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Letzte Aktualisierung: 29.07.2021

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Grundlagenarbeit zur Waldorfpädagogik

Weiterentwicklung für die Zukunft

von Ilse Romahn

(19.07.2021) Rund 45 an Forschungsfragen interessierte Waldorflehrer und -ausbilder diskutierten in einem dreitägigen Symposion Fragen und Aufgaben zur Weiterentwicklung der Waldorfpädagogik. Der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) hatte sie als Experten auf ihrem jeweiligen Fachgebiet eingeladen.

Diskutierten die zeitgemäße Weiterentwicklung der Waldorfpädagogik: 45 geladene Kolleginnen und Kollegen aus Schule und Ausbildung
Foto: Bund der freien Waldorfschulen
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Vor über 100 Jahren wurde die erste Waldorfschule gegründet, heute besuchen fast 90.000 Schüler die 254 Schulen in Deutschland. Auf diesen Erfolg aufbauend fragten die Teilnehmer des Symposions, welche Qualitäten heute gefragt sind, um diesen Impuls lebendig weiterzuentwickeln und in die Zukunft zu tragen. Das von den Schülern heute zu erwerbende Wissen hat sich rasant vergrößert; und auch sie selbst sind heute erkennbar anders sozialisiert als noch vor einigen wenigen Jahrzehnten. Analoge Kulturtechniken haben durch die Digitalisierung eine Bereicherung erfahren, die sinnvoll und zeitgemäß Kindern und Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden will. 

Ein Kern der Waldorfpädagogik ist der phänomenologische Unterricht, die Förderung der Urteilsbildung aus eigenem Nachvollzug beschreibbarer Phänomene. Schule sieht sich angesichts der geforderten Menge an Wissen heute zunehmend dem Zwang zur Reduktion auf in Abschlussprüfungen prüfbare Inhalte ausgesetzt. Was können Waldorfschulen diesem Zwang entgegensetzen, wie werden Prüfungsinhalte in den waldorfpädagogischen Kontext eingebettet? Der Frage wurde in Arbeitsgruppen nachgegangen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit als Antwort diskutierten vor allem Kollegen der höheren Klassenstufen: Fragen der Globalisierung beispielsweise auf Englisch zu erarbeiten ermöglicht Schülern, Inhalte des Geographieunterrichts, der Geschichte und der Wirtschafts- und Politikwissenschaften mit der Handhabung einer Fremdsprache zu verknüpfen. In einigen Waldorfschulen wird dies bereits umgesetzt. 

Ein weiterer Kern der Waldorfpädagogik ist die Orientierung des Unterrichtsstoffes am Entwicklungsalter der jungen Menschen. Im sog. Lehrplan der Waldorfschulen, der in steter Weiterentwicklung regelmäßig überarbeitet von der Pädagogischen Forschungsstelle im BdFWS publiziert wird, gibt es dazu Hinweise und inhaltliche Anregungen, die von den Kollegen ausgearbeitet werden können. Die Teilnehmer des Symposions verstanden ihre Aufgabe weniger als eine weitere Überarbeitung dieses Lehrplans, denn als Auftakt zu einer vertieften Beschäftigung sowohl mit den Wurzeln der Waldorfpädagogik als auch mit ihrer Aktualisierung – unter Beteiligung aller Kollegien der Waldorfschulen. 

Das Symposion wurde initiiert vom BdFWS und der Pädagogischen Forschungsstelle. Vertreten waren Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Norwegen und der Schweiz. Die Arbeit wird fortgeführt und soll in die Kollegien hineingetragen werden.

Die Pädagogische Forschungsstelle
Die Pädagogische Forschungsstelle ist ein eigener Verein im Gesamtzusammenhang des Bundes der Freien Waldorfschulen. Sie initiiert, koordiniert und begleitet Forschungsprojekte mit dem Ziel, die Waldorfpädagogik methodisch und inhaltlich weiterzuentwickeln. Zahlreiche Publikationen, darunter viele Lehrbücher für Waldorflehrer und -schülern, spiegeln den Stand der Forschung wider. Siehe auch forschung-waldorf.de

Bund der Freien Waldorfschulen e.V. 
Die derzeit 254 deutschen Waldorfschulen haben sich zum Bund der Freien Waldorfschulen e.V. (BdFWS) mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen, wo 1919 die erste Waldorfschule eröffnet wurde. In Deutschland besuchen 90.000 Schüler eine Waldorfschule. Die föderative Vereinigung lässt die Autonomie der einzelnen Waldorfschule unangetastet, nimmt aber gemeinsame Aufgaben und Interessen wahr. 

waldorfschule.de