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Letzte Aktualisierung: 26.11.2022

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Gemeinsam als Stadtgesellschaft gegen die Folgen der Inflation 

Sozialdezernentin Voitl stellt Kampagne #weitergeben vor

von Ilse Romahn

(21.11.2022) Mit einem Spendenfonds will die Stadt Frankfurt künftig schnell und direkt auf aktuelle Krisensituationen zur Entlastung der Menschen reagieren können – und setzt dabei auch auf die Solidarität der Stadtgesellschaft.

Dierk Dallwitz, Geschäftsführer DRK Frankfurt und Vorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Frankfurt am Main, Sozialdezernentin Elke Voitl und Jugend- und Sozialamtsleiterin Nanine Delmas vor den Plakatmotiven zur Kampagne #weitergeben
Foto: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Holger Menzel
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Aus diesem Grund appelliert die neue Kampagne #weitergeben des Sozialdezernates und des Jugend- und Sozialamtes an finanziell abgesicherte Frankfurterinnen und Frankfurter, ihre vom Bund gezahlte und nicht benötigte Energiepauschale zu spenden. Dabei ist die Energiepauschale nur ein Beispiel: Egal ob 5,50 oder 500 Euro – jeder Betrag ist willkommen. Unterstützt wird die Kampagne von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Frankfurt am Main (Liga Frankfurt), dem Zusammenschluss der freien Wohlfahrtsverbände. Ein weiterer Unterstützer ist die Mainova. In einem ersten Schritt sollen mit dem eingenommenen Geld kostenlose Essensangebote für Kinder, Jugendliche, Seniorinnen und Senioren und alle anderen Menschen finanziert werden, die durch die Folgen der Inflation in eine prekäre Lage gekommen sind. Da das neue Angebot auf bestehenden Strukturen aufbaut, gibt es keine Verwaltungs- oder Personalkosten – jeder gespendete Euro fließt direkt in das Essensangebot.
 
„Wir haben in Frankfurt durch unser Jugend- und Sozialamt ein gut funktionierendes Hilfesystem, belastbare Strukturen und mit unseren Trägern, den Vereinen und Verbänden, starke Partner, die direkt mit den Menschen arbeiten“, sagt Sozialdezernentin Elke Voitl. Der neue Spendenfonds sei nicht als Ersatz staatlicher Angebote und Leistungen gedacht, sondern als sinnvolle Ergänzung. So stelle die aktuelle Krisensituation sehr viele Menschen in Frankfurt vor erhebliche Herausforderungen. „Es trifft derzeit auch Frankfurter, die bisher noch nie daran gedacht haben, dass sie Unterstützung bräuchten oder in eine prekäre Lage kommen könnten“, sagt die Stadträtin. Menschen, die bereits vor der Krise auf Hilfe angewiesen waren, bringe es an ihre Grenzen. „In so einer Situation müssen wir als Stadtgesellschaft füreinander einstehen. Und eine starke Stadt wie Frankfurt kann das leisten: Wir haben eine lange Tradition von bürgerschaftlichem Engagement. Die Hilfsbereitschaft der Menschen beeindruckt mich immer wieder“, sagt Voitl.
 
Der Fonds sei zudem als Überbrückung gedacht, bis Entlastungen des Bundes wie die Gaspreisbremse, die im März 2023 kommen soll, wirksam werden. „Demokratische Prozesse auf Bundes- und Landesebene brauchen ihre Zeit, bis sie beendet und umgesetzt sind. Wir wollen als Kommune aber Frankfurter erreichen, denen schon jetzt am Ende des Monats das Geld nicht mehr reicht, und Unterstützung anbieten“, sagt Sozialdezernentin Voitl.
 
Die kostenlosen Essensangebote sind daher eine gute Möglichkeit, Menschen zu entlasten, und weitere Hilfen anzubieten. „Wir müssen dafür keine neuen Strukturen schaffen, sondern weiten unser Angebot in bestehenden, bereits bekannten Einrichtungen aus“, sagt die Leiterin des Jugend- und Sozialamtes, Nanine Delmas. Dazu gehören Kinder- und Jugendeinrichtungen, offene Seniorendienste oder die Familiennetzwerke, die grundsätzlich allen Menschen offenstehen. „So erreichen wir Frankfurter aller Altersgruppen in verschiedenen Lebenssituationen und sichern Grundbedürfnisse“, sagt Delmas. So soll es künftig beispielsweise in einem Familientreff auch ein vollwertiges Frühstück statt bisher nur einen Kaffee und einen Keks geben. „Uns geht es mit dem Angebot auch darum, noch mehr Menschen als bisher zu erreichen und zu informieren“, sagt die Amtsleiterin. Mitarbeitende geben in all den Einrichtungen nicht nur Essen aus, sondern sind auch Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in Notsituationen. Sie können die Menschen bei Bedarf an weitere Angebote wie die Schuldnerberatung oder die Hilfen zur Wohnungssicherung vermitteln.
 
Die zur Liga Frankfurt gehörenden Wohlfahrtsverbände und Träger erleben in ihrer Arbeit tagtäglich die großen Sorgen und Ängste, die besonders einkommensarme Menschen umtreiben. Ihnen Hoffnung und konkrete Unterstützung zu geben, ist das Anliegen der Sozialen Dienste und Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege. Bereits heute wird dort viel erreicht, doch die Anforderungen haben angesichts der aktuellen Entwicklungen stark zugenommen.
 
„Wir stellen fest, dass die Zahl der Kinder, die ohne Frühstück das Haus verlassen, in diesem Jahr drastisch gestiegen ist. Dadurch können wir mit den Spenden hier viel bewirken: zum Beispiel die Bereitstellung eines kostenfreien, warmen Mittagessens in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe – das für viele Kinder oftmals die erste Mahlzeit am Tag ist“, sagt der Vorsitzende der Liga Frankfurt und Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes Frankfurt, Dierk Dallwitz. „Unsere Mittagstische sind außerdem Orte des Austauschs, wo Kinder und Jugendliche in geschützter Atmosphäre über ihren Kummer und ihre Nöte sprechen können.“
 
Um möglichst viele Menschen mit der Kampagne #weitergebenen zu erreichen, motivieren stadtweit Plakate und ein Online-Auftritt zum Spenden. Auf den Plakaten zeigen Frankfurterinnen und Frankfurter, was sie nicht mehr hergeben wollen – im Gegensatz zum Energiezuschuss, den sie gerne weitergeben.
 
Weitere Informationen zur Kampagne gibt es unter weitergeben-frankfurt.de. (ffm)