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Letzte Aktualisierung: 08.12.2021

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Genussreise: Deutschlands Spezialitäten barrierefrei entdecken

von Ilse Romahn

(23.06.2021) Wo wachsen in Deutschland Feigen und Zitronen? Was ist das Geheimnis der Thüringer Klöße? Welches Kulturerbe wird im Norden zelebriert? Für Genießer ist Deutschland mit seinem Reichtum an regionalen Traditionen ein ebenso spannendes Reiseziel wie Italien oder Frankreich.

Nach einer Handbiketour genießen Gäste das Picknick in den Weinbergen an der Südlichen Weinstraße
Foto: Dominik Ketz
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Immer mehr kulinarische Erlebnisse werden bewusst barrierefrei gestaltet. Davon profitieren nicht nur Menschen mit Einschränkungen – aber sie besonders. Die Arbeitsgemeinschaft Leichter Reisen, welche die nationalen Vorreiter im barrierefreien Tourismus vereint, präsentiert ihre Genussreiseideen für Sommer und Herbst 2021.

Südliche Weinstraße: Weinkultur barrierefrei
Die Südliche Weinstraße im Süden von Rheinland-Pfalz ist ein klimatisch besonders verwöhntes Stück Deutschland. Dank 2000 Sonnenstunden im Jahr gedeihen hier Feigen, Zitronen, Esskastanien – und natürlich Wein. Gelegenheit zur genussreichen Begegnung mit der tief verwurzelten Weinkultur der Region und einigen Protagonisten bietet die barrierefreie „Weinreise“ durch den Wein- und Erholungsort Maikammer. Eine Weinbotschafterin führt Gäste durch den historischen Ortskern, zu zwei Weingütern und zur Weinprobe in die Vinothek. Die Strecke ist durchgängig für Rollstuhlfahrer geeignet.
Im benachbarten St. Martin, das zu den schönsten Orten in der Pfalz zählt, serviert Familie Kiefer in der nach „Reisen für Alle“ zertifizierten Straußwirtschaft Aloisiushof alljährlich im Herbst Pfälzer Gerichte und hauseigene Weine. Zur Verkostung feiner regionaler Tropfen lädt auch das ebenfalls nach „Reisen für Alle“ zertifizierte Wein- und Sekthaus Schreieck mit Vinothek und Weinrestaurant in Maikammer. Und nichts weniger als die besten Weine der Südpfalz verspricht selbstbewusst die barrierefrei zugängliche Vinothek Par Terre in Landau. 55 Winzer und Weinbaubetriebe präsentieren hier ihre Produkte.
Viele Weingasthäuser an der Südlichen Weinstraße stellen ihren Gästen auch ein Picknickpaket für zwei Personen für individuelle Wanderungen zusammen. Der Tourismusverband listet auf seiner Website alle Verkaufsstellen sowie barrierefreie Picknickplätze. Zu den schönsten gehört der Platz mitten in den Weinreben am Biblischen Weinpfad in Kirrweiler. Das Picknick lässt sich mit einer 2,6 Kilometer langen rollstuhlgerechten Wanderung oder Handbiketour auf dem Weinpfad verbinden.

Ostfriesland: Kulturerbe Teezeremonie
Was den Pfälzern der Wein, ist den Ostfriesen der Tee. Ihre Teezeremonie mit Kandis und Sahnewölkchen wurde sogar in die UNESCO-Liste der immateriellen Kulturgüter aufgenommen. Das Bünting Teemuseum in Leer ist ein kleines, charmantes Museum zur Geschichte und Gegenwart des ostfriesischen Tees. Auch eine Teestunde oder eine authentische Teezeremonie können hier besucht werden. Für Rollstuhlfahrer ist das Museum über eine Rampe zugänglich.

Noch tiefer in den Kosmos des Ostfriesentees entführt das nach „Reisen für Alle“ zertifizierte ostfriesische Teemuseum in Norden. Auch hier wird Barrierefreiheit gelebt. Nach Anmeldung können Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen, Mobilitätseinschränkungen oder mit kognitiven Einschränkungen an speziellen Führungen teilnehmen.

Zu kulinarischen Touren laden die Städte Emden und Bad Zwischenahn ein. Die bedingt barrierefreie Genusstour „Emden Mundjet“ führt Besucher durch die Seehafenstadt Emden. Dabei werden typische Emder Spezialitäten verkostet. Bei der für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderungen geeigneten Gästeführung „So schmeckt Bad Zwischenahn“ werden an sieben Stationen Spezialitäten aus der Region verkostet.

Erfurt: Thüringer Klöße und alte Gemüsesorten
Noch nicht auf der Liste der immateriellen Kulturgüter steht der Thüringer Kloß. Doch auch er ist ein wesentlicher Teil der kulinarischen Identität Deutschlands. Die thüringische Landeshauptstadt Erfurt ist ein guter Ort, um in die Welt der Klöße einzutauchen. Thüringer Klöße stehen hier auf fast jeder Speisekarte.

Interessierte Gäste können sich bei Kloß-Seminaren in die kulinarischen Geheimnisse der Thüringer einweihen lassen. Unter Anleitung werden die Klöße zubereitet und gemeinsam in einem Drei-Gänge-Menü verkostet. Auch Menschen mit Geh- oder Hörbehinderungen sind ausdrücklich eingeladen. Weitere zugängliche Möglichkeiten, die Leibspeise der Thüringer zu genießen sind das „Original Thüringer Kloßessen“ in einem barrierefreien Restaurant oder die „Kulinarische Stadterkundung“ mit drei Gängen in drei verschiedenen Restaurants. Alle drei Angebote sind über die Erfurt Tourist Information buchbar.
Einst – und lange vor den Klößen – war Erfurt auch für sein exzellentes Gemüse berühmt. Besonders der Blumenkohl, die Puffbohne und die Brunnenkresse aus der Domstadt mit den nährstoffreichen Böden waren und sind legendär. An die glorreiche Gartenbauvergangenheit Erfurts erinnert das barrierefrei zugängliche Deutsche Gartenbaumuseum, das Teil der aktuellen Bundesgartenschau ist. Hier können Besucher mehr über die traditionellen Pflanzen erfahren und diese in den Restaurants der Buga zum Teil auch verkosten.

Veranstaltungstipps: Genusswoche auf der Buga „Mit allen Sinnen genießen“ vom 16. bis 22. August, „Köstlich! – Die Erntedankwoche“ auf der Buga vom 27. September bis 3. Oktober (Ob die Veranstaltungen stattfinden können, ist auf der Website www.buga2021.de nachzulesen.)

Weitere barrierefreie, kulinarische Angebote finden sich auf der Website der Arbeitsgemeinschaft Leichter Reisen www.leichter-reisen.info. ■