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Letzte Aktualisierung: 16.08.2022

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Geschäftsführungswechsel im Dialogmuseum

von Ilse Romahn

(18.07.2022) Klara Kletzka, Gründerin und Gesellschafterin der Dialogmuseum gGmbH, wurde nach 18 Jahren von Maureen Ekizoglu als geschäftsführende Gesellschafterin abgelöst. Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Dr. Hartwig würdigte Kletzkas Lebenswerk und begrüßte Ekizoglu zum Amtsantritt.

Klara Kletzka und Maureen Ekizoglu
Foto: Julia Reisinger
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„Die Idee des ´Dialog im Dunkeln´ ist vor mehr als 30 Jahren in Frankfurt entstanden und entwickelte von hier ein weltumspannendes Netzwerk. Klara Kletzka hat mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum respektvollen Umgang mit dem Thema Inklusion geleistet und sich als langjährige Direktorin des Dialogmuseums auf kreative Weise für blinde Menschen stark gemacht. Besonders die letzten Jahre, die lange Standortsuche sowie die Pandemie, die ein körperbetontes Museum wie das Dialogmuseum besonders forderte, waren Herausforderungen, die das Museum unter der Leitung von Klara Kletzka meisterte. Ich wünsche Klara Kletzka für die Zukunft alles Gute und freue mich auf die Zusammenarbeit mit Maureen Ekizoglu“, sagte Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Dr. Ina Hartwig.

Kletzka gründete 2005 das Dialogmuseum Frankfurt als gemeinnütziges Sozialunternehmen mit der lizensierten Ausstellung „Dialog im Dunkeln – eine Ausstellung zur Entdeckung des Unsichtbaren“. Die Ausstellung wurde 1990 von Dr. Andreas Heinecke in Frankfurt am Main entwickelt und unter Kletzkas Zutun im Künstlerhaus Mousonturm erstmalig präsentiert. Ziel der Ausstellung ist es, Bewusstsein und Akzeptanz für behinderte und sozial benachteiligte Menschen in der Öffentlichkeit zu schärfen, deren soziale Integration zu fördern und Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Hierfür werden Besucher-Gruppen von blinden oder sehbehinderten Experten durch einen lichtlosen Parcours mit wechselnden Themenräumen geführt.

Kletzka und Heinecke leisteten 2000 Pionierarbeit mit der Eröffnung des Hamburger Hauses „Dialog im Dunkeln“ als erstes dauerhaftes Inklusionsunternehmen Deutschlands im sozialen Bereich. Als Gründungsmitglied der Dialogue Social Enterprise GmbH in Hamburg 2008 ebnete Kletzka den Weg für ein innovatives lizensiertes Ausstellungswesen, das heute vielfach als herausragendes Beispiel für soziales Unternehmertum ausgezeichnet und an 22 Standorten weltweit vertreten ist.

Das Dialogmuseum Frankfurt musste 2018 nach 13 Jahren den alten Standort in der Hanauer Landstraße im Ostend der Stadt schließen. Dank Kletzkas Engagement und der Unterstützung der Stadt Frankfurt am Main, dem Kulturdezernat und dem Planungsdezernat, fand das Museum seinen neuen zentralen Standort in den Räumlichkeiten der VGF, der im September 2021 eröffnet wurde. Im Juni 2022 begrüßte das Museum den 25000. Gast. Kletzka bleibt der Dialogmuseum gGmbH als Gesellschafterin erhalten und berät Maureen Ekizoglu weiterhin im Hintergrund.

„Ich übergebe nach vielen Hürden ein finanziell geordnetes Haus im Herzen der Stadt Frankfurt und bin glücklich über einen vertrauensvollen Generationen-wechsel zur richtigen Zeit“, so Kletzka.

Ekizoglu ist seit 2020 Pädagogische Leitung des Hauses und seither am operativen Museumsgeschäft und der Neuausrichtung maßgeblich beteiligt: „Es ist eine große Ehre dieses besondere Museum fortan leiten und gestalten zu dürfen. Für mich ist das Dialogmuseum nicht nur Erlebnismuseum, sondern Ort der Begegnung und partizipative Plattform für Barrierefreiheit, Inklusion und Empathie. Unser Bildungsauftrag ist es, diese Themen möglichst vielen Menschen auf Augenhöhe zugänglich zu machen.“

Klara Kletzka, geboren 1957, gründete 2005 das Dialogmuseum in Frankfurt am Main. Sie ist seither geschäftsführende Gesellschafterin der gemeinnützigen GmbH. Kletzka studierte Romanistik und Politik auf Lehramt an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und absolvierte währenddessen eine Ausbildung als Buchhändlerin. Nach verschiedenen beruflichen Etappen in Kultureinrichtungen Frankfurts war Kletzka 1988 Gründungsmitglied des renommierten Künstlerhauses Mousonturm. Seit 2008 ist Kletzka Gründungsmitglied und Partnerin der Dialogue Social Enterprise GmbH. Kletzka verfügt über langjährige Erfahrung als soziale Unternehmerin auf internationalem Feld und ist eine beratende Expertin, Herausgeberin und Autorin in den Bereichen Social Entrepreneurship und Inklusion mit dem Schwerpunkt Sinnesbehinderungen. Sie ist verheiratet und lebt in Frankfurt am Main.

Maureen Ekizoglu, geboren 1984, begleitet das Dialogmuseum seit 2020 als Pädagogische Leitung, vorwiegend im Prozess der Neueröffnung und der inhaltlichen Neuausrichtung. Nach dem Abitur und der kaufmännischen Ausbildung für das Fremdsprachen-Sekretariat in Kassel studierte sie Kunstgeschichte und Romanistik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. 2012 bis 2018 war sie wissenschaftliche Assistenz des Sammlungleiters der Kunst der Moderne des Städel Museums und an zahlreichen Ausstellungen und Publikationen beteiligt. Anschließend war sie Mitarbeitende einer Frankfurter Werbeagentur. 2019 war Ekizoglu wissenschaftliche Mitarbeitende am Deutschen Ledermuseum in Offenbach und für die Neukonzeption des Hauses und als Kuratorin beschäftigt. Ekizoglu ist Mitglied in verschiedenen Vereinen, die soziale, inklusive und kulturelle Projekte fördern. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Inklusion, Museumspädagogik und Szenografie. Ekizoglu ist verheiratet und hat einen Sohn. Sie lebt in Frankfurt am Main.