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Letzte Aktualisierung: 16.04.2024

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Höchste Zeit für gerechte Bezahlung

von Bernd Bauschmann

(04.03.2024) 2024 ist ein Schaltjahr. Das ist der Grund, warum der Equal Pay Day in diesem Jahr am 6. März und damit einen Tag früher stattfindet als 2023. Denn der Internationale Protesttag gegen geschlechtsbedingte Lohndiskriminierung fällt immer auf das Datum, bis zu dem Frauen aufgrund ihres geringeren Verdienstes seit Jahresbeginn rechnerisch unentgeltlich gearbeitet haben.

„Die Lohnlücke, die sich zwischen dem Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen auftut, hat sich nicht verringert. Sie liegt nun schon das vierte Jahr in Folge bundesweit bei 18 Prozent“, sagt Ursula König-Schneyer, die Landesfrauenvertreterin des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen: „In Hessen waren es 2023 sogar 20 Prozent.“

Deshalb werden die VdK-Frauen auch in diesem Jahr am Equal Pay Day vielerorts unter dem Motto „Höchste Zeit für gleichen Lohn!“ gegen die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern protestieren. „Zeit ist in diesem Zusammenhang das richtige Stichwort“, erklärt Ursula König-Schneyer: „Laut Statistischem Bundesamt arbeiten in Deutschland fast 70 Prozent der Mütter mit mindestens einem Kind unter 12 Jahren in Teilzeit. Vielen bleibt keine andere Wahl, weil sie vorrangig die familiären Aufgaben und Pflichten übernehmen.“ Im Durchschnitt verwenden Frauen etwa anderthalbmal so viel Zeit auf die sogenannte Sorgearbeit wie Männer; in der Altersgruppe der 30- bis 35-Jährigen ist ihr Zeitaufwand sogar mehr als doppelt so hoch. „Das ist die Lebensphase, in der häufig die entscheidenden Weichen im Beruf gestellt werden. Während Männer dann Karriere machen, stehen Frauen unter einer permanenten Doppelbelastung und versuchen, den Anforderungen von Familie und Job gerecht zu werden.“ Mit einer Teilzeitbeschäftigung, betont die VdK-Landesfrauenvertreterin, lasse sich jedoch keine solide Altersversorgung aufbauen. Die Folge: Jede vierte Frau in Deutschland ist im Alter von Armut bedroht.

Zum diesjährigen Equal Pay Day fordert der VdK daher nicht nur, gleiche Arbeit endlich gleich zu bezahlen, sondern spricht sich ebenso dafür aus, die Sorgearbeit gerecht zwischen den Geschlechtern aufzuteilen. Außerdem muss der Rechtsanspruch auf Rückkehr von einer Teilzeit- in die Vollzeitbeschäftigung in allen Betrieben gelten, unabhängig von deren Größe. „Immer noch stellt zudem die Kinderbetreuung viele Eltern vor große Probleme. Wir brauchen deshalb kostenlose Plätze in Kitas und Krabbelstuben für alle Kinder und Ganztagsschulen, die diesen Namen verdienen“, sagt Ursula König-Schneyer.