Gelebte MINT-Berufsorientierung: Schlüssel zur Fachkräftesicherung in Hessen
Hessischer Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori und Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, besuchen „Girls4MINT“ bei AUMOVIO
Foto: 2026 Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH
Die Fachkräftesicherung insbesondere in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen zählt zu den zentralen Herausforderungen für Unternehmen in Hessen. Praxisnahe Berufsorientierung kann dazu beitragen, frühzeitig Interesse an MINT-Berufen zu wecken und realistische Einblicke in Ausbildungs- und Berufsbilder zu ermöglichen. Ein Beispiel dafür ist das Berufsorientierungsprojekt „Girls4MINT“, das vor vier Jahren im Auftrag des Landes Hessen und der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit sowie des Europäischen Sozialfonds initiiert wurde und seitdem von Provadis durchgeführt wird. Das Projekt ist Teil der hessischen MINT-Aktionslinie und richtet sich an Schülerinnen der Jahrgangsstufen 7 bis 10. Ziel des viertägigen Programms in Kooperation mit Unternehmen ist es, Mädchen praxisnah an MINT-Tätigkeitsfelder heranzuführen, berufliche Perspektiven aufzuzeigen und Berührungsängste abzubauen. Kooperationspartner der aktuellen Durchführung ist der Automobilzulieferer AUMOVIO.
Um sich vor Ort ein Bild von dem Projekt zu machen, besuchten Kaweh Mansoori, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, sowie Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, das Angebot bei AUMOVIO in Frankfurt.
Erfolgreiches Projekt mit Mehrwert für Schülerinnen und Unternehmen
Seit 2022 haben hessenweit 20 Unternehmen das Programm von „Girls4MINT“ gemeinsam mit Provadis umgesetzt, darunter B. Braun in Melsungen, Procter & Gamble in Groß-Gerau, Bender in Grünberg oder EAM in Baunatal. Mehr als 450 Teilnehmerinnen hatten dadurch die Möglichkeit zu prüfen, ob ein MINT-Beruf für sie infrage kommt. Im Fokus von „Girls4MINT“ stehen Einblicke in betriebliche Praxis, Tätigkeiten und Ausbildungsberufe. Eingebunden sind Ausbilderinnen bzw. Geschäftsführerinnen, die aus ihrem Berufsalltag in den Unternehmen berichten. Auszubildende begleiten die Projektarbeiten und beantworten Fragen zu ihren eigenen Erfahrungen in den Ausbildungsberufen.
Auch für Unternehmen bietet das Projekt einen konkreten Nutzen: Rund 85 Prozent der Teilnehmerinnen gaben im Anschluss an, dass sie sich eine Tätigkeit im MINT-Bereich grundsätzlich vorstellen können. Aus Rückmeldungen beteiligter Unternehmen ist zudem bekannt, dass einige Teilnehmerinnen sich im Anschluss unmittelbar um Praktikums- oder Ausbildungsplätze beworben haben.
Neues lernen, praktisch arbeiten: Projektwoche bei AUMOVIO
Die 16 Teilnehmerinnen von „Girls4MINT“ bei AUMOVIO in Frankfurt kamen von der Oranienschule in Wiesbaden, der Weidigschule in Butzbach sowie der Louise-von-Rothschild-Schule und der Josephine-Baker-Gesamtschule in Frankfurt. Sie erlebten ein abwechslungsreiches Programm rund um MINT-Themen und Ausbildungsberufe in den Bereichen Elektrotechnik, Mechanik und Informatik.
In kleinen Gruppen durchliefen die Schülerinnen vier Praxisstationen und wendeten ihre neu erworbenen Kenntnisse direkt in einem gemeinsamen Projekt an: dem „AUMOVIO-Board“. Dafür fertigten sie unter anderem ein Gehäuse (Chassis) mit Unterstützung von 3D-Druck und Metallbearbeitung, löteten eine Platine mit einem Mikrocontroller, übertrugen den Programmcode auf die Steuerung („Flashen“) und nahmen die Software in Betrieb.
Jede Teilnehmerin nahm ihr selbst hergestelltes „AUMOVIO-Board“ mit nach Hause, ebenso wie einen im Projekt gefertigten Schmuckhalter, bei dem eine 3D-gedruckte Platte mit von den Teilnehmerinnen bearbeiteten Metallstreben kombiniert wurde.
Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori betonte: „Mit unserer hessischen MINT-Aktionslinie fördern wir Projekte, die jungen Menschen praxisnahe Einblicke ermöglichen und sie frühzeitig für technische und naturwissenschaftliche Berufe begeistern. „Girls4MINT“ zeigt, wie Berufsorientierung konkret funktionieren kann: Schülerinnen sammeln eigene Erfahrungen und lernen berufliche Perspektiven kennen. Gleichzeitig eröffnet das Projekt Unternehmen die Möglichkeit, frühzeitig mit potenziellen Nachwuchskräften in Kontakt zu kommen. Daran knüpfen auch die hessenweiten Praktikumstage im Sommer an. Ich lade Unternehmen ein, sich aktiv zu beteiligen und jungen Menschen Einblicke in den Berufsalltag zu ermöglichen. Jeder praktische Eindruck kann der Anfang eines beruflichen Weges sein und damit auch ein Beitrag zur Fachkräftesicherung in Hessen.“ Anmeldungen sind noch möglich bis Anfang Juni unter www.praktikumswoche.de/regionen/hessen
Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, erklärte: „Hessen braucht Fachkräfte in MINT-Berufen. Und obwohl wir beim Frauenanteil zur bundesweiten Spitzengruppe zählen, stagniert seit über 10 Jahren die Zahl junger Frauen, die sich für eine MINT-Ausbildung entscheiden. Genau deshalb sind Projekte wie „Girls4MINT“ so wichtig: Sie bieten praxisnahe Einblicke und Begegnungen mit weiblichen Vorbildern, wecken Interesse und bauen Hemmschwellen ab.“
Torsten Rauch, Werksleiter Frankfurt bei AUMOVIO hob hervor: „Als Standort mit technischer Ausbildung ist es uns wichtig, jungen Menschen frühzeitig praxisnahe Einblicke in MINT‑Berufe zu ermöglichen. Formate wie „Girls4MINT“ leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Wir freuen uns, dass das Projekt heute bei uns in Frankfurt stattgefunden hat und wir damit die Möglichkeit haben, potenzielle Nachwuchskräfte für technische Ausbildungswege zu begeistern.“
Alexander Hupert, Geschäftsführer von Provadis, sagte: „Wir sind sehr stolz auf den Erfolg von „Girls4MINT“ und wollen auch weiterhin aktiv an der Fachkräftesicherung mitwirken. Unser Ziel ist es, bei den Schülerinnen Berührungsängste abzubauen, Neugier zu wecken und ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen.“
In den nächsten Tagen erhalten die Teilnehmerinnen in einem Feedback-Gespräch mit den Verantwortlichen eine persönliche Rückmeldung zu ihren individuellen Kompetenzen im MINT-Bereich. Eine Abschlussveranstaltung mit den Teilnehmerinnen, ihren Eltern, der Agentur für Arbeit sowie Unternehmensvertreterinnen und -vertretern rundet das Berufsorientierungsprojekt ab. Abschließend erhalten die Schülerinnen ein Zertifikat über ihre Teilnahme.
Angebote an weiteren hessischen Standorten
Das Projekt „Girls4MINT“ ist eine Gemeinschaftsinitiative des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum sowie der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. Beide Partner finanzieren das Projekt, das auch vom Europäischen Sozialfonds (ESF) unterstützt wird. Dadurch entstehen für Schülerinnen und Schulen keine Teilnahmegebühren. Provadis verantwortet Konzept und Durchführung der insgesamt 18 „Girls4MINT“-Veranstaltungen, die zwischen 2024 und 2026 in zwölf Regionen gemeinsam mit ortsansässigen Unternehmen durchgeführt wurden oder noch anstehen. Das Hessische Kultusministerium unterstützt das Projekt.
Weitere Informationen: www.girls4mint.de.
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