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Gut vernetzt und angebunden in den ländlichen Regionen Hessens

Fachzentrum Mobilität im ländlichen Raum hat neben Kassel jetzt weiteren Standort in Eschwege

Etwa die Hälfte der Hessinnen und Hessen leben in ländlich geprägten Regionen. Ländli-che Räume machen 85 Prozent der Landesfläche Hessens aus. Wie bleiben und werden die Menschen jenseits der Ballungsräume mobil? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Fachzentrum Mobilität im ländlichen Raum ab sofort an zwei Standorten in Nordhessen: in Kassel und jetzt neu in Eschwege.

Das 2017 gegründete Fachzentrum wird vom Nord-hessischen VerkehrsVerbund (NVV) und vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ge-meinsam betrieben. Das Ziel ist die Entwicklung von Konzepten und Strategien, damit Menschen in ländlich geprägten Regionen gut vernetzt und angebunden sind. Dabei geht es auch um die Verknüpfung verschiedener Mobilitätsformen – mit Bus und Bahn, Fahr-rad, zu Fuß oder mit dem Auto.

Mobilität ist ein wichtiger Standortfaktor: Damit auch Dörfer und kleine Kommunen at-traktive Wohnorte bleiben, müssen Arbeits- und Ausbildungsplätze, Schulen und Kitas, Einkaufsmöglichkeiten, medizinische Versorgung sowie Freizeit- und Kulturangebote gut erreichbar sein. Dies gilt für alle Bewohnerinnen und Bewohner, unabhängig davon, ob sie Zugang zu einem Auto haben. Zugleich profitiert beispielweise auch der Tourismus von einer guten Anbindung ländlicher Räume, wenn dort liegende Erholungs- und Freizeit-ziele besser erreichbar sind.

„Deshalb ist es uns wichtig, dass wir gemeinsam mit den Menschen in den ländlichen Re-gionen Projekte umsetzen“, sagt Knut John, Beauftragter des Landes Hessen für die länd-lichen Räume. John setzte sich für die neue Verortung des Fachzentrums im eher ländlich geprägten Nordhessen ein. Das Fachzentrum nahm seine Arbeit erstmals 2017 im House of Logistics & Mobility (HOLM) am Frankfurter Flughafen (HOLM) auf. Es gelang mit Mit-arbeiterinnen und Mitarbeitern aus Nord- und Südhessen, zahlreiche Impulse für die Mobilität im ländlichen Raum zu setzen. Mit den nordhessischen Standorten wird dieser Weg konsequent weitergeführt. „Mobilität ist ein Teil der Freiheit und damit Daseinsvorsorge. Dass die Arbeit des Fachzentrums dort erfolgt, wo die Betroffenheit vorliegt, ist für mich selbstverständlich. Damit kommen wir unserem Versprechen nach, Landeseinrichtungen auch in die ländlichen Regionen zu bringen“, erläutert John.

Das Fachzentrum Mobilität im ländlichen Raum hat seinen Sitz in Kassel beim NVV sowie einen weiteren Standort in Eschwege, der Kreisstadt des Werra-Meißner-Kreises in Nord-hessen. Dies ermöglicht eine direkte Abstimmung mit dem NVV, etwa bei den Themen Busangebot und Infrastruktur. Zugleich arbeitet das Fachzentrum wie bisher an Konzep-ten und Projekten für alle ländlich geprägten Regionen Hessens.

NVV-Geschäftsführer Marian Volmer verdeutlicht: „Mit unserem Bus- und Bahnangebot unter dem Motto “Jedes Dorf – Jede Stunde” leisten wir als Nordhessischer VerkehrsVer-bund bereits einen wesentlichen Beitrag für die nachhaltige Mobilität in Nordhessen. Fast jeder Ort im NVV-Gebiet ist mindestens einmal pro Stunde mit öffentlichen Verkehrsmit-teln erreichbar. Die im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich steigenden Fahrgast-zahlen in Nordhessen zeigen, dass unser Angebot gut angenommen wird. In Zusammen-arbeit mit dem Fachzentrum wollen wir die ÖPNV-Anbindung von ländlich geprägten Or-ten noch weiter verbessern.”

RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat sagt: „Im ländlichen Raum steht ein gutes ÖPNV-Angebot nicht nur für Daseinsvorsorge, sondern ist auch gelebte Demokratiepflege. Ein funktionierender Staat wird auch an der Leistungsfähigkeit seiner öffentlichen Mobilität gemessen. Großes Potential für einen besseren ÖPNV-Anschluss im ländlichen Raum bie-ten On-Demand-Verkehre. Im RMV haben wir dies bereits in zehn Bediengebieten – und weitere kommen hinzu. In Zukunft können diese Shuttles auch autonom verkehren, um überall und jederzeit individuelle Mobilität verfügbar zu haben. Das testet der RMV der-zeit im Pilotprojekt KIRA.“

Das Fachzentrum Mobilität im ländlichen Raum wird, wie in den Jahren zuvor, darüber hinaus einen engen Austausch mit weiteren Institutionen in Hessen pflegen, etwa mit der Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen, den Nahmobilitätskoordinatoren der 21 Land-kreise, mit Kommunen und lokalen Aufgabenträgern sowie mit dem Fachzentrum Schuli-sches Mobilitätsmanagement und dem Fachzentrum Nachhaltige Mobilitätsplanung Hes-sen. Das Fachzentrum Mobilität im ländlichen Raum ist zudem im Koordinierungskreis Ländliche Räume des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) vertreten.

Das Fachzentrum bietet Beratung und Unterstützung rund um das Thema Mobilität in ländlichen Räumen an – für kommunale Verwaltungen ebenso wie für Interessierte aus der Bevölkerung. Es organisiert zudem Fachvorträge und Veranstaltungen. Die vom Land Hessen geförderten Bürgerbus-Angebote werden vom Fachzentrum mitbegleitet.

Gewonnene Erkenntnisse wird das Fachzentrum in Form von Fachartikeln und Vorträgen für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Positive Beispiele sollen sich etablieren und so dazu beitragen, die Mobilität in ländlich geprägten Regionen weiter voranzutreiben.