Gemeinsame Übung: Schutz bei lebensgefährlichen Infektionen
Gerade hochansteckende Krankheiten erfordern besondere Umsicht, ein extrem hohes medizinisches Niveau und – auch wenn es keine Regelfälle sind – will der Ernstfall geübt sein. Im Jahr 2014 haben die beteiligten Stellen beispielsweise bei der Behandlung eines Ebola-Patienten in Frankfurt gezeigt, dass hier Spitzenmedizin geboten wird. Das ist nicht selbstverständlich. Daher wird in dem Szenario eine seltene, aber dennoch mögliche biologische Gefahrenlage geübt: Die Einschleppung einer gemeingefährlichen Infektionskrankheit durch einen Reisenden. Eine Person infiziert sich in Westafrika mit dem gefährlichen Lassavirus und reist zunächst beschwerdefrei über Paris nach Saarbrücken. Hier entwickelt sie erste Beschwerden und begibt sich in die Notaufnahme eines Krankenhauses.
Nach der Erstversorgung des Patienten in einem vorläufigen Isolierbereich in der Notaufnahme und der Bestätigung der Diagnose durch das Hochsicherheitslabor in Marburg wird entschieden, den Patienten zur definitiven medizinischen Versorgung und zum Schutz des medizinischen Personals und der Bevölkerung unter Beachtung aller Sicherheitsmaßnahmen auf die Sonderisolierstation in Frankfurt am Main zu verlegen.
Eine besondere Herausforderung für die Einsatzkräfte stellt dabei der mehrstündige Transport in Gebläseschutz-Anzügen dar, die eigens für diese Lage unter Mitwirkung des Frankfurter Gesundheitsamtes und der Branddirektion entwickelt wurden.
Geübt werden die Alarmierungswege, die vorläufige Isolierung, der Transport des Patienten und die Aufnahme auf die Sonderisolierstation der höchsten biologischen Sicherheitsstufe 4 in der Universitätsklinik Frankfurt am Main.
Das Kompetenzzentrum ist ein Netzwerk aus verschiedenen Institutionen in Hessen, das bei Verdacht auf eine solche Erkrankung das Management aller Abläufe übernimmt. Durch seine Arbeit hat es in Deutschland und in Europa Bedeutung und Ansehen erworben.
Bei der SARS-Pandemie, bei Lassa-Fieber und bei dem bislang größten Ebola-Ausbruch 2014 haben sich die Konzepte bereits in der Praxis bewährt: Im Unterschied zu anderen Ländern gab es keine Infektionen unter dem medizinischen Personal, während die Patienten bis zu drei Monate intensivmedizinisch behandelt wurden.
Der Hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner lobt die Arbeit des Zentrums sowie die Übung und sagte: „Hier zeigt sich, dass die Investitionen des Landes Hessen in das Kompetenzzentrum für hochpathogene Infektionserreger wichtig und sehr gut angelegtes Geld sind. Das Land Hessen hat das Kompetenzzentrum gegründet, den Bau einer Isolierstation im Frankfurter Uniklinikum mit 1.431.500 Euro finanziert und unterstützt gemeinsam mit Rheinland-Pfalz und dem Saarland die einzelnen Einrichtungen mit knapp 500.000 Euro jährlich.“
Der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer betont: „Diese umfassende Expertise, die auch bundesweit und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) genutzt wird, in unserem Frankfurter Gesundheitsamt zu wissen, ist eine gute Nachricht in unruhigen Zeiten. Wir können uns darauf verlassen, dass im Rhein-Main-Gebiet alles getan wird, um einen bestmöglichen Seuchenschutz vor diesen hochgefährlichen Krankheiten zu gewährleisten.“