieten. Außerdem sei es sinnvoll, interessierte Betriebe von Beginn an in den Planungsprozess einzubinden.

Um zu vermeiden, dass noch mehr Betriebe ihren Standort von Frankfurt aus ins Umland verlagern, sollte rasch gehandelt werden.

In der anschließenden Aussprache vertrat Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) die Auffassung, dass Betriebe, die die Stadt verlassen hätten, wieder zurückgeholt werden sollten. Außerdem müssten Gewerbeflächen sinnvoller genutzt werden, z.B. sollten Lastenaufzüge noch bis zum 3. Stock möglich sein. Büroimmobilien dürften nicht Handwerksbetrieben vorgezogen werden.

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sagte, Handwerkerhöfe sollten sowohl in Gewerbegebieten als auch im Mischgebieten fest verankert werden -  vor allem kleinere Betriebe. Wichtig sei aber ein neues Gewerbegebiet auszuweisen, das 30 Prozent Arbeitsplätze schaffe. Er könne sich Handwerkerhöfe im neuen Gebiet östlich der A 5, in Oberrad und am unteren und oberen Hafen vorstellen.

Hauptgeschäftsführer Dr. Christoph Riess von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main vertrat die Auffassung, dass eine Zusammenlegung von Wohnen und Arbeiten wichtig sei. Mit den Handwerkerhöfen könne auch gewährleistet werden, dass junge Menschen neue und eigene Existenzen aufbauen könnten. „Wir brauchen attraktive Flächen in den neuen Stadtgebieten“.

Der Frankfurter IHK-Präsident Ulrich Caspar meinte, es sollten Flächen für Handwerkerhöfe ausgewiesen werden, wo die Bebauung es zulasse. Man könne auch überlegen, Flächen in Form einer Erbbaurechtsvergabe langfristig zu vergeben, zumal die Flächenpreise in Frankfurt sehr hoch seien.

Fazit: Alle Redner halten die Handwerker/Gewerbehöfe für eine gute Einrichtung. Deshalb müsse in diese Einrichtung investiert werden, „auch wenn sie nur ein Mosaikstein im wirtschaftlichen Geschehen sein werden“ – wie Dr. Riess von der Handwerkskammer betonte.